Nach zehn Jahren Niedersachsenmetall: Grunwald gibt sein Amt ab

Beim Festakt zu 100 Jahre Arbeitgeberverband (IAV) und 90 Jahre Niedersachsenmetall-Bezirksgruppe auf Schloss Gesmold bei Melle richtete auch Michael Grunwald das Wort an die Unternehmer aus der Region. Foto: Michael GründelBeim Festakt zu 100 Jahre Arbeitgeberverband (IAV) und 90 Jahre Niedersachsenmetall-Bezirksgruppe auf Schloss Gesmold bei Melle richtete auch Michael Grunwald das Wort an die Unternehmer aus der Region. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Rund zehn Jahre lang war Michael Grunwald Vorstandsvorsitzender zunächst des Verbands der Metall- und Elektroindustrie Osnabrück-Emsland (VME), später der Bezirksgruppe Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim von Niedersachsenmetall. Wenn heute neu gewählt wird, tritt er nicht wieder an. Ein Gespräch über Tarifgespräche, Unternehmerpersönlichkeiten und Herausforderungen.

Ziemlich genau 15 Jahre ist Michael Grunwald jetzt Geschäftsführer der Stemmann Technik GmbH. „Da ich mich zurückziehe, stelle ich auch mein Amt im Verband zur Verfügung“, sagt der 60-Jährige.

Ein bisschen Wehmut sei schon mit dabei, wenn er seine Position bei Stemmann aufgibt. Mit dem Unternehmen verbindet der Unternehmer viel, schon seine Ausbildung hat er 1974 dort gemacht. Nach seiner Zeit beim Bund und einem Studium sei er als Konstrukteur wieder in die Firma zurückgekommen, hat zuletzt den Firmensitz in Schüttorf neu gebaut und auch die Übernahme durch die Wabtec Corporation begleitet. Die Arbeit habe ihm immer viel Spaß gemacht. Wie es für ihn beruflich weitergehe, stehe noch nicht endgültig fest. 

Wichtige Sozialpartnerschaft

Auch die Verbandsarbeit hat Grunwald gerne gemacht. Das Netzwerken, Themen, über den Tellerrand der eigenen Firma hinaus zu diskutieren – all das habe für ihn den Reiz der Arbeit in den vergangenen Jahren ausgemacht. Immerhin: Ebenso lang wie in der Geschäftsführung der Stemmann Technik, die seit 2014 zur Wabtec Corporation gehört, einem globalen Anbieter für Technologien, Produkte und Dienstleistungen im Bereich der Eisenbahn- und Industrietechnik, ist Grunwald auch in der Tarifkommission für die Metall- und Elektroindustrie der Region. „Die Sozialpartnerschaft ist richtig und wichtig“, betont er – auch als angestellter Geschäftsführer und Arbeitgebervertreter.

„Es nützt nichts, sich zu beklagen. Man muss zusammen etwas bewegen.“


Manchmal auch in kleinen Schritten, wie beim Marathon, den Grunwald regelmäßig läuft. Denn auszutarieren, den Arbeitnehmerinteressen ebenso gerecht zu werden wie der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland, sei eine nicht ganz einfache Aufgabe. Wie ein Gummiband, an dem von allen Seiten gezogen wird, beschreibt Michael Grunwald den Prozess. Es gehe heute in Tarifverträgen um Nuancen und vor allem Rahmenbedingungen, das Entgelt stehe immer seltener im Vordergrund. „Die Komplexität der Tarifabschlüsse fordert Unternehmen.“ Grunwald warnt vor Überregulierung: „Der Standort Deutschland muss für Unternehmen in der Region weiter attraktiv bleiben.“

Fusion war eine spannende Zeit

Doch nicht nur die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie haben Michael Grunwald in den vergangenen Jahren beschäftigt. Eine besonders spannende und prägende Zeit sei die Fusion von VME und Niedersachsenmetall gewesen. Als Noch-Chef der Bezirksgruppe Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim sagt er:


„Damit haben wir eine ganz neue Größenordnung und Reichweite erreicht.“


Das hat auch Politiker-Größen wie zuletzt Joachim Gauck oder Ministerpräsident Stephan Weil zum Verband gelockt. Die regionale Eigenständigkeit habe man jedoch weitestgehend behalten. In einer starken Region, mit Unternehmerpersönlichkeiten dem Elektroingenieur und Windenergie-Pionier Bernhard Aloys Wobben, Wilhelm Karmann oder der Familie Krone. Auch wenn es das Unternehmen Karmann heute nicht mehr gebe und Enercon in Schwierigkeiten sei, die Technologie jedoch gibt es noch. 

Zeit für Karriere und Ehrenamt

Was bleibt für seinen Nachfolger? „Er oder sie sollte Zeit mitbringen“, sagt Michael Grunwald. Seit der Fusion hat sich nicht nur die Reichweite verstärkt, auch die Arbeit habe sich intensiviert. Denn der Vorsitzende der Bezirksgruppe sei auch gleichzeitig Vizepräsident in Hannover. Neben den Herausforderungen im Verband sollte er oder sie jedoch auch seine eigene berufliche Karriere nicht vernachlässigen. Grunwald sagt:

„Es braucht die Kraft und die Möglichkeit, beides, Ehrenamt und Firma, unter einen Hut zu bringen.“



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