Schluss mit dem Schubladendenken Rauminstallation „in_different“ im BBK Kunst-Quartier

Ausbrechen aus gesellschaftlichen Konventionen verursacht Verunsicherung und Angst. Das drücken auch Alina Santos Coelho und Joran Yonis in der Ausstellung "in-different" im BBK Kunstquartier aus.  Foto: Gert WestdörpAusbrechen aus gesellschaftlichen Konventionen verursacht Verunsicherung und Angst. Das drücken auch Alina Santos Coelho und Joran Yonis in der Ausstellung "in-different" im BBK Kunstquartier aus. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Als Plädoyer für einen offenen Umgang mit eingefahrenen Geschlechterdefinitionen verstehen Alina Santos Coelho und Joran Yonis ihre Rauminstallation „in_different“ im BBK Kunst-Quartier.

An Ketten hängen sie über den ganzen Raum verteilt: Große Frotteetücher, die mal nicht mit Bier- oder Zigarettenwerbung bedruckt sind, sondern mit menschlichen Motiven: Porträtfotos, Fotos von Augen, Schultern, Beinpartien. Und immer wieder taucht eine bestimmte Farbkombination auf: Hellblau, rosa, weiß. Der Raum, in dem die Tücher an grobgliedrigen Ketten aufgehängt wurden, ist mit weißen Fliesen ausgelegt und vermittelt den Eindruck, als betrete man die Gemeinschaftsdusche eines Spaßbades.

Die Rauminstallation, die das das Kunst-Quartier des BBK zurzeit beherbergt, trägt den Titel „in_different“. Es ist eine einzige, mit einem Augenzwinkern konzipierte Aufforderung zu tolerantem Denken in Bezug auf Geschlechterrollen. „Wir plädieren für die Auflösung von Kategorien“, sagen Alina Santos Coelho und Joran Yonis, die für die Rauminstallation verantwortlich zeichnen. Welche Kategorien sie meinen? Es geht um die strikte Aufteilung der Menschen in Männer, Frauen und die dritte Geschlechtsoption Divers, die man neuerdings in den Pass eintragen lassen kann. Gegen dieses Schubladendenken arbeiten die beiden Kunstschaffenden mit ihrer Installation an – wohl wissend, dass viele Menschen Strukturen brauchen. Das Ausbrechen aus gesellschaftlichen Konventionen verursacht Verunsicherung und Angst.

Hier setzen Alina Santos Coelho und Joran Yonis mit ihrer Installation an. Nicht engstirnig, verbissen oder gar aggressiv solle man mit dem „Gendertrouble“ umgehen, sondern locker und offen. „Panta rhei“, „alles fließt“ lautet die die Definition der Welt, die der griechische Philosoph Heraklit einst formulierte und die hier metaphorisch angewandt werden darf. Daher werden die großen Frotteetücher auch in eine Atmosphäre gebeamt, in der Strandbad oder Sauna assoziiert wird. „Es gibt keine Festlegung, die Übergänge werden fließend wie Wasser“, lautet das Motto.

Aus demselben Grund tauchen auch die Farbtöne hellblau, weiß und rosa auf den Tüchern, auf dem Boden und auch in einer Videoinstallation auf. Es sind die Farben der „Transgender-Flagge“, in der ein weißer Streifen die Trennung von blauen und rosafarbenen als Symbolen der klassischen Geschlechterdefinition auflöst. Wer für 40 Euro eines der Frotteetücher erwirbt und nutzt, wird Teil der Botschaft.


BBK Kunst-Quartier (Bierstraße 33): „in_different“. Rauminstallation von Alina Santos Coelho und Joran Yonis. Freitag, 3. Mai, (Eröffnung um 19 Uhr) bis 18 Mai, Di. - Fr. 14-18 Uhr, Sa. 11-16 Uhr. Infos unter www.bbk-osnabrueck.de


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