Die Kritik nach der Kritik Osnabrücker Grüne: „Auf diesen Radwegen fährt die Angst immer mit“

Von PM und Jörg Sanders

Auf vielen Abschnitten des Wall haben Radfahrern nicht viel Platz zur Verfügung. Autos und Lkw rauschen dicht an ihnen vorbei. Die Grünen erachten das als lebensgefährlich. Foto: Michael GründelAuf vielen Abschnitten des Wall haben Radfahrern nicht viel Platz zur Verfügung. Autos und Lkw rauschen dicht an ihnen vorbei. Die Grünen erachten das als lebensgefährlich. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Die CDU kritisiert nach dem schlechten Abschneiden Osnabrücks beim Fahrradklima-Test den neuen teuren Radweg am Heger-Tor-Wall sowie Stadtbaurat Frank Otte.

„Offensichtlich hat man sich die Ergebnisse gar nicht angeschaut“: Mit Unverständnis reagieren der Grünen-Fraktionschef Volker Bajus und Michael Kopatz, verkehrspolitischer Sprecher der Fraktion, in einer gemeinsamen Mitteilung auf die jüngste Mitteilung von Marius Keite (CDU) zum Abschneiden beim Fahrradklima-Test. „Radwegbreite, Sicherheit und Konflikte mit Pkw wurden am schlechtesten bewertet. Die Lösung liegt in geschützten breiten Radwegen“, schreiben sie. In der Tat waren das die Punkte, die die Umfrageteilnehmer am schlechtesten bewertet hatten.

CDU: Radwege statt Radkampagnen

Bei der nicht repräsentativen Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) hatte Osnabrück von den 559 Umfrageteilnehmern lediglich die Schulnote 4,2 verliehen bekommen. Die CDU kritisierte anschließend Stadtbaurat Otte: Er solle lieber Geld in Radwege statt in Öffentlichkeitskampagnen für das Radfahren investieren. Zudem kritisierte die Fraktion den neuen Radweg am Heger-Tor-Wall. Es sei mit 430.000 Euro ein teures Prestigeobjekt des Stadtbaurats.

Der Asphalt des Anstoßes: der neue Radweg am Heger-Tor-Wall. Foto: Jörn Martens

„Die Angst fährt immer mit“

Immer mehr Pedecels, langsame und schnelle Radfahrer, Lastenräder und Fahrradanhänger: Breite Radwege samt Überholmöglichkeiten würden immer wichtiger werden, so Bajus und Kopatz. Auf den Radwegen am Wall und den Hauptstraßen sei das nicht möglich. „Auf diesen Radwegen fährt die Angst immer mit, wenn links immer mehr 40-Tonner mit 50 km/h und mehr vorbeirauschen und sich in der Parkreihe rechts jederzeit eine Autotür öffnen kann. Das ist lebensgefährlich“, so Kopatz.

Kopatz und Bajus verteidigen überdies die von ihnen initiierte Kampagne, die die Stadt umsetzen und die für mehr Rücksicht auf Radfahrer werben soll. „Rad- und Gehwegparken ist kein Kavaliersdelikt, sondern meistens verkehrsgefährdend.“ Daher sollen Falschparker auch vermehrt Knöllchen erhalten. Und weiter:

"Dass gelernte Juristen das Werben für die Straßenverkehrsordnung ablehnen, ist schon absurd."Michael Kopatz, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen

Gemeint ist Keite, der für die CDU im Rat und im Stadtentwicklungsausschuss sitzt.

Grüne üben Kritik an Ottes Vorgänger: OB Griesert

Und auch ihren Parteikollegen Frank Otte nehmen die beiden Grünen in Schutz. „Unter seinem Vorgänger Wolfgang Griesert [heute Oberbürgermeister, Anm. d. Red.] ist in Sachen Verkehr jahrelang leider gar nichts passiert. Erst mit Otte habe der Rat das Ziel von 30 Prozent Radverkehr beschlossen und den Radwegebau deutlich vorangetrieben.

Otte hatte die Öffentlichkeitskampagne zudem gar nicht auf den Weg gebracht, sondern eine Ratsmehrheit auf Initiative der Grünen und gegen die Stimmen von CDU und BOB.


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