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17.04.2019, 22:39 Uhr EIN JAHR VERGEHT UND NICHTS PASSIERT

Keine Hilfe für Osnabrücker Frauenhaus in Sicht

Ein Kommentar von Sandra Dorn


Sabine C. hängt seit anderhalb Jahren mit ihren vier Kindern im Osnabrücker Frauenhaus fest, weil sie keine Wohnung findet. Foto: Michael GründelSabine C. hängt seit anderhalb Jahren mit ihren vier Kindern im Osnabrücker Frauenhaus fest, weil sie keine Wohnung findet. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. So sehr können Wunsch und Wirklichkeit auseinanderdriften: Vor ziemlich genau einem Jahr war die Osnabrücker Politik auf den dramatischen Platzmangel im Frauenhaus aufmerksam geworden. Passiert ist seitdem: nichts.

Auf Antrag der Linken fasste der Rat im März 2018 einen Beschluss: Die Stadtverwaltung sollte prüfen, wie die Versorgung von Plätzen in Frauenhäusern für Gewaltopfer gewährleistet werden kann – und wie sie denen, die ausziehen wollen, Wohnraum vermitteln kann.

Der Anstoß zu helfen, ist ergebnislos verpufft. In der Zwischenzeit hat sich das Problem durch den überhitzten Wohnungsmarkt weiter verschärft und das Frauenhaus hat 2018 einen traurigen Rekord aufgestellt: 308 Frauen, oft mit Kindern, suchten dort Schutz vor gewalttätigen Männern – und die Mitarbeiterinnen konnten ihnen nicht helfen, weil alle Zimmer belegt waren. Bundesweit ergeht es Frauenhäusern so.

Kein Wunder also, dass das Osnabrücker Frauenhaus sofort der Bürgerinitiative beigetreten ist, die sich für die Gründung einer kommunalen Wohnungsgesellschaft einsetzt – in der Hoffnung, dass dadurch wieder mehr Sozialwohnungen entstehen.

Aber nicht nur die Stadt ist gefordert, etwas gegen die Wohnungsnot zu tun. Dass kein einziger Vermieter der fünfköpfigen Familie von Sabine C. bislang auch nur eine Chance zur Besichtigung einer Wohnung gegeben hat, ist beschämend.



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