Gehirnwindungen und Gedärme Azim Becker zeigt seine erste Einzelausstellung bei Letsah in Osnabrück

Azim Becker kommt von der Street Art, doch seine Ausstellung trägt den Titel "This ain't street". Foto: Swaantje HehmannAzim Becker kommt von der Street Art, doch seine Ausstellung trägt den Titel "This ain't street". Foto: Swaantje Hehmann
Swaantje Hehmann

Osnabrück. Obwohl er von der Street Art kommt, behauptet der Osnabrücker Künstler Azim Becker im Titel seiner Ausstellung in der Galerie Letsah „This ain´t Street“.

Oft sind sie in den Bildern von Azim Becker zu sehen: Diese Röhren, die mal wie Gehirnwindungen, dann wieder wie Teile des Darms aussehen. Sie türmen und häufen sich in seinen Bildern. Mal taucht eine Sprühdose in dem Gewirr auf oder es kristallisiert sich eine Hand heraus, die demonstrativ den Mittelfinger streckt. Dabei lässt ich der Künstler nicht von den Mengen des Gewürms abschrecken. Was dazu führt, dass die Formate von Beckers Bildern recht ungewöhnlich sind. Mal gehen sie von der Fußleiste bis zur Decke, mal kann man sie an der Wand erwandern, weil sie zu breit sind, um sie von einem Standort aus erfassen zu können.

Azim Becker ist jung und kommt von der Street Art. Daher gehorchen seine Arbeiten, die zurzeit in der ersten Einzelausstellung des Künstlers in der Galerie Letsah zu sehen sind, keinen Regeln. Ob Material, Format oder Inhalt, hier werden Konventionen über Bord geworfen. Linoldruck, Radierung, Malerei, Zeichnung, Collage oder Skulptur, Becker überrascht den Betrachter immer wieder mit neuen Sichtweisen. Da gibt er Farbklecksen „einfach zwei Beine“, die altehrwürdige Technik der Radierung nutzt er, um Skater bei ihrem dynamischen Flips und Grinds zu porträtieren. Und was er unter „Lethargie“ versteht, macht er mithilfe einiger Linoldrucke deutlich.

Am spektakulärsten sind allerdings Beckers Acryl-Arbeiten, die stets den Eindruck vermitteln, eine erweiterte Form des Comics zu sein. Bis auf ganz wenige Ausnahmen arbeitet er mit nur zwei Farben: schwarz und weiß. Als „Leinwand“ setzt er häufig Speerholz oder Pressspanplatten ein. Manchmal macht es den Anschein, als nutze er ein altes Möbelstück, ein Schulpult als Malgrund. Am liebsten malt er aber offenbar auf Wabenkarton. Bisweilen entfernt er daran die glatte Papieroberfläche, sodass die Wabenstruktur darunter sichtbar und in die Arbeit integriert wird. So steht in dem Bild „Head Knots“ ein Mensch mit monströsem „Kopfknoten“ auf einer solchen gelöcherten Oberfläche und ein Hundehalter mit stahlfixierter Schädeldecke verliert jede Menge Körperflüssigkeit in Wabenform.

Und unten in einer Ecke der Galerie steht dann auch noch eine interessante Figur mit einem Überwachungskamerakopf, die ihr Wasser nicht halten kann…


Galerie Letsah (Süntelstraße 49): „This ain´t Street“. Malerei, Grafik, Zeichnung und Skulptur von Azim Becker. Bis 19. Mai. Sa. und So. 14-19 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung unter Tel. 0541 – 600 12 55 oder 4 99 11.


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