Heidenspaß mit Schimpfwörtern Theatermäuse spielen „Herdmanns“ im Emma-Theater

Die „schlimmsten Kinder aller Zeiten“? - Szene aus dem Stück „Hilfe, die Herdmanns kommen“ mit den Theatermäusen im Emma-Theater. Foto: Thomas OsterfeldDie „schlimmsten Kinder aller Zeiten“? - Szene aus dem Stück „Hilfe, die Herdmanns kommen“ mit den Theatermäusen im Emma-Theater. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Die jungen Osnabrücker Theatermäuse haben unter der Regie von Musik- und Theaterpädagogin Marie-Louise Tralle Barbara Robinsons Kinder- und Jugendstück "Hilfe, die Herdmanns kommen" im Emma-Theater auf die Bühne gebracht.

Sie rauchen, klauen, setzen Schuppen in Brand und schmeißen mit Schimpfwörtern um sich: Die fünf Kinder der Familie Herdmann sind nicht gerade prädestiniert dafür, ein weihnachtliches Krippenspiel aufzuführen. Aber genau das ist die Volte, die in Barabara Robinsons Kinder- und Jugendstück „Hilfe, die Herdmanns kommen“ geschlagen wird. Die Osnabrücker Theatermäuse haben es am Wochenende unter der Regie von Musik- und Theaterpädagogin Marie-Louise Tralle im Emma-Theater auf die Bühne gebracht. Die jüngste aller Amateurtheatergruppen der Städtischen Bühnen bietet Kindern von 8 bis 13 Jahren die Möglichkeit, wie die Großen das Theaterspielen zu erlernen und sich Stücke zu erarbeiten. Für die Geschichte rund um die vermeintlich „schlimmsten Kinder Welt“ mussten sie erstmals keinen selbst entwickelten, sondern einen bereits fertigen, ziemlich langen Text lernen, den sie erst im Januar bekommen haben.  

Foto: Thomas Osterfeld


Konzentration und Bühnenpräsenz

„Die Szenen sind cool und lustig“, schwärmt die 9-jährige Finja, die mit der Schulleiterin eine Haupt- und noch weitere drei Nebenrollen spielt und seit dieser Spielzeit in Gefolgschaft ihres Klassenkameraden Jannes ganz neu dabei ist. Zuvor hat sie aber schon ungleich kleinere Bühnenerfahrungen in der Theater-AG der Elisabethschule sammeln können. Dabei war sie nicht die einzige, der es vor allem Spaß gemacht hat, die „ganzen Schimpfwörter“ auszusprechen – wohl wissend, dass dies nur in einer Theaterrolle erlaubt ist. Ihr Mitspieler Lennart gehört dagegen schon seit drei Jahren zu den Theatermäusen, inspiriert von seiner älteren Schwester Antonia, die im Stück Frau Schnittbaum gespielt hat - und damit den vorbildlich bürgerlichen, in Wortwahl und Kleidung ausgedrückten Gegenpol zu den als „Monster“, „asozial“ oder „Plage“ abgestempelten Herdmanns. Ihr 11-jähriger Bruder, der mit Ralf das älteste der Herdmann-Kinder verkörpert hat, fand es gut, diesmal ausnahmsweise nur eine einzige Rolle zu spielen – „weil man sich dann besser darauf konzentrieren und mehr Bühnenpräsenz aufbauen kann“, sagt er im Anschluss an die geglückte Premiere am Samstagnachmittag, die überwiegend von Eltern, Geschwistern und Großeltern der 16 Nachwuchsschauspieler besucht wurde.

 Krippenspiel aufgemischt

Die staunten nicht schlecht, als auf der Bühne Wörter ausgesprochen wurden, die zuhause verboten sind – und im Chor Monty Pythons alternative Jesus-Hymne „Always Look On The Bright Side Of Life“ gesungen wurde. Durch einen Zufall und einen Trick kapern die Herdmann-Kinder im Stück sämtliche Rollen des traditionellen Krippenspiels ihrer Schule – und krempeln die Weihnachtsgeschichte ziemlich um. König Herodes wollen sie töten lassen, denn der „Oberarsch“ sei schließlich „hinter Jesus her“ gewesen. Und auch die „drei weisen Vollspacken“ wollen sie samt ihrer Geschenke „zum Teufel schicken“. Denn jedes Kind habe erst einmal ein Recht darauf, „in Ruhe Kind zu sein“. Deshalb rappten sie am Ende auch für eine gerechtere, ruhigere und „bessere Bleibe“ als den trubeligen Stall.   Die Umdeutung der Weihnachtsgeschichte durch die „Herdmanns“ fanden die Theatermäuse unisono „lustiger“ als das Original. Wenn sie demnächst ein Krippenspiel in der Kirche sehen werden, wäre das dagegen „wahrscheinlich langweilig“. Nicht einig waren sich die Theatermäuse im Gespräch nach der Premiere dagegen darüber, ob es denn auch in ihren Schulen solche Kinder wie die Herdmanns gibt. In jedem Fall sei es aber „erst ungewohnt“ gewesen, in deren Rolle reinzuschlüpfen, aber „als man einmal drin war, hat es richtig Spaß gemacht“, sagt Lennart stellvertretend für seine Mitspieler.  

Foto: Thomas Osterfeld


  


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