Aktionstag zur Wohnungsnot Dringender Handlungsbedarf auf dem Wohnungsmarkt

Von Christoph Beyer

Was tun gegen die Wohnungsnot ? Darüber diskutierten unter anderem Stephanswerk-Geschäftsführer Johannes Baune (links), Caritas-Sprecher Roland Knillmann (Mitte) und Bischof Bode (rechts).  Foto: Swaantje HehmannWas tun gegen die Wohnungsnot ? Darüber diskutierten unter anderem Stephanswerk-Geschäftsführer Johannes Baune (links), Caritas-Sprecher Roland Knillmann (Mitte) und Bischof Bode (rechts). Foto: Swaantje Hehmann
Swaantje Hehmann

Osnabrück. Mit einem Aktionstag hat die Caritas am Samstag auf das drängende Problem der Wohnungsnot in der Region Osnabrück aufmerksam gemacht.

Angemessener Wohnraum gilt als Grundbedürfnis und Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. Doch insbesondere einkommensschwache Haushalte haben es in der Region zusehends schwerer, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Mit dem Aktionstag zur Wohnungsnot mahnte der Caritasverband für die Diözese Osnabrück dringenden Handlungsbedarf an. Vertreter aus Wohnungsbauwirtschaft, Politik, Kirche und Caritas diskutierten am Samstagvormittag auf dem Domplatz über mögliche Lösungen. Dort war, wie auch auf dem Nikolaiort, ein Zimmer unter freiem Himmel aufgebaut worden, um das Thema für Interessierte zu veranschaulichen. 

Bischof auf dem Sofa

Zum Auftakt des Aktionstages nahm auf dem Caritas-Sofa Bischof Franz-Josef Bode Platz. Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum sei für die Kirche ein zunehmend wichtiges Thema, so Bode. Mit Einzelmaßnahmen allein könne man dem Problem nicht angemessen begegnen. "Wir müssen Verbündete suchen und uns in Netzwerke hineinbegeben" forderte der Bischof und regte an, gemäß dem früheren "Bündnis für Arbeit," ein "Bündnis für bezahlbaren Wohnraum" einzurichten. Die Kirche sei, auch ökumenisch, gefragt, vorhandene Kräfte zu bündeln. 

Einblicke in den Wohnungsbestand des Stephanswerks, der Wohnungsbaugesellschaft des Bistums und bischöflichen Stuhls, gab dessen Geschäftsführer Johannes Baune. 70 Prozent der insgesamt 820 Wohnungen seien für Sozialbedürftige ausgewiesen. Die Hälfte der Wohnungen des Stephanswerks befänden sich im Landkreis, ein Drittel (etwa 250) in Osnabrück. "Die Baukosten laufen uns davon" stellte Baune fest und kritisierte auch eine"Flut von Bauvorschiften und Reglementierungen." Die Wohnungsnot ließe sich nur im Verbund aller Verantwortlichen lösen - eine Aussage, die an diesem Vormittag vielfach zuhören war. 

Waren "Tiny-Houses" eine Lösung?

Neuartige Antworten auf die Wohnungsnot in Osnabrück diskutierten Volker Bajus, Vorsitzender der Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen und der Geschäftsführer SKM, Michae Strob am Beispiel von "Tiny-House-Siedlungen",   die auch als eine von mehreren möglichen Antworten auf Defizite beim sozialen Wohnungsbau benannt wurden. Dieser sei quasi zum Erliegen gekommen, stellte bereits die 2016 verabschiedete Resolution"Wohnen - menschenwürdig und bezahlbar!" des Caritasverbandes für die Diözese Osnabrück fest. Die Resolution macht deutlich, dass sich mehrere problematische Entwicklungen überlagern und in ihrer Wirkung gegenseitig potenzieren.

Allein in den vergangenen fünf Jahren seien ein Viertel der Wohnungen in Osnabrück aus der Sozialbindung gefallen, betonte Franz Loth, Direktor des Caritasverbandes für die Diözese Osnabrück und appellierte: "Das muss aufhören. Hier ist die Politik gefordert." 

Hat der Markt versagt?

Auf die Caritas-Resolution bezog sich auch Gerrit Schulte, Caritasratsvorsitzender Diakon, als er auf die schwierige Situation einkommensschwacher Haushalte zu sprechen kam. Der freie Markt habe es in der Vergangenheit nicht vermocht, ausreichend sozialen Wohnraum bereit zustellen. Die Politik habe zugeschaut, konstatierte Schulte. Um hier eine Lösung zu erzielen,müssten, unter Einbeziehung aller Bauträger sowie dem Bündnis für bezahlbaren Wohnraum,alle Möglichkeiten geprüft werden. Das Bündnis, über das an diesem Vormittag Stefan Wilker informierte, fordert über einen Bürgerentscheid die Gründung einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft. 

 In den Beratungsdiensten der Caritas sei der Mangel an bezahlbaren Wohnungen seit langem auf der Tagesordnung berichtete Monika Schnellhammer, Geschäftsführerin des Caritasverbandes für die Stadt und den Landkreis Osnabrück im Gespräch mit Stadtrat Wolfgang Beckermann.  Vor allem im Rahmen der Caritas-Sozialberatung stelle sich heraus, dass viele Familien mit Kindern Miete und Nebenkosten kaum noch aufbringen könnten. Von dem Caritas-Aktionstag erhoffen sich die Beteiligten entsprechend eine Signalwirkung.


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