zuletzt aktualisiert vor

Bohnenkamp-Stiftung finanziert Projekt Nach dem Camp macht Schule viel mehr Spaß

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Selbstbewusst: Emre hat am Sommercamp teilgenommen und seine Deutschkenntnisse verbessert. Links Mutter Hatice Yagar mit Kasia Lucasiewicz vom VPAK. In Hintergrund Michael Prior von der Bohnenkamp-Stiftung. Foto: Jörn MartensSelbstbewusst: Emre hat am Sommercamp teilgenommen und seine Deutschkenntnisse verbessert. Links Mutter Hatice Yagar mit Kasia Lucasiewicz vom VPAK. In Hintergrund Michael Prior von der Bohnenkamp-Stiftung. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. „Wir haben viele Käfernamen gelernt. Und den Akkusativ. Wir haben Tagebuch geführt. Und wir haben ein Überlebenstraining gemacht.“ Emre Yagar sprudelt über, wenn er vom Sommercamp „Sprache und Natur auf der Spur“ spricht. Er hat daran teilgenommen und ist seither in der Schule wesentlich motivierter.

Wann sagt schon mal ein Viertklässler, dass das Grammatikheft „toll“ war? Und wann kann er so einfach den Akkusativ erklären? Emre kann es, weil der grammatikalische Fall so erklärt wurde, dass er es vermutlich nie mehr vergisst: Die 60 Kinder aus Stadt und Landkreis, die an dem Camp teilnehmen durften, haben nämlich mit der Akkusativ-Kamera gearbeitet. Wenn sie hindurchsahen, entdeckten sie den Baum, der doch eigentlich den Artikel „der“ Baum trägt.

Zum Sommeranfang war gar nicht so klar gewesen, dass Emre in das Camp nach Natrup-Hagen fährt. Seiner Mutter Hatice fiel schon beim bloßen Gedanken daran die Trennung von ihrem Sohn schwer. Überzeugen vom Sinn des Camps konnte sie schließlich Kasia Lucasiewicz vom VPAK. Der Verein zur pädagogischen Förderung von Kindern aus Zuwandererfamilien stellt für das Camp die pädagogischen Fachkräfte für den Sprachunterricht.

Kasia Lucasiewicz arbeitet für den VPAK, der an der Stüveschule, die Emre besucht, Nachmittagsangebote macht. Die persönliche Bekanntschaft erleichterte die Erlaubnis zur Teilnahme ebenso wie das Versprechen, dass Mama Hatice täglich im Camp anrufen durfte, um sich nach Emres Ergehen zu erkundigen.

Außerordentlich mitteilungsbedürftig seien Emre und weitere drei Kinder aus seiner Klasse nach den Sommerferien in die 4. Klasse gekommen, berichtet seine Lehrerin Ulla Maaß. Sie mussten den anderen Kindern erzählen, wie toll es war, und was sie alles gelernt haben. Das Selbstbewusstsein und die Motivation zu lernen seien gewachsen.

Genau diese Erfolge seien der Grund, warum die Friedel-&-Gisela-Bohnenkamp-Stiftung in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal das Sommercamp mit 50000 Euro finanziert hat, sagt Michael Prior, Geschäftsführer der Bohnenkamp-Stiftung. Damit das Angebot fortgesetzt werden kann und die Verantwortlichen Planungssicherheit bekommen, habe das Kuratorium der Stiftung 150000 Euro freigegeben, um das Sommercamp bis einschließlich 2014 weiterzufinanzieren.

Dann kann vielleicht Emres kleine Schwester Fatima mitmachen. Hatice Yagar fördert ihre Kinder so gut es geht, weil sie weiß, wie es ist, von Bildung ausgeschlossen zu werden: „Ich bin nie zur Schule gegangen.“ Inzwischen lernt sie mit einer Privatlehrerin Lesen und Schreiben. Deutsch sprechen kann sie längst.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN