Nur ein Klick Spannender Ausflug in jugendlich-digitale Gedankenwelten

Zwischen Sciencefiction und Apokalypse taumeln die in die digitale Welt Hineingeborenen "Natives". Foto: Uwe LewandowskiZwischen Sciencefiction und Apokalypse taumeln die in die digitale Welt Hineingeborenen "Natives". Foto: Uwe Lewandowski
UWE LEWANDOWSKI;info@lewandowski

Osnabrück . Am Dienstag ging im Emma-Theater die ausverkaufte Premiere der Oskar-Produktion "Natives - Ureinwohner" über die Bühne, die einen faszinierenden Einblick in die Gedankenwelt junger Leute im Digitalzeitalter bietet.

Eine Szene zwischen Sciencefiction und Apokalypse: Drei junge Leute stehen auf der Bühne und scheinen ganz in ihren eigenen digitalen Blasen gefangen. Während sich Teenager a (Rébecca Marie Mehne) via Smartphone über Partys, Pickel und "Boyfriend-Jeans" austauscht, langweilt sich Teenager b (David Krzysteczko) auf der Beerdigung seines Bruders. Und Teenager c (Johanna Franke) lässt immer wieder denselben Internet-Film über einen in die Tiefe stürzenden Jungen ablaufen. Drei digitale Welten, drei Kontinente, drei 14-Jährige, die immer und jederzeit online sind. Ohne Twitter, Facebook, Instagram oder Snapchat läuft nichts für diese digitalen Ureinwohner.

Überleben im digitalen Dschungel

"Natives - Ureinwohner" ist denn auch Titel des Stückes des britischen Dramatikers Glenn Waldron (Deutsch von Michael Raab),das Regisseur Pascal Wieandt als 65-minütige Oskar-Produktion für ein Publikum ab 14 Jahren inszeniert hat (Dramaturgie: Karin Nissen-Rizvani, Theresa Sophie Leopold). Am Dienstag ging die ausverkaufte Premiere im Emma-Theater über die Bühne. Darin wurde der Begriff "Natives" wörtlich genommen und drei junge Leute gezeigt, die zwischen Coming-of-Age, Cybermobbing und sittenstrengen Glaubenswächtern im digitalen Dschungel überleben wollen. Ihren "Native-Status" zeigten die drei Protagonisten bereits durch ihre an Kriegsbemalung erinnernden Gesichtsverzierungen und der etwas abgerissenen Kleidung (Bühne, Kostüme: Christine Bertl). Requisiten bildeten vielseitig verwendbare bunte Podeste sowie verschiebbare Leinwände in Smartphoneform, auf denen Video-Bilder flimmerten, die von Studierenden der Hochschule Osnabrück gestaltet wurden (Annika Kerski, Runa Marold, Maleen Schaper, Stefanie Sparensmeyer, Jonas Uhland).

Freiheit der Egomanen

Insgesamt bot das Stück einen faszinierenden Einblick in jugendliche Gedankenwelten, die sich permanent digitaler Reizüberflutung aussetzen. Diese Gedankenwelten muten einerseits erschreckend egoman an, ermöglichen aber andererseits jungen Leuten in totalitären Systemen ein Stück Freiheit - und sei es auch nur durch das Anklicken eines verbotenen Musik-Videos. 

Die Produktion wurde gefördert durch die Dieter Fuchs Stiftung. 

Die nächsten Aufführungen am 7., 8., 15., 16., 28. und 29 Mai um 9.30 Uhr und um 11.30 Uhr im Emma-Theater.    



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