Leben ohne Kurt Sarah Kuttner liest in der Osnabrücker Lagerhalle

Sarah Kuttner liest aus "Kurt" - eine Liebes-, Familien- und Trauergeschichte über den plötzlichen Tod eines Kindes. Foto: Gert WestdörpSarah Kuttner liest aus "Kurt" - eine Liebes-, Familien- und Trauergeschichte über den plötzlichen Tod eines Kindes. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück . Am Dienstag las Moderatorin und Autorin Sarah Kuttner aus ihrem vierten Roman "Kurt", mit dem sie das Publikum im gut besuchten Saal der Lagerhalle gleichermaßen berührte und erheiterte.

Sarah Kuttner mag es unkompliziert und direkt. Als sie die Bühne betritt, bezeichnet sie die "süßen Osnis" angesichts der plötzlich eingetretenen Stille im Saal kurzerhand als "krasseste Schulklasse der Welt". Ihr Wissen über Osnabrück als angebliche "Emo-Hauptstadt" erwarb die quirlige Berlinerin bereits vor drei Jahren bei einem Lese-Gastspiel in der Hasestadt. Am Dienstag konnte sie es vertiefen. Denn da las die als Viva- und MTV-Moderatorin bekannt gewordene Sprecherin und Autorin Sarah Kuttner im gut besuchten Saal der Lagerhalle aus ihrem vierten Roman "Kurt" - eine Story, die sie zwar als "Liebesgeschichte" bezeichnete, die aber ebenso eine sensibel beschriebene Familien- und Trauergeschichte über den plötzlichen Tod eines Kindes ist.

Kuttners Protagonistin Lena hat darin mit ihrem Freund Kurt gerade ein Haus mit Garten im Brandenburgischen Land bezogen. Da zeitweise auch Kurts kleiner Sohn bei ihnen lebt, der ebenfalls Kurt heißt, muss Lena ihre Rolle als "Freundin, Mitbewohnerin und Stiefmutter" erst noch finden. Diese Startschwierigkeiten würzte Kuttner mit für sie typischen humorvollen Wortkreationen wie "entmuffeln" oder "ein Bett voller Kurts". Als der kleine Kurt nach einem Sturz vom Klettergerüst stirbt, folgen Trauer, Angst, Leid und Traurigkeit und eine Zeit, die Lena als "Es wird nur noch überlebt" empfindet. Ihr Partner versteinert in seiner Trauer zunehmend und lässt sich von seiner Ex Jana trösten. Und Lena sucht in der gewaschenen Kinderbettwäsche vergeblich nach "Kurt-DNA". 

Mit einem schlichten "Fertig" beendete Kuttner nach einer Stunde ihre Lesung und wechselte über zur Fragerunde. Auch die fiel unkompliziert und direkt aus. "Du bist ein Stufenriese. Bin ich auch", rief sie etwa einem Zuschauer in der hinteren Reihe zu und nannte kurzerhand sämtliche sich zu Wort meldende Zuschauer "Bernd". Anmerkungen zu ihrem mit Stefan Niggemeier betriebenen Podcast "Das kleine Fernsehballett" beantwortete sie ebenso wie Fragen zum Einspielen von Hörbüchern oder Auslöser und Reaktionen auf "Kurt". Zu ihrem Schreibstil erklärte Spontanschreiberin Kuttner: "Es passiert alles beim Schreiben." 

Das trifft wohl auch auf die Buchcover ihrer Romane zu. So hat sich Sarah Kuttner die Gestaltung des eigenwilligen "Kurt"-Covers im Washi-Tape-Stil nicht aus der Hand nehmen lassen - was wenig verwunderlich ist bei einer Autorin, die 2009 nach eigener Aussage die Cover-Vorlage für ihren Debütroman  "Mängelexemplar" auf Butterbrotpapier gestickt hat. Unkompliziert und direkt eben. 


Sarah Kuttner. "Kurt". Roman. Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag, 2019. 240 Seiten. 20 Euro. ISBN 978-3-10-397424-9. 


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