Menschen, keine Tiere, Sensationen Mitreißende Monster-Truck-Show an der Osnabrücker Halle Gartlage

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Swaantje Hehmann

Osnabrück. Brennende Autos, fliegende Autos, plattgefahrene Autos: Die Monster-Truck- und Stunt-Car-Show an der Halle Gartlage in Osnabrück war nun ein Fest der Artistik und Zerstörungswut – völlig aus der Zeit gefallen, und gerade deshalb großartig.

Für einen weißen Golf 3 ist es die denkbar sinnvollste Abschlussverwendung: Erst die Fahrt über eine Rampe mit anschließendem Mehrfach-Überschlag, wodurch der weiße Klassiker bereits arg gestaucht ist. Und dann die Verschnürung mit Spanngurten und drei anderen schrottreifen Karren zu einem Paket, über das die Monster-Trucks der Familien Traber und Lagrin so oft fahren, bis sie die Arbeit der Schrottpresse eigentlich schon erledigt haben.

Wundervolle Zeitreise

Zeitgemäß ist es sicherlich nicht, was sich den Zuschauern auf der mobilen Holztribüne an der Halle Gartlage bietet. Hier wird Benzin zur reinen Belustigung verbraucht, ständig quietschende Reifen erzeugen kurzfristig eine Feinstaub-Hölle, und es ist so laut, dass man sich mitunter nur schreiend verständigen kann. Aber sollte man solche Shows deshalb verbieten, wie es einige fordern? Auf keinen Fall. Was hier in 90 Minuten passiert, ist eine wundervolle Zeitreise in die 70er- und 80er-Jahre, eine Erinnerung an eine Zeit, in der man noch nicht darüber nachgedacht hat, wie man das Auto bestmöglich ersetzt – sondern was man alles mit ihm anstellen kann.

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„Im zweiten Teil unserer Show steht im Vordergrund: die Auto-Zerstörung“, ruft der Stunt-Fahrer und Moderator Dominik Lagrin in sein Mikro. „Wir wollen reißendes Blech sehen!“ Und dann wird ein Auto so oft über eine Rampe und zu anschließenden Überschlägen gejagt, bis es nicht mehr fahren kann. Als der Karre nach dem ersten Stunt die komplette Stoßstange wegbricht, sagt Lagrin: „Durch den TÜV kommt der nicht mehr!“ 

Auf zwei Reifen über den Parkplatz der Halle Gartlage

Wir bewegen uns im Artistengewerbe, hier dürfen nicht nur, hier sollen die Sprüche fallen, die auf der Hand liegen. „Nicht in den Kofferraum, da hat beim letzten Mal eine Platzangst bekommen“, sagt Lagrin, als Sohn Dominik junior drei Damen aus dem Publikum in seinen BMW bittet, um mit ihnen auf zwei Reifen über den Parkplatz der Halle Gartlage zu fahren.

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Anschließend, nach der Verabschiedung der Damen, ruft Lagrin: „Halt, eine hat ihre Handtasche vergessen!“ Einer der Fahrer trägt sie ihr hinterher, doch dann stellt sich heraus, dass die Handtasche in Wahrheit ein roter BH ist. Echter Altherren-Humor. Aber hier, wo man mit dem Motorrad durch einen Ring aus Feuer springt und der 13-jährige Sohn des Chefs den Namen Johnny Traber jr. trägt – hier hat dieser Humor noch seine Berechtigung. Das Publikum an der Halle Gartlage fühlt sich jedenfalls erkennbar gut unterhalten. Und wer diese Form der Unterhaltung nicht mag, dürfte der Veranstaltung ohnehin ferngeblieben sein.


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