Der fromme Helene Tim Fischer singt Lieder in der Osnabrücker Lagerhalle

Im Stile der Zwanziger- und Dreißigerjahre singt Tim Fischer am Sonntag in Osnabrück eine Auswahl seiner schönsten Lieder. Foto: Katharina JohnIm Stile der Zwanziger- und Dreißigerjahre singt Tim Fischer am Sonntag in Osnabrück eine Auswahl seiner schönsten Lieder. Foto: Katharina John

Osnabrück. Mit seinem Programm „Die schönen alten Lieder“ kommt Sänger Tim Fischer am Sonntag, 19. Mai, in die Lagerhalle in Osnabrück. Im Gespräch mit der Redaktion verrät er, warum er wieder mit seinem Pianisten Thomas Dörschel arbeitet, an welchen neuen Projekten er arbeitet und was ihn mit der Schlagersängerin verbindet, die den gleichen Nachnamen trägt wie er.

Die schönsten Lieder aus alten Programmen wie „Na so was“, „Lieder eines armen Mädchens“, „Walzerdelirium“ und anderen fischen sich der 1973 in Delmenhorst geborene Sänger und sein Pianist Thomas Dörschel heraus und bringen sie auf die Bühne. Es ist eine Art Wiedervereinigung. Nach 15 Jahren arbeiten sie wieder zusammen. „Thomas und ich sind bereits vor vielen Jahren in die Materie dieser wundervollen Chansons eingetaucht“, sagt Tim Fischer. Bei den Vorbereitungen zu diesem Abend seien sie den Figuren und Stimmungen dieser Lieder noch einmal vollends auf den Grund gegangen. „Wir sind auf der Bühne sehr glücklich miteinander.“

Passend zu den Liedern, von denen einige in den goldenen Zwanzigerjahren entstanden sind, passt die Meldung, dass Tim Fischer die Rolle des Conférenciers im Musical „Cabaret“ am Hamburger Hansa-Theater übernehmen wird. Premiere ist am 3. Februar 2020. Es ist eine Paraderolle für ihn. „Es scheint so. Zumindest erhalte ich jetzt schon von vielen Seiten begeisterte Glückwünsche.“

Doch Fischer lebt – zumindest musikalisch – nicht der Vergangenheit. Momentan arbeitet er an einem neuen Album. „Unter der musikalischen Leitung von Oliver Potratz nehme ich mit einer grandiosen Band im Studio in Berlin zu meinem 30. Bühnenjubiläum eine Doppel-CD mit 30 Songs unter dem Titel ,Zeitlos‘ auf. 15 Songs sind neu geschrieben, ein Text sogar von mir.“ Am Sonntag wird es von den neuen Liedern jedoch keine Kostproben geben.

Tim Fischer sagt, er spiele zwar auf der Bühne verschiedene Rollen, aber seine Persönlichkeit und seine politische Haltung würden auch erkennbar sein. Angesichts des 25. Jahrestags der Abschaffung des Paragraphen 175 im Juni, mit dessen Hilfe homosexuelle Menschen strafrechtlich verfolgt wurden, und einer weltweiten Entwicklung, die sich gegen Schwule und Lesben richtet, sagt er: „Man muss ja nur nach Russland oder in die Türkei blicken. Es ist traurig zu sehen, wie Gesellschaften in die Steinzeit zurückfallen. Ein echter Jammer!“

Für die LGBT-Gemeinde ist Tim Fischer eine Art Ikone. Berührungspunkte zu einer anderen Ikone gibt es eigentlich nicht. Oder doch? „Gute Freunde nennen mich ausschließlich ,Helene‘ – wahrscheinlich, weil ich so fromm bin.“

Tim Fischer, Lagerhalle, Osnabrück, So., 19. 5., 19 Uhr, Eintritt: 34/30 Euro. Kartentelefon: 0541/338740.


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