Prozess am Amtsgericht Osnabrücker wegen Kindesmissbrauchs zu Bewährungsstrafe verurteilt

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Osnabrück. Weil er ein siebenjähriges Mädchen aus der Nachbarschaft dazu genötigt hat, sexuelle Handlungen an ihm vorzunehmen, hat das Amtsgericht Osnabrück einen 50-Jährigen zu einer 18-monatigen Freiheitsstrafe zur Bewährung verurteilt.

Ein "unsägliches Versteckspiel" nannte es die Vorsitzende Richterin. "Ich weiß nicht, wie ich darauf gekommen bin", sagte der Angeklagte. Der 50-Jährige, der bislang noch nie strafrechtlich in Erscheinung getreten ist, musste sich wegen des Vorwurfs des sexuellen Kindesmissbrauchs vor dem Amtsgericht Osnabrück verantworten.

Laut Anklage hatte der Mann im Oktober und November des vergangenen Jahres insgesamt fünfmal ein Mädchen aus der Nachbarschaft missbraucht. Der Mann habe mit der Siebenjährigen in seiner Wohnung Verstecken gespielt - und immer, wenn ihn das Mädchen fand, sollte es ihm "zur Strafe" die Hose herunterziehen und ihn intim berühren. 

Irgendwann hatte sich die Siebenjährige dann ihrer Großmutter offenbart. Die Anzahl der Taten war für die Polizei mühelos nachvollziehbar, weil sich Täter und Opfer per Whatsapp verabredet hatten. 

"Wie sind Sie überhaupt auf diese Idee gekommen?"

"Die Vorwürfe treffen im vollen Umfang zu", erklärte der Verteidiger für seinen Mandanten. Zwischen ihm und dem siebenjährigen Mädchen sei eine Art Freundschaft entstanden, beide hätten in der Vergangenheit oft im Garten und in seiner Wohnung miteinander gespielt. Bei dem "unsäglichen Versteckspiel" habe sein Mandant die Geschädigte ausdrücklich nicht in ihrem eigenen Intimbereich berührt, betonte der Verteidiger. 

"Wie sind Sie denn überhaupt auf diese Idee gekommen?", fragte die Vorsitzende. Der 50-Jährige sagte, dass er diese Frage nicht beantworten könne. Ob er sich denn um eine Therapie bemüht habe, wollte die Richterin anschließend wissen. "Ich habe mich im Internet schlau gemacht, habe aber nicht wirklich etwas gefunden."

Angeklagter wohnt jetzt gegenüber der Schule seines Opfers

Die Vertreterin der Nebenklage kritisierte diese Aussage in ihrem Plädoyer scharf: "In so einem Fall sucht man nicht ein bisschen im Internet, man geht zu einem Psychiater und lässt sich beraten, wohin man geht." Die Opferanwältin beklagte außerdem, dass der Angeklagte mittlerweile in ein Haus gezogen sei, das direkt gegenüber der Schule des kleinen Mädchens liege. "Und er weiß das." Außerdem stehe dem 50-Jährigen ein weiteres Verfahren bevor, weil die Polizei bei der Durchsuchung seiner Wohnung kinderpornografisches Material gefunden habe.

Von der Geschädigten berichtete die Anwältin, dass das siebenjährige Mädchen seit den Missbrauchstaten eine Verhaltensänderung gezeigt habe. In der Schule sei sie zunehmend aggressiv und würde Jungen an den Hintern fassen. Zu Hause benehme sie sich gänzlich anders, einige Wochen habe sie im Bett ihrer Mutter geschlafen.

Urteil rechtskräftig

Staatsanwaltschaft und Verteidigung beantragten in ihren Plädoyers übereinstimmend eine 18-monatige Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Das Gericht folgte dem. Als Auflage muss der 50-Jährige 500 Euro an den Kinderschutzbund sowie 2000 Euro an die Geschädigte zahlen und sich in Zukunft von dem Mädchen fernhalten. Außerdem muss er sich innerhalb der nächsten zwei Monate an einen Therapeuten wenden. Nur, wenn er alle diese Bedingungen erfüllt und sich nichts mehr zuschulden kommen lässt, bleibt ihm der Gang ins Gefängnis erspart. Da die Staatsanwältin sowie der Verteidiger erklärten, auf Rechtsmittel zu verzichten, ist das Urteil bereits rechtskräftig.


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