Der letzte Punkt Kunstraum hase29 widmet sich künstlerischen Drucktechniken

Kunstobjekt aus dem 3D-Drucker zieht im Kunstraum hase29 die Blicke an. Foto: Jörn MartensKunstobjekt aus dem 3D-Drucker zieht im Kunstraum hase29 die Blicke an. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Ganz unterschiedlich nutzen zwölf Künstler bewährte und neuartige Druckprozesse für ihre Arbeiten, die ab Donnerstag im Kunstraum hase29 zu sehen sind.

Ein orangefarbenes Objekt thront auf einem Sockel und zieht die Blicke des Besuchers im Kunstraum hase29 an. Es wirkt organisch, erinnert in seiner Struktur an Knochen. Und es ist dreidimensional. Da wir in einem Zeitalter leben, in dem die Reproduzierbarkeit von Gegenständen auch mit Hilfe eines 3D-Druckers bewerkstelligt werden kann, wundert es nicht, dass das besagte Objekt in einer Ausstellung gezeigt wird, die Drucktechniken in den Fokus stellt.

12 Künstler machen Druck

Im vergangenen Jahr wurden künstlerische Druckverfahren zum „immateriellen Kulturerbe“ der UNESCO erklärt. Viele Museen und Kunsthäuser nahmen diese Auszeichnung zum Anlass, die kreative Nutzung verschiedener Drucktechniken zu dokumentieren. Unabhängig von der Ausstellung „Ereignis Druckgraphik“, mit der sich der BBK Osnabrück im Frühjahr mit der Materie befasste, plante die „Gesellschaft für zeitgenössische Kunst“ eine Ausstellung mit dem Titel „reprint. Wandel durch Reproduktion“. Aus 50 Bewerbungen von Künstlern, die bewährte, aber auch neuartige Druckprozesse einsetzen, wählte das Kuratorenteam zwölf künstlerische Postionen aus.

Technik als Teil künstlerischen Schaffens

Fast alle Exponate haben eines gemeinsam: Das jeweilige Druckverfahren dient nicht der Vervielfältigung des Kunstwerks, sondern nutzt die Technik, um einem künstlerischen Ziel nahe zu kommen - wie das bereits erwähnte Objekt „Bortoby“ des belgischen Künstlers Nick Ervinck. Er entwirft seine Kunststoffskulpturen virtuell am Computer und lässt sie anschließend von einem 3D-Drucker materialisieren. Ähnlich verfährt Jan Neukirchen. Allerdings sind die Plastiken, die er per 3D-Printer produziert, verstofflichte Tagebücher. Per Smartphone sammelte er die Bewegungsdaten, die er in verschiedenen Städten hinterließ. Diese verwandelte er in grafische Spuren, die man anhand von Ausdrucken plastisch nachvollziehen kann.

Schlusspunkte

Eine sehr spezielle Spurensuche verfolgt Sophia Pompéry mit ihrer Arbeit „und punkt“. Sie wählte 15 deutsche Liebesromane der letzten drei Jahrhunderte aus und fotografierte mit einem Spezialmikroskop jeweils den Punkt, der den allerletzten Satz der jeweiligen Erstausgabe beschließt. Dieser findet sich jetzt in starker Vergrößerung gedruckt auf einem Blatt Papier wieder, auf dem auch die bibliographischen Angaben zu dem jeweiligen Roman in Prägedruck zu finden sind.

Siebdruck, Holzschnitt, Radierung, Monotypie, Digitaldruck auf Vinylfilm und Acrylglas, vielfältig sind die Techniken, denen sich die Künstler bedienen, die von den Kuratoren Elisabeth Lumme, Heike Höcherl und Michael Kröger für die Ausstellung im Kunstraum ausgewählt wurden. Ausgelagert ist eine Rauminstallation von Manfred Blieffert, die in der Theaterpassage entstand. Der Osnabrücker Künstler verwandelt das leer stehende Ladenlokal in ein offenes Atelier, in dem er bereits verwendete Druckstöcke weitere bearbeitet und damit druckt.

„reprint. Wandel durch Reproduktion“. Künstlerische Positionen von Manfred Blieffert, Nick Ervinck, Jonas Fleckenstein, Kati Gausmann, Birgit Kannengießer, Lola Läufer, Jan Neukirchen, Sophia Pompéry, Hannah Regenberg, David Semper, Nasan Tur und Wiebke Wilms. Kunstraum hase 29 (Hasestraße 29), Donnerstag, 9. Mai (Eröffnung um 19 Uhr) bis 8. Juni. Di., Mi. und Fr. 14-18 Uhr, Do. 16-20 Uhr, Sa. 11-15 Uhr. Eintritt frei. Infos unter www.hase29.de


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