Jedem sein Lieblingslied Silbereisens „Großes Schlagerfest“ im Gerry-Weber-Stadion



Halle. Ein Medley nach dem anderen: Es ging Schlag auf Schlag beim dritten „großen Schlagerfest“, mit dem Florian Silbereisen im Gerry-Weber-Stadion zu Gast war. Mehr als 5000 Besucher feierten eine Party mit drei Stunden Jukebox- und Animationsprogramm.

Ein Medley nach dem anderen: Es ging Schlag auf Schlag beim dritten „großen Schlagerfest“, mit dem Florian Silbereisen im Gerry-Weber-Stadion zu Gast war. Mehr als 5000 Besucher feierten eine Party mit drei Stunden Jukebox- und Animationsprogramm. Dass die Musik dabei aus der Konserve kam, schien kaum jemanden zu stören. Dabei schepperte es mitunter gewaltig aus den Boxen. Ein dreifaches „Hölle“ skandierten die Feierwütigen gleich zu Beginn bei Wolfgangs Petrys „Wahnsinn“. Und in der Tat wähnte sich so mancher in der Halbplayback-Hölle. Besonders schmerzhaft geriet dabei ein dumpf dröhnendes Abba-Medley, das die junge Schwedin Julia Lindholm herkunftsbedingt vortragen musste. 

Einsame Akustikgitarre

Das zweite aufsteigende Schlagersternchen, das der Gastgeber präsentierte, hieß Linda Fäh. Vom kleinen hässlichen Entlein zur Miss Schweiz 2009 habe sie sich gemausert, hieß es in einer Videovorstellung. Und nun durfte sie flankiert von einem halben Dutzend funkelnder Tänzerinnen Paolas eidgenössischen Grand-Prix-Beitrag „Cinema“ von 1980 singen. Der handelt vom schönen Schein, was passte an einem Abend, an dem es eine einsame Akustikgitarre als einzig wahrhaftig gespieltes Instrument auf die Bühne schaffte. Mit ihr und Seller und Speers Mundart-Schlager „Waun I Daun Ala Bin“ tröstete sich Silbereisen öffentlich über seine Trennung von Helene Fischer hinweg und verdrückte dabei gar eine Träne. 

Traumpaar von gestern

Ein anderes Schlager-Traumpaar, dessen Trennung schon lange zurückliegt, fand hingegen wieder zusammen beim großen Schlagerfest. Dabei drehte Michelle zunächst barfuß und im Glitzer- und Leder-Outfit „die Zeit zurück“ bis hin zu ihrem ESC-Beitrag „Wer Liebe lebt“ von 2001. Auch ihr ehemaliger Lebensgefährte Matthias Reim konnte auf jede Menge eigener Hits zurückgreifen, die nahtlos ineinander übergingen – von „Ich hab geträumt von dir“ bis hin zum Mega-Seller „Verdammt, ich lieb dich“ zum Finale. Im Duett duellierten sich die beiden mit ihrem aktuellen gemeinsamen Hit „Nicht verdient“. Nachdem sie sie sich dann noch „Du Idiot“ gegenseitig an den Kopf geworfen hatten, schlugen Michelle und Matthias Reim mit Peter Maffays „So bist du“ dann versöhnlichere Töne an. 

Versöhnt: Michelle und Matthias Reim. Foto: André Havergo


Optische Lichtblicke

Als „Shootingstar des Jahres“ angekündigt wurde der ehemalige Caught In The Act-Sänger Eloy de Jong aus den Niederlanden. Unter anderem mit „Liebe kann so weh tun“ dokumentierte er seine Umwandlung vom Boygroup-Schwarm zum Schlager-Boy. Das darauffolgende Udo-Jürgens-Medley wirkte im Vergleich dagegen textlich fast wie Hochliteratur. Zu den „internationalen Partyschlagern“ wurden auch die beinahe in Originalkostümen präsentierten Hits von Village People gezählt und eine Brücke zum Musical wurde mit Stücken aus Sister Act geschlagen. Als Protagonisten fungierten dabei neben den Tänzerinnen die fünf sportlichen Breakdance-Weltmeister von DDC und das Quintett Voxxclub, das sich zudem auch in dumpf polterndem, volkstümlichem Schlagerrock in Lederhosen übte. Die versteckten sich zunächst noch unter Regenschirmen und Ostfriesennerzen, die aber schnell nicht mehr gebraucht wurden, als sich am frühen Abend im Gegensatz zur Musik echte Sonnenstrahlen ihren Weg durch das geschlossene Dach des Tennisstadions in die Arena bahnten. Später taten Lichteffekte und Pyrotechnik ihr übriges für Lichtblicke jenseits der Musik. 

Schlagerboy: Eloy de Jong . Foto: André Havergo


Bunte Luftballons

Mit seinem eigenen Erfolgstrio Klubbb3 ließ Florian Silbereisen nicht nur das Leben, sondern auch das Publikum Sirtaki tanzen. Große bunte Luftballons machten die Runde, als ihr fröhlich-optimistischer Mitsing-Schlager „Du schaffst das schon“ erklang. Der „Lieblingsband“ Pur wurde ebenso ein Medley gewidmet wie „Schutzpatron“ Dieter Thomas Heck - in Form eines Hitparaden-Mixes 50 Jahre nach dessen TV-Premiere. So war wohl für jeden Besucher sein ganz persönliches Lieblingslied dabei. Allein „Live is Life“ war einer der wenigen Schlager, die an diesem Abend nicht zumindest kurz angestimmt wurden. Wahrscheinlich nicht ohne Grund. Denn das wäre im Rückschluss auch zu entlarvend gewesen.



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