Perfektion ist der Tod der Kunst "Koorvorming" in der Kunsthalle Osnabrück

„Koorvorming": Während die Teilnehmer mit verbundenen Augen singen, geht der Künstler Jo Caimo mit seinem Aufnahmegerät herum. Foto: André Havergo.„Koorvorming": Während die Teilnehmer mit verbundenen Augen singen, geht der Künstler Jo Caimo mit seinem Aufnahmegerät herum. Foto: André Havergo.

Osnabrück. Bei der kollektiven Performance "Koorvorming" des Künstlers Jo Caimo wurde das Publikum in der Kunsthalle Osnabrück selber zum Teil eines Gesamtkunstwerkes.

Was bitte ist „Koorvorming“? Die kollektive musikalische Mitmach-Performance des belgischen Künstlers Jo Caimo weckt Neugierde. Am Donnerstag konnten sich nun zahlreiche Interessierte in der Kunsthalle Osnabrück ein Bild davon machen, was dahinter steckt, wenn eine Performance das Publikum zu Mitwirkenden macht und mit ihm ein eigenes, gemeinsames Kunstwerk kreiert.

Der niederländische Begriff „Koorvorming“ bedeutet dabei nichts anderes, als einen Chor zu formen. Niemand muss gut singen können. Aber jeder soll mitmachen. Was zunächst noch ein wenig nach dem neumodischen „Rudelsingen“ klingt, entpuppt sich schnell als künstlerischer Ausflug in eine andere Welt.

Der Künstler Caimo beschreibt sein Projekt „Koorvorming“ selber als „music for the unconscious collective“, Musik für das unbewusste Kollektiv. Dahinter steckt die Idee, einander unbekannte „Leute zusammenzubringen, ein Gemeinschaftsgefühl aufzubauen“, wie Caimo im Gespräch mit unserer Redaktion erläutert. „Zu Beginn unbewusst, weil da die Gruppe ist, die unbewusst einen Chor formt.“ Dabei komme es zu einer Zusammenkunft in einem eher surrealistischen Sinn.

1. Akt: Die Vorbereitung

Zu Beginn werden Ohrstöpsel gereicht. Und Augenbinden. Dann folgt die Aufforderung, sich ein Ohr zu verstöpseln, die Augen zu verbinden und einen von der Decke baumelnden Mini-Lautsprecher an das freie Ohr zu halten. Dann geht es los.

2. Akt: Das Singen

Die Teilnehmer sollen nachsingen, was sie hören. Es muss nicht genauso klingen, Fehler sind erlaubt bis erwünscht, und Perfektion ist sowieso der Tod jeder künstlerischen Aktion. „Bibibibibi“ und „bababababa“ kommen noch recht einfach über Stimmbänder und Lippen. Andere rhythmische Lautmalereien, irgendwo zwischen Lachen und Weinen, machen es schon schwieriger.

3. Akt: Die Manifestation

Nach knapp zehn Minuten heißt es warten. Das atonale Ergebnis des gemeinsamen Schaffensprozesses wird für alle Teilnehmer auf CD gebrannt. Währenddessen tauscht man sich im Publikum über das Erlebte aus. Steht in Grüppchen zusammen, sammelt sich.

So auch Vanessa Bross, Laura-Kristin Gustenberg, Caroline Weigel und Marielena Koch. Am Anfang sei ja alles sehr leise gewesen, aber dann plötzlich: „Hallelujah – was ist das denn?“ Schnell habe sich ein Gruppengefühl beim Singen eingestellt. Aber „es war gut, dass man sich nicht gesehen hat“.

Weitere Termine für Koorvorming in der Kunsthalle Osnabrück sind am Sonntag, 28. April, 14.00 Uhr sowie am Museumstag, 19. Mai, 14.30 Uhr. Anmeldung erforderlich unter 0541/21658.


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