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30.04.2019, 05:50 Uhr HAUS AN DER HERDERSTRAßE 22

Warum die Stadt Osnabrück die Flatauer-Villa kaufen sollte – ein Kommentar

Ein Kommentar von Corinna Berghahn


Das leerstehende Haus mit der Hausnummer 22 in der Herderstraße in Osnabrück. Foto: Michael GründelDas leerstehende Haus mit der Hausnummer 22 in der Herderstraße in Osnabrück. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Der Rat der Stadt Osnabrück entscheidet – erneut – darüber, ob die Stadt das Haus an der Herderstraße kauft. Damit bietet sich der Stadt die Möglichkeit, eine peinliche Fehlentscheidung zu revidieren.

Es steht ein Haus in Osnabrück, das erzählt eine Geschichte von Moderne, Vertreibung, Mord, Moral und Verwahrlosung. So begann der erste Artikel unserer Zeitung, der sich mit dem leeren Haus in der Herderstraße 22 im Katharinenviertel beschäftigte. 

Das nächste Kapitel dieser Geschichte haben nun die Fraktionen des Rates der Stadt Osnabrück in der Hand. Wenn sie tatsächlich so geschichtsbewusst sind, wie sie sich alle gerne auf die Fahnen schreiben, dann entscheiden sich an diesem Dienstag auch CDU, FDP, BOB, UWG und Piraten für die Moral – und für das Haus. Unterstützung hätten sie genug: Bürgerliches Engagement ist massig vorhanden, die Osnabrücker Vereine sind ebenfalls mit an Bord. 

Denn das Haus ist ein steinerner Zeitzeuge. Hier allein mit finanziellen Bedenken zu kommen, ist fehl am Platz. Natürlich kostet eine alte Immobilie Geld. Aber was für ein Zeichen wäre es, wenn das Haus als Spekulationsobjekt wie einst die Nussbaum-Villa in die Annalen der Stadtgeschichte eingeht? Zweimal der gleiche Fehler? Wie peinlich und wie beschämend.

So darf es nicht laufen in einer Stadt, die deutschlandweit mit dem Label "Friedensstadt" für sich wirbt. Was damals geschah, ist nicht Schuld der aktuellen Politiker. Doch es ist die Pflicht der Politik der Friedensstadt, dass man sich der eigenen Vergangenheit stellt. 


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