Tenor Ehrich gibt Einführungen Oper-Übertragungen aus London in der Osnabrücker Filmpassage

Oper im Kino: Hans-Hermann Ehrich (rechts) führt in die Opernübertragungen aus dem Royal-Opera-House in der Filmpassage ein. Die Idee für das Kulturprogramm hatte Klaus Korte. Foto: André HavergoOper im Kino: Hans-Hermann Ehrich (rechts) führt in die Opernübertragungen aus dem Royal-Opera-House in der Filmpassage ein. Die Idee für das Kulturprogramm hatte Klaus Korte. Foto: André Havergo
André Havergo

Osnabrück. Operntenor Hans-Hermann Ehrich moderiert die Opernübertragungen aus dem Royal Opera House London, die seit Dezember in der Filmpassage gezeigt werden.

Wenn Hans-Hermann Ehrich in der Filmpassage auftaucht, gibt es oft verwunderte Blicke, denn er kommt im Smoking. Zwei verschiedene kulturelle Welten treffen dann aufeinander: Kino und Oper. In der Filmpassage werden regelmäßig Opern oder Ballette vom Royal Opera House in London übertragen, und der Operntenor Ehrich, seit inzwischen 40 Jahren am Osnabrücker Theater, nutzt seinen reichen Erfahrungsschatz, um kleine Einführungen zu geben. „Wenn man rumgräbt, ist es doch erstaunlich, was man da findet. Ich habe mich meistens darauf beschränkt, etwas über die Komponisten zu erzählen. Nur beim Nussknacker, da fand ich es interessant, wie das Stück entstanden ist.“ Und sogleich fängt er an zu berichten, was ihn selbst an der Geschichte fesselt, erzählt über den familiären Hintergrund der Tschaikowskijs oder wie der Komponist in Paris ein neu erfundenes Instrument kennen lernte, die Celesta, die er in seinem Ballett erstmals einsetzte.

Mit solchen kleinen, persönlichen Geschichten um die Komponisten will Hans-Hermann Ehrich das Publikum einstimmen. Den Inhalt der Opern spart er aus, der wird den Besuchern schriftlich ausgehändigt. Ohnehin hat er dafür auch gar keine Zeit, denn seine Einführungen hält er kurz: „Höchstens zehn Minuten, und dann musst du sehen, was du da reinpackst.“

Opernstars in der Johannisstraße

Vom Klang im Kino ist Hans-Hermann Ehrich nicht allzu begeistert, da hält er mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg, aber alles andere wäre auch erstaunlich bei einem Operntenor mit mehr als 50 Jahren Bühnenerfahrung. Trotzdem sagt er zum Beispiel über die „Pique Dame“-Übertragung: „Das war wirklich eine geile Aufführung.“ Er war begeistert von der Regie, die den Komponisten selbst in seine Oper hinein inszeniert habe. Und außerdem hat Oper im Kino einen großen Vorteil: Man muss nicht nach London, sondern eben nur in die Johannisstraße reisen, um berühmte Sänger wie zum Beispiel Anna Netrebko und Jonas Kaufmann zu erleben, die beim letzten Mal in Verdis „Forza del Destino“ mit von der Partie waren.

Nicht immer konnte sich Hans-Hermann Ehrich die Vorstellungen selbst auch anschauen, denn schließlich singt er weiterhin am Theater, und manchmal musste er schon vom Kinosaal direkt auf die Theaterbühne.

Experimente fürs Publikum

Doch wie kam der Tenor überhaupt an diesen Job, und das obwohl er offen zugibt, eigentlich überhaupt kein Kinogänger zu sein? Auf die Idee kam Klaus Korte. Der ist erstens bei der Filmpassage als neuer Area Manager für Kinos in Osnabrück und Salzgitter zuständig, eine Art Betriebsleiter, und zweitens ist er ein Nachbar von Hans-Hermann Ehrich. Im vergangenen Dezember startete er die Übertragungen aus dem Royal Opera House. „Wir wollten das einfach mal ausprobieren. Und dann fiel mir ein, Mensch, da kann ich ja meinen lieben Nachbarn mal fragen, ob er Interesse hat, mich da ein bisschen zu unterstützen.“ Er ist sich sicher: „Die Leute freuen sich, dass da jemand ein bisschen erklären kann.“ Klaus Korte versucht, das Angebot der Filmpassage zu erweitern, zum Beispiel auch mit einem neuen Format „Kino live on stage“, das demnächst erstmals stattfinden soll. Comedy und Musik werden dabei live zu erleben sein. Ob dieses Format, aber auch die Opernübertragungen fortgesetzt werden, hängt natürlich vom Publikumszuspruch ab.

Die verschiedenen Welten der Oper und des Kino sind in der Filmpassage vielleicht besonders deutlich zu erleben: Die Besucher erhalten beim Eintritt ein Glas Sekt, aber wer möchte, kann sich auch eine Tüte Popcorn kaufen.

Die nächste Oper wird in der Filmpassage am kommenden Sonntag um 17 Uhr gezeigt. Auf dem Programm steht Charles Gounods „Faust“ (Margarete).


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN