Startschuss für bundesweite Aktionstage Landfrauen in der Region Osnabrück zeigen Flagge

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Osnabrück. Auftaktveranstaltung für bundesweite Aktionstage der Landfrauen in Osnabrück. Rund 120 Landfrauen trafen sich zur Diskussion im Sitzungssaal des Kreishauses. Als Impulsreferat lieferte die ehemalige Familienministerin Christine Bergmann einen historischen Abriss über die Emanzipation der Frauen seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert.

Christine Bergmann zeigte sich im Sitzungssaal des Kreishauses kämpferisch und warnte vor politischen Bestrebungen, die Fortschritte auf dem Weg zur Gleichberechtigung der Frauen rückgängig machen zu wollen. „Wir haben einen Verfassungsauftrag“ erklärte die einstige SPD-Spitzenpolitikerin in ihrem Impulsreferat. Frauen stellten im Bundestag derzeit nur noch 30,7 Prozent der Abgeordneten. Mit Forderungen nach einer paritätischen Aufteilung von Männern und Frauen auf Wahllisten sei es allein nicht getan. Um auch unter Berücksichtigung der Direktmandate zu einem Gleichgewicht zu kommen, bedürfe es einer Wahlrechtsreform.




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 Verfassungsrechtlichen Bedenken hielt sie entgegen, dass sich selbst das Grundgesetz mit einer zwei-Drittel-Mehrheit ändern ließe, aber dazu bräuchte es eben bereits mehr Frauen im Parlament. Den Landfrauen gratulierte sie dazu, dass sie mit ihrem Motto „Frauen haben mehr verdient“, sich auch die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen auf die Fahnen geschrieben hätten. Weil mittlerweile wieder versucht werde, überkommene „Rollenbilder salonfähig zu machen“, müssten Frauen aufpassen, dass der „Zug der Zeit nicht rückwärts fährt.“ Nach einem historischen Abriss der Emanzipationsbewegung schloss sie ihre Betrachtungen mit einem drohenden Appell: „Geschenkt wird uns nichts, kämpfen können wir. Auf den bisherigen Erfolgen dürften sich Frauen nicht ausruhen. Wir werden Flagge zeigen“, nahm sie das Motto der Aktionstage auf und erntete bei den rund 120 Landfrauen im kräftigen Applaus.

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Wie mehr Frauen für die Politik zu begeistern sind, darin ging es im Gespräch mit der Kreisvorsitzenden der Landfrauen im Osnabrücker Land, Almut Detert, mit der CDU-Landtagsabgeordneten Anette Meyer zu Strohen und der liberalen Monika Feil. Über ihre Motivation erklärte Meyer zu Strohen, Ihr sei es auf die Nerven gegangen, dass sich viele Mandatsträger zum Thema Landwirtschaft geäußert hätten, ohne etwas davon zu verstehen, das habe sie in die Politik gezogen. Jungen Frauen riet sie, die bestehenden Bildungsschancen zu nutzen. Als sie davon berichtete, dass ihr ein Parteikollege geraten hatte, dass Frauen in der Politik doch ein bisschen mehr wie Männer werden sollten, fragte Feil: „Warum müssen wir Frauen uns ändern?“ Statt Frauen für Mint-Berufe zu begeistern gelte es „Frauenberufe besser zu bezahlen.“

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Zuvor hatte Landrat Michael Lübbersmann in seinem Grußwort das Mentoring-Programm in Stadt und Landkreis Osnabrück für Frauen hervorgehoben, die sich für Politik interessieren. Anerkennung erntete er auch für die Benennung von Bärbel Rosensträter zur Ersten Kreisrätin und sein Bekenntnis, nun auch für mehr Frauen in der zweiten Führungsebene einstehen zu wollen. Zum Thema gleiche Lebensverhältnisse in Stadt und auf dem Land nannte Lübbersmann, die Mobilität als eine der zentralen Fragen, die neu gedacht werden.


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