Lions-Spende für schwer kranke Kinder Kinderhospizdienst in Osnabrück: Wir machen Lebensbegleitung

Und Hopi lacht: Britta Kemper vom Kinderhospizdienst (2.v.re.) hatte den kleinen Freund der Kinder mitgebracht, Lions-Präsident Heiko Abbenseth, Lesungsmoderatorin Stefanie Adomeit, Lions-Club-Präsidentin Elvira Hector und Ex-Präsident Thomas Ruff freute es. Foto: Dunja BuddeUnd Hopi lacht: Britta Kemper vom Kinderhospizdienst (2.v.re.) hatte den kleinen Freund der Kinder mitgebracht, Lions-Präsident Heiko Abbenseth, Lesungsmoderatorin Stefanie Adomeit, Lions-Club-Präsidentin Elvira Hector und Ex-Präsident Thomas Ruff freute es. Foto: Dunja Budde

Hilter. Hospiz: Mit diesem Wort ist der Gedanke ans Sterben eng verbunden. Was also macht der ambulante Kinderhospizdienst? "Wir machen eher Lebensbegleitung", gibt Britta Kemper eine überraschende Antwort.

Die Lions-Clubs im Osnabrücker Land spenden regelmäßig für gute Zwecke. Doch so eine große Summe kommt auch bei ihren Benefiz-Veranstaltungen selten zusammen: Die acht Zonen-Clubs übergaben 10.000 Euro an den ambulanten Kinderhospizdienst.

Das Geld wurde bei einer Charity-Lesung im Bad Iburger Schloss eingenommen und von den Clubs aufgestockt. Burkhard Spinnen hatte aus seinem Buch "Die letzte Fassade" – einem feinsinnigen Text über die Demenzerkrankung seiner Mutter vorgelesen. Organisiert worden war die Veranstaltung vom damaligen Lions-Präsidenten Thomas Ruff aus Bad Laer. 

Zwei Kinder in einer Familie

Britta Kemper berichtete den Spendern von der wichtigen Aufgabe, die der Verein Osnabrücker Hospiz und mit ihm der Kinderhospizdienst in der Region wahrnimmt. "Wir kümmern uns um Familien mit lebensverkürzend erkrankten Kindern, manchmal sind es in einer Familie auch zwei kranke Kinder." Mindestens vier Stunden pro Woche beraten und begleiten die Koordinatoren Familien, suchen nach weiterer Unterstützung durch Pflegedienste und stationäre Kinderhospize, vor allem aber bereiten sie den Kindern und ihren Familien schöne Stunden.

Diese sind so wichtig, weil das Leben mit den kranken Kindern viele Abschiede beinhaltet, nicht nur den einen, großen. Es sind Abschiede von Fähigkeiten, ob vom Sprechen, vom Laufen, vom selbstständigen Essen. Hinzu kommen die äußeren Umstände: Pflegekräfte sind knapp, oft auch das Geld. "Meist gibt es nur einen Verdiener, weil sich die Mutter um das kranke Kind kümmert", weiß Kemper.

Auch um die Geschwisterkinder bemühen sich die ehrenamtlichen Begleiter: 

"Es ist gut, wenn jemand einmal nur für sie da ist."

Denn wenn es um Abschied und Sterben geht, schützen viele Kinder ihre Eltern, möchten sie mit ihren Gedanken und Sorgen nicht belasten. 

Alle Angebote – von der Aromatherapie bis zum Eisessen mit den Geschwistern - kommen zu den Familien, damit diese durch zusätzliche Fahrten nicht noch mehr Stress haben. Nur zu den sechsmal im Jahr stattfindenden Familienfrühstücken müssen Kind und Kegel eingepackt werden. Kemper: "Das sind schöne Stunden."

Unterstützung kommt ins Haus

Aber auch bei der Mobilität setzt der Dienst an, beispielsweise beim Autoumbau für den Rollstuhl oder bei Hilfe für eine Reise ins Herkunftsland. "Sonst werden die Familien isoliert."

Aktuell betreut der Kinderhospizdienst mit 60 Ehrenamtlichen 23 Familien, meist als Tandem, damit auch in Urlaubszeiten und bei höherer Belastung immer jemand für die Familie da ist. Und es gibt weitere Anfragen. Dabei sei es für viele Eltern gar nicht leicht, sich zu melden. "Sie fühlen sich manchmal einsam und alleine mit ihrem Schicksal", erzählte Britta Kemper. Sie ist seit sieben Jahren Koordinatorin und sagt: "Es ist eine schöne Arbeit."

Auseinandersetzung mit Trauer und Tod

Dafür werden weitere Kräfte geschult, auf die Krankheiten der Kinder vorbereitet, erlernen die richtige Kommunikation, setzen sich mit Tod und Trauer auseinander. "Oftmals begleiten wir die Familien sehr lange. Dabei sind immer wieder Krisen zu bewältigen."

Umso wichtiger ist die Arbeit. "Hospiz ist ja ein Schweizer Begriff", berichtete Kemper. Auftanken und stärken solle man sich im Hospiz, bevor man seinen Weg fortsetzt. Das sei auch das, was der Kinderhospizdienst leisten möchte: Lebensqualität schaffen, Normalität erzeugen, Familien stärken.

"Ihre Arbeit ist nicht genug wertzuschätzen", betonte Lions-Präsident Heiko Abbeseth. "Es ist schön, dass Menschen bereit sind, Schicksale an sich heranzulassen." Das Öffentlichmachen der Arbeit des Kinderhospizdienstes gebe den Familien Mut zur Öffnung, anderen Menschen die Möglichkeit, zur Auseinandersetzung mit dem Thema. "Glücklich ist, wer andere glücklich macht", befand Thomas Ruff.


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