Razzia des Zolls Osteuropäische Arbeiter wohnten in Osnabrück auf Baustellen

Bei der Durchsuchung von Sammelunterkünften von Arbeitern aus Osteuropa stellten Beamte des Zolls fest, dass sie zum Teil auf Baustellen untergebracht waren. Gegen einen Bauunternehmer wird wegen des Verdachts der Scheinselbstständigkeit ermittelt. Symbolfoto: Hauptzollamt OsnabrückBei der Durchsuchung von Sammelunterkünften von Arbeitern aus Osteuropa stellten Beamte des Zolls fest, dass sie zum Teil auf Baustellen untergebracht waren. Gegen einen Bauunternehmer wird wegen des Verdachts der Scheinselbstständigkeit ermittelt. Symbolfoto: Hauptzollamt Osnabrück

Osnabrück. Bei einer Razzia hat das Hauptzollamt in Osnabrück in der vergangenen Woche mehrere Sammelunterkünfte von osteuropäischen Arbeitern durchsucht. Dabei stellten sie fest, dass die vermeintlich selbstständigen Subunternehmer von einem Geschäftsführer aus der Baubranche auf einer Baustelle untergebracht wurden.

Im Auftrag der Staatsanwaltschaft durchsuchten in der vergangenen Woche 27 Einsatzkräfte der Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Hauptzollamts Osnabrück mehrere Wohnungen in der Stadt Osnabrück, schreibt der Zoll in einer Pressemitteilung.

Verdacht der Scheinselbstständigkeit

Die Behörden ermitteln dabei gegen einen 40-jährigen Geschäftsführer aus der Baubranche, der vermeintlich selbstständige Subunternehmer aus Osteuropa beschäftigte, um damit Sozialabgaben einzusparen, vermuten Zoll und Staatsanwaltschaft. Tatsächlich sollen die Arbeiter nämlich in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis zu dem Bauunternehmer stehen. Somit liege der Verdacht der Scheinselbstständigkeit vor.

Alte Decken und Matratzen

Bei der Durchsuchung der Sammelunterkünfte stellten die Beamten fest, dass fünf Osteuropäer auf einer Baustelle lebten. Sie schliefen demnach auf alten Betten mit ebenso alten Decken und Matratzen. Boden- und Wandbelege seien nicht vorhanden und die Treppen und Geländer in der Unterkunft aus Brettern selbst gebaut worden. Bei einem weiteren Durchsuchungsobjekt sollte es sich nach Mitteilung des Zolls um einen Lagerraum der Baufirma handeln. Doch auch hier wohnten vermeintliche Subunternehmer des Beschuldigten unter unwürdigen Umständen. Der Vermieter der Lagerräume habe bereits angekündigt, dass er dem Beschuldigten aufgrund der vertragswidrigen Nutzung außerordentlich kündigen wird. 

Umfangreiches Beweismaterial

Bei den Durchsuchungen stellten die Ermittler umfangreiches Beweismaterial sicher, darunter auch Computer, die durch Spezialkräfte des Zolls für IT-Forensik ausgewertet werden. Die betroffenen osteuropäischen Arbeiter wurden in diesem Fall als Zeugen vernommen. Zoll und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass die Auswertung der Beweismaterialien und Vernehmungen noch Monate in Anspruch nehmen wird.

Wie ein Sprecher des Zolls auf Nachfrage mitteilt, wird gegen den Beschuldigten vor allem wegen des Verdachts der Scheinselbstständigkeit ermittelt. Ein gesetzliches Einschreiten gegen menschenunwürdige Wohnverhältnisse ist demnach in Niedersachsen nicht möglich.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN