Kunst im ehemaligen Kuhstall Ausstellung im Hartmannshof mit Arbeiten von Hiltrud Schäfer

Hiltrud Schäfer mit einem ihrer Objekte, die zurzeit im Hartmannshof in Versmold gezeigt werden. Foto: André HavergoHiltrud Schäfer mit einem ihrer Objekte, die zurzeit im Hartmannshof in Versmold gezeigt werden. Foto: André Havergo

Versmold. Eine Art Retrospektive der Osnabrücker Künstlerin Hiltrud Schäfer wird zurzeit im Versmolder Hartmannshof gezeigt – zusammen mit einer Ausstellung mit Werken von Helga Rensing und Exponaten zur Kunstbewegung des Fluxus.

Hiltrud Schäfer ist Papierliebhaberin. Mit ihren Kunstwerken bricht sie eine Lanze für handgeschöpftes Papier als Werkstoff. Wie vielseitig das Material ist, zeigt sie mit einer Ausstellung in Versmold, mit der sie mehr als 25 Jahre ihrer künstlerischen Arbeit dokumentiert.

Da findet man die robusten Torwächter genauso wie die filigranen, rotgefärbten Papierbahnen, die an blutiges Fleisch erinnern. Mal formt die Künstlerin Köpfe aus Papier, oder es entstehen Schriftrollen, Schiffe und Figuren. Mal erscheint das Material luftig und transparent, mal stabil und wehrhaft. Für Schäfer ist es wichtig, dass Papier nicht so schwer ist wie Metall oder Stein. „Ich arbeite gern raumgreifend“, sagt die in Luckau bei Dannenberg geborene Künstlerin, die schon seit Jahrzehnten in Osnabrück lebt und arbeitet.

Von Informel zur menschlichen Gestalt

Im Hartmannshof in Versmold hat sie jetzt viel Platz, um ihre Objekte und Skulpturen zu präsentieren. Mit Mitteln der Heinrich W. Risken Stiftung war der Hof in den vergangenen Jahren renoviert und zu einem Ort der Kunst verwandelt worden. Aus Kuhstall und Schweinestall wurden exquisite Ausstellungsräume. Im frei stehenden, ehemaligen Schweinestall ist zeitgleich mit der Schäfer-Schau eine umfassende Ausstellung mit Arbeiten der 2011 verstorbenen Künstlerin Helga Rensing zu sehen. Anhand der Exponate wird ihr Weg von einer Künstlerin, die von Wols, dem Ahnherrn des Informel, maßgeblich beeinflusst wurde, hin zu einer Malerin gezeichnet, die sich später auch wieder dem Studium der menschlichen Gestalt widmete.

Während der Besucher vom ehemaligen Schweinestall zum großen Ausstellungsraum im Hauptgebäude des Hartmannshofes wandelt, darf er dort in der Tenne zahlreiche Objekte betrachten, die der Kunstbewegung des Fluxus zugeordnet werden. Diese Künstler arbeiteten gern mit Alltagsgegenständen – eine Parallele zu Hiltrud Schäfer, die ihre Kreativität ebenfalls gern von Materialien, die sie in der Natur oder auch in stillgelegten Fabriken oder Archiven findet, in unerwartete Bahnen lenken lässt. Vor nicht langer Zeit fand sie Porzellanteile aus einer Puppenmanufaktur, die Kistenweise in ihren Besitz gelangten und ihre aktuellen Skulpturen prägen – immer in Kombination mit Objekten aus Papier, das sie selbst schöpft. „Dazu benötige ich Kozo, einen Grundstoff, den ich aus Japan beziehe. Er wird aus dem Rindenbast des Papiermaulbeerbaumes gewonnen, der sich optimal zur Herstellung von Papier eignet“, sagt Schäfer. Im Keller oder, wenn das Wetter es zulässt auch im Garten, stellt sie die ganz unterschiedlichen Arten von Japanpapier her, die dann in ihren Objekten Verwendung finden. Dabei schreckt die Künstlerin oft nicht vor kritischen Aussagen zur Befindlichkeit des Menschen und der Menschheit zurück.

Hartmannshof (Alter Salzweg 34, Versmold): Skulpturen und Objekte von Hiltrud Schäfer, Malerei von Helga Rensing sowie Fluxus-Kunst. Bis 31. August, samstags nach Voranmeldung unter 05424 – 299 245.


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