Namensforscher Der erste Asendorf und die germanischen Götter

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Erwin Wodicka - wodicka@aon.at

Osnabrück. Unser Leser H. H. Asendorf aus Dissen fragt nach der Bedeutung seines Nachnamens. Die Familie kommt ursprünglich aus der Nähe von Bremen. Die etwa 900 Träger des Namens Asendorf sind überwiegend in Niedersachsen ansässig.


 Die drei stärksten Nester des Namens zeigen sich in der Stadt Bremen und in den Landkreisen Verden und Diepholz. Es gibt drei Namenvarianten, zunächst die sehr seltenen Formen Asendorff und Asendorpf, ferner die Schreibweise Ahsendorf mit etwa 80 Namensträgern. Ahsendorf ist wie Asendorf vor allem in Niedersachsen anzutreffen, konzentriert sich aber weiter nördlich mit dem stärksten Nest in Hamburg.

Da bei den historischen Belegen von Asendorf bisweilen auch die Schreibung Assendorf verwendet wurde, könnte man bei dem heute in Deutschland sehr seltenen Namen Assendorp an einen Zusammenhang mit Asendorf denken. Da Assendorp aber in den Formen Assendorp und van Assendorp vor allem in den Niederlanden verbreitet ist (100 Namensträger), werden die beiden Orte namens Assendorp in der Provinz Overijssel zugrunde liegen.

Wie bei allen Familiennamen mit -dorf liegt ein Siedlungsname zugrunde. Der Nachname entstand als Herkunftsname und bezeichnete den ersten Namensträger nach seiner Herkunft aus dem entsprechenden Ort. In Deutschland sind vier Orte Asendorf nachzuweisen: je einer in den Landkreisen Diepholz (1091 Asanthorp), Harburg (1296 Asendorpe), Lippe (1280 Assendorpe, 1350 Asendorpe) sowie im Saalekreis (932 Asendorf).

Wie man sieht, blieben die Ortsnamen im Laufe der Jahrhunderte praktisch unverändert. Was bedeutet nun der Siedlungsname Asendorf? Beim Bestimmungswort Asen- könnte man an das germanische Göttergeschlecht der Asen denken. Einige Namenforscher haben in der Tat im Ortsnamen Asendorf einen Reflex der heidnischen Germanenzeit gesehen, etwa in der Art, dass am jeweiligen Ort ein heidnisches Heiligtum existiert hätte. Es gibt zwar keine konkreten Hinweis auf die Richtigkeit dieser Annahme, sie ist aber nicht absolut auszuschließen.

Völlig problemlos allerdings ist der Ortsname mit dem germanischen Rufnamen Aso, Asso zu erklären. As(s)o war Kurzname der männlichen Rufnamen mit einem ersten Namenwort germanisch Ans- „Gottheit“. Das waren Namen wie Ansbald, Ansbrand, Ansfrid, Ansger, Anshelm. Im niederdeutschen Gebiet wurde Ans- zu Âs-, As- abgeschliffen, daher lautete der Kurzname abweichend von hochdeutsch Anso im Niederdeutschen Aso, Aaso, auch Asso.

Die vier Orte Asendorf wurden nach ihrem jeweiligen Gründer benannt, der Ortsname bedeutet „Dorf = Siedlung des Aso“.


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