Schauspieler starten in neue Saison Anni Voss schneidert Kostüme für Osnabrücker Stadtspieler

In der Nähstube und der Altstadt ist Anni Voss für die Osnabrücker Stadtspieler aktiv. Foto: Thomas WübkerIn der Nähstube und der Altstadt ist Anni Voss für die Osnabrücker Stadtspieler aktiv. Foto: Thomas Wübker

Osnabrück. Seit acht Jahren macht Anni Voss bei den Stadtspielern mit. Am Freitag, 26. April, beginnt ihre Saison mit einem Stück über den Westfälischen Frieden. Die 70-Jährige sagt, sie mag historische Stoffe und meint zwei Dinge. Außerdem sind Fernseh-Märchen am Sonntagnachmittag eine Quelle der Inspiration für sie.

Die Stadtspieler bestehen aus 20 Osnabrückern, die Spaß an der Schauspielerei haben und tief in die Geschichte der Friedensstadt eintauchen, um dort Geschichten ans Tageslicht zu holen. An historischen Orten in der Altstadt wird die Historie der Stadt wieder lebendig, wenn die Laiendarsteller die Szenen aufführen.

Gewandet sind die Spieler zum Teil in den Kostümen, die Anni Voss geschneidert hat. Wenn sie also sagt, sie interessiere sich für historische Stoffe, dann meint sie damit zweierlei: Die Stoffe, die die gelernte Schneiderin zum Anfertigen der Kostüme braucht, und die Stoffe, die zu den Geschichten verarbeitet werden, die von den Stadtspielern aufgeführt werden.

Die Stadtspieler in Aktion - hier bringen sie einer Besuchergruppe aus dem Ausland die Osnabrücker Geschichte in englischer Sprache näher. Foto Elvira Parton


Zur Schauspielerei ist Anni Voss schon vor 40 Jahren gekommen. Als die Ibbenbürener Heimatbühne Darsteller suchte, sind zunächst andere Frauen angesprochen worden. Sie hat verschämt ihren Finger gehoben und gesagt: „Frag doch mal mich.“ Ihr Mann soll daraufhin gesagt haben: „Lass das mal, Theater zu Hause machste genug.“ Auf die Nachfrage, ob ihr Gatte denn recht habe, antwortet sie nach zögerlichem Nachdenken mit: „Jein.“

"Die dachten wirklich, dass wir betrunken sind"Anni Voss


Aber in den eigenen vier Wänden spielt sie keinen Büttel, keinen Bischof („Keiner kann so fromm gucken wie ich“), keinen Wächter und keinen betrunkenen Diener. Letzterer ist ihre Lieblingsrolle, erzählt Anni Voss. „Wir haben mal im Steinwerk eine Szene aufgeführt, bei der zwei Diener den Stadtkämmerer nach einem Gelage nach Hause bringen sollen“, beginnt sie. Aus der benachbarten Weinhandlung seien sie dabei von der dortigen Kundschaft beobachtet worden. Sie wollten schließlich den torkelnden Gesellen zur Hilfe eilen. „Die dachten wirklich, dass wir betrunken sind“, lacht sie sich ins Fäustchen.

Leidenschaftliche Schneiderin

Neben der Schauspielerei ist die Schneiderei eine Leidenschaft von Anni Voss. Anregungen für die Kostüme der Stadtspieler bekommt sie am besten, wenn sie Sonntagnachmittags Märchen im Fernsehen schaut, erzählt sie. „Ich habe mein ganzes Leben lang geschneidert.“ Daher rattern ihre Nähmaschinen häufig. Und am liebsten verarbeitet sie dabei historische Stoffe wie zum Beispiel alte Gardinen aus Spitze.

Anni Voss besitzt einen rauen Charme, mit dem sie sicher auch mal hier und da aneckt. „Ich bin eine typische Westfälin“, sagt die gebürtige Mettingerin über sich. Westfalen, so erklärt sie, schauen sich die Leute und die Situationen an und denken sich ihren Teil. „Aber dann…“, beginnt sie den Satz, lacht auf und endet damit: „Wenn sie was sagen, hat es Hand und Fuß.“

Die Saison der Stadtspieler beginnt am Freitag, 26. April, um 19.30 Uhr mit einem Stück über den Westfälischen Frieden, das an verschiedenen Orten in der Altstadt gespielt wird. Außerdem wird ein historisches Spektakulum mit Musik und eine große historische Stadtführung in dieser Spielzeit angeboten. Treffpunkt ist jeweils die Rathaustreppe. Die Aufführungen dauern etwa zwei Stunden. Alle Infos unter www.stadtspieler-os.de.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN