Fleisch oder Tofu? ÖPNV frei für alle? CO2-Steuer? Osnabrücker Jungpolitiker diskutieren über Klimapolitik

Das Thema Umwelt beschäftigte auf Einladung der Fridays-for-Future-Organisatoren (v.l.) Lukas Foppe, Nemir Ali, Karla Oberwestberg, Matthias Klaes, Christopher Peiler und Lisa Kurapkat. Foto: André HavergoDas Thema Umwelt beschäftigte auf Einladung der Fridays-for-Future-Organisatoren (v.l.) Lukas Foppe, Nemir Ali, Karla Oberwestberg, Matthias Klaes, Christopher Peiler und Lisa Kurapkat. Foto: André Havergo

Osnabrück. Es war eine Podiumsdiskussion wie ein Showdown. Fridays-for-Future hatte die jungen Politiker in die Lagerhalle eingeladen um ihnen Fragen zu stellen. Tatsächlich wurde der Abend zu einer äußerst kontroversen und spannenden Debatte über das Thema unserer Zeit: dem Klimawandel.

Vier Vertreter von Jugendorganisationen, rund fünfzig Fridays-for-Future Demonstranten, zwei Moderatoren, Karla Oberwestberg und Matthias Klaes, und einige interessierte Bürger wurden auf dem Spitzboden der Lagerhalle am Freitag zu einer explosiven Mischung. Zwei Stunden waren für die Diskussion vorgesehen, am Ende hätte es nochmal so lange weitergehen können, so hoch waren der Redebedarf und das Konfliktpotential.  

Hauptthemen der Runde waren Verkehr, CO2-Steuer, Erneuerbare Energien, Konsum und Landwirtschaft. Alle Beteiligten waren um eine möglichst umfassende Perspektive bemüht. Soziale, wirtschaftliche oder ökologische Aspekte – nichts wurde ausgelassen.

Verbote 

„Ohne Verzicht geht es nicht.“ Für diese These erntete Lisa Kurapkat den Applaus des Publikums und von ihren Mitdiskutanten auf dem Podium so manches Kopfschütteln. Die 22-Jährige sprach sich für einen Lebensstilwandel aus, den die meisten Menschen wohl kaum freiwillig vollziehen würden, weswegen Verbote notwendig seien. Konkret sollten Überkonsum, Autofahren und Fleischverzehr gesenkt oder gemieden werden, denn: „Wir leben über unsere Verhältnisse.“ Kurapkat unterstützt die Forderung nach einem kostenlosen ÖPNV, die sie um weitere Hilfen für ältere Menschen, wie Sammeltaxen ergänzte.

In einen kostenlosen ÖPNV sieht Christopher Peiler von der Jungen Union keine Lösung. „Niemand wird zusätzlich Bus fahren, nur weil es kostenlos ist.“ Anliegen des 30-Jährigen war die Verteidigung der "Sozialschwachen", die er von den Maßnahmen gegen den Klimawandel finanziell belastet sieht. Peiler steht zum Beispiel einer CO2-Steuer kritisch gegenüber, da sie seiner Ansicht nach Kleinunternehmer treffen würde. Auch könne man niemandem vorschreiben was er zu essen oder worauf er zu verzichten habe. Lösungen sieht er eher in Elektroautos, Wasserstoffloks oder Hausdämmungen. Auch wenn seine Meinungen auf dem Podium und im Publikum kontrovers diskutiert wurden, betonte er am Ende: „Wir ziehen alle am gleichen Strang.“

Erheblicher Zeitdruck

Für Lukas Foppe von der Linksjugend erfordert der Klimawandel „massive gesellschaftliche Umwälzungen“ nötig. Der 27-Jährige sieht an dieser Stell einen erheblichen "Zeitdruck“. Fleisch bezeichnete er als „gefährlichen Motor der Umweltzerstörung“. Deswegen solle vegetarisches Essen beworben und subventioniert werden. Das Geld für einen Ausbau des ÖPNV solle nach Foppes Meinung von „denen genommen werden, die es haben.“ Alle zu ergreifenden Maßnahmen müssten schnell und weitreichend umgesetzt werden. So zum Beispiel das Ende der Atom-und Kohleenergie. Außerdem müsse über die „Systemfrage“ nachgedacht werden, mithin darüber, ob der Kapitalismus von einem alternativen System ersetzt werden solle.

Nemir Ali riet Lukas Foppe „den Türgriff zu suchen, statt mit dem Kopf durch die Wand zu gehen.“ Der 22 Jahre alte Junge Liberale verteidigte die Marktwirtschaft als ein System, in dem die globale Armut so gering sei wie nie zuvor, was vom Publikum mit Stöhnen kommentiert wurde. Eine flächendeckende Versorgung mit erneuerbarer Energie halte er für realistisch. Ali setzt auf den Emissionshandel, der einen wirtschaftlichen Anreiz für Unternehmen darstelle, Emissionen so niedrig wie möglich zu halten. Skeptischen Einwendungen zum Trotz setzte Ali beim Thema Umwelt zudem auf Forschung und Technologie.


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