Hoher Priester der Konsumwelt Bizarre Performance von Thomas Keiser fesselt Zuschauer

Schon bei der Generalprobe bizarr: Die Performance von Thomas Keiser fesselte die Zuschauer.  Foto: Jörn MartensSchon bei der Generalprobe bizarr: Die Performance von Thomas Keiser fesselte die Zuschauer. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Kritik an einer Welt, in der nur Luxus, Konsum und schnöder Mammon zählen, übte Thomas Keiser mit seiner Performance „Zunkstujects-Tterings ≈ The Materialist Cult“ zum Auftakt des Emaf in der Kunsthalle Osnabrück.

Chuck Bass II. steht mit skurriler Maske und seltsamem Kostüm hinter seiner Kommandozentrale. Mit allerlei Utensilien erzeugt er dort eine Geräuschkulisse, dann geht er zu einer Trennwand, die als Projektionsfläche dient, hebt einen riesigen Rolls Royce-Schlüssel von einem Haken und präsentiert ihn dem Publikum – mit ausgestreckten Armen wie der Pastor in der Kirche die Monstranz. Chuck Bass II. ist der Hohe Priester einer Welt, in der nur Luxus, Konsum und schnöder Mammon zählen. Schützenhilfe bekommt er von einem Erzähler, der für ihn die materialistische Lebensweise propagiert. Bei genauem Hinsehen entpuppen sich die Kostbarkeiten und Insignien des Wohlstands, mit denen Chuck Bass II. sich umgibt, allerdings als billige Alltagsgegenstände oder schlicht als Schrott.

Schrilles Statement

Die Live-Performance „Zunkstujects-Tterings ≈ The Materialist Cult“ von Thomas Keiser, die zur Eröffnung des Emaf in der Kunsthalle gezeigt wurde, ist ein schrilles Statement gegen eine habgierige Konsumwelt. Inspiriert wurde der Performancekünstler von der amerikanischen TV-Serie „Gossip Girl“, in der Anfang 2000 das von Intrigen, Konflikten und Demütigungen durchdrungene Leben reicher, junger Städter in der Upper East Side von New York thematisiert wurde. Keiser beamt die Szenerie in eine abstruse Zukunft. Dort gibt es drei zentrale Handlungsschritte: „Anschauen, Hören, Fühlen“. Wer sich eingeladen fühlt, kann als Zuschauer aktiv teilhaben. Zwei Assistentinnen legen Freiwilligen Halsketten mit Gegenständen um den Hals. Statt Perlen und Brillanten hängen daran Legosteine und billiger Tand.

Improvisiertes Spiel

Derweil spricht Thomas Knecht als Narrator die fiktive Saga von Chuck Bass II. ins Mikro. Der ruft an seiner Kommandozentrale verschiedene Videosequenzen ab und aktiviert Klangskulpturen. Bleibänder beginnen an Wäscheständern zu rotieren, Bücherregale im Stil des Gelsenkirchener Barocks geben klopfende Geräusche von sich und ausrangierte Postkartenrondelle zittern jämmerlich. „Es gibt zwar ein Skript, eine Art Partitur für unsere Performance, aber das ist nur ein Handlungsgerüst“, betont Thomas Keiser. Bis auf den Text einer Sprecherin, der als Intro abgerufen wird, ist nichts vorproduziert oder programmiert, alle Protagonisten agieren live. Daher spielt Improvisation in diesem bizarren Spiel eine zentrale Rolle.

Aus dem Material, das zwei Videofilmerinnen während der Performance aufzeichnen, produziert Thomas Keiser eine sich stetig ändernde Dokumentation, die sich Besucher der Kunsthalle bis zum Ende des Emaf anschauen können.


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