Indienhilfe Deutschland dankt Unterstützern Bollywood in der Osnabrücker Franz-von Assisi-Schule

Foto: André HavergoFoto: André Havergo

Osnabrück. Pater Franklin Rodrigues vom katholischen Pilar-Orden im zentralindischen Bhopal ist regelmäßig in der Region zu Gast, um den Kontakt zur in Wallenhorst ansässigen Indienhilfe Deutschland (IHD) zu halten. Nun war es wieder so weit – die IHD lud zu einem Informations- und Kennenlernabend in die Osnabrücker Franz-von-Assisi-Schule.

Ganz bewusst wurden dort nicht nur nüchterne Zahlen und Fakten über das Hilfswerk präsentiert. Stattdessen wurden die Freunde und Unterstützer aus Osnabrück und Umland mit einem bunten Programm und typischem Fingerfood verwöhnt, um sie so ein wenig an der vielfältigen Kultur Indiens teilhaben zu lassen und sich so für ihr Engagement zu bedanken. 

Musik und Tanz in Bollywood-Manier brachte die Gruppe „Rangoli“ auf die Schulbühne. Angeführt wurde sie von Maya, der Deutschen Meisterin 2014 für Orientalischen Tanz/Bollywood. Mit anmutigen Gesten zu schneller Musik zauberten die sorgfältig geschminkten Damen in ihren farbenfrohen Gewändern sofort ein geheimnisvolles Flair in den Saal. Das Praktische daran: Die achtköpfige Gruppe musste nicht aus Indien anreisen – die Tänzerinnen sind in Osnabrück und Belm sesshaft.

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Pater Franklin aus Bhopal

Hauptgast des Abends war aber natürlich Pater Franklin. Ältere Kontakte der Osnabrücker Domschule zu dem Ordensmann griff der IHD-Vorsitzende Jürgen Fluhr aus Wallenhorst auf, nachdem er Franklin vor zwölf Jahren persönlich kennengelernt hatte. Fluhr fand schließlich seine Lebensaufgabe darin, die dortige Hilfs-Infrastruktur weiter auszubauen. Mit der Unterstützung aus Deutschland unterhält der Pilar-Orden mittlerweile Armenschulen, Waisenheime, Kindergärten, Nähschulen und Leprastationen.

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Wasserbüffel für Frischmilch

„Ich habe viele gute Nachrichten für Euch“, sagte der 79-jährige Pater Franklin in fließendem Deutsch. Die Planungen für das neue Berufsbildungszentrum Bhopal seien abgeschlossen, der Bau des angeschlossenen Wohnheims in Shanti Nagar habe bereits begonnen. Um die mehr als 1000 Kinder in den verschiedenen Einrichtungen mit gesunder Milch versorgen zu können, werde eine Büffelfarm aufgebaut. Die ersten 25 Wasserbüffel hätten im Frühjahr bereits ihren neuen Stall bezogen.

Indische Krankenpflegerinnen kommen

Zum durchgängigen Betreuungssystem der Pilar Fathers gehört es, nach Kindergarten und Schule auch für die Berufsausbildung der Slumkinder zu sorgen, damit sie nicht wieder in Bettelei und Armut zurückfallen. Acht Mädchen, die bereits ausgebildete Krankenpflegerinnen sind, lernen zurzeit Deutsch. Im August werden sie in Osnabrück erwartet. In Kooperation mit dem Bistum Osnabrück und den Niels-Stensen-Kliniken eröffnet die IHD ihnen die Möglichkeit, hier zu arbeiten. Für die einstmals hoffnungslosen Waisenkinder ist dies eine einmalige Gelegenheit, der Armut dauerhaft zu entkommen. „Ich danke Euch im Namen meiner Kinder für die fortdauernde Unterstützung. Ihr macht uns Mut, immer mehr Kinder dem Teufelskreis von Armut und Krankheit zu entreißen“, wandte sich Franklin an die Osnabrücker Indien-Freunde.

Isabel Hövels Adoptionsbiografie

Das Abendprogramm wurde abgerundet durch eine Lesung von Isabel Hövels aus ihrer Biografie „Dhanyavaad Mama“ – „Danke, Mama“. Die gebürtige Inderin wurde mit sechs Monaten ihren indischen Eltern weggenommen und als Adoptivkind nach Deutschland verkauft. Bei ihren deutschen Adoptiveltern in Rheine-Elte wuchs sie wohlbehütet auf. „Aber nicht zu wissen, wo ich herkomme, das hat mich innerlich zerrissen“, sagte Isabel Hövels. Im Alter von 18 Jahren flog sie – mit dem Rückhalt ihrer deutschen Eltern – erstmals nach Indien, um ihre leiblichen Eltern aufzuspüren. Es bedurfte intensiver Recherchen und einer zweiten Reise 2016, bis sie schließlich in ihrem Heimatdorf auf Mutter und Geschwister traf.


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