Handwerk in der Region zieht Bilanz Trotz Konjunkturdelle keine Beunruhigung

Das Kfz-Handwerk ist aktuell eines der Sorgenkinder des Handwerks. Foto: dpaDas Kfz-Handwerk ist aktuell eines der Sorgenkinder des Handwerks. Foto: dpa

Osnabrück. Bei vielen Konjunkturprognosen zeigt die Tendenz nach unten. Dass dieser Trend auch das Handwerk in der Region negativ beeinflussen wird, davon ist Kammerpräsident Reiner Möhle noch nicht überzeugt.

„Ich bin skeptisch, dass die Prognosen auch so eintreten. Diese scheinbare Schwäche werden unsere Betriebe mehr als gut überstehen“, ist sich Reiner Möhle, Präsident der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, sicher. Hauptgeschäftsführer Sven Ruschhaupt ergänzte: „Das Handwerk wird, wenn die Industrie weiter schwächelt, die Konjunktur stabilisieren.“

Um drei Punkte ist der Geschäftsklimaindex im Vergleich zum Frühjahr 2018 gefallen - über dem Wert von Herbst 2014 liegt er jedoch weiterhin:




Auch wenn sich die Konjunktur im Kammerbezirk Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim jetzt im Frühjahr im Vergleich zum Herbst etwas abgekühlt hat, Grund zur Sorge sah Peter Beckmann, Geschäftsführer Betriebsberatung und Strukturförderung, auch nicht. „Sie ist zwar etwas kühler, aber immer noch warm und weiter positiv“, sagte er bei der Vorstellung der Jahreszahlen. Die kleine Delle liege vor allem an der Bewertung der aktuellen Geschäftslage, die etwas schlechter ausfalle als noch vor sechs Monaten. Die Erwartungen seien jedoch sehr gut.

Auch Kammerpräsident Reiner Möhle war zufrieden. Er hob unter anderem die Bedeutung des regionalen Handwerks für Niedersachsen hervor: 

„Unsere Region macht rund 10 Prozent des Handwerks in Niedersachen aus. Wir erwirtschaften jedoch 25 Prozent des Handwerksumsatzes.“


Auch die Betriebsstruktur unterscheidet sich. Im Durchschnitt hat ein Handwerksbetrieb im Kammerbezirk 14 Mitarbeiter. In Osnabrück selbst sind es mit 20 Mitarbeitern etwas mehr. Im Emsland liegt der Schnitt bei 15. In Hannover bei 8,6.

Auch beim Thema Ausbildung müssten sich die rund 10.600 Betriebe mit ihren fast 100.000 Mitarbeitern – 90 Prozent von ihnen in Betrieben mit Meisterpflicht – nicht verstecken. Über alle Lehrjahre hinweg lernen aktuell im Kammerbezirk 7000 junge Menschen einen Ausbildungsberuf. Schaut man sich die neu abgeschlossenen Lehrverhältnisse an, ergibt sich folgendes Bild:



Die derzeit auf Bundesebene anvisierte Mindestausbildungsvergütung von 515 Euro im ersten Lehrjahr bezeichnete Möhle als „moderaten Wert“. Davon betroffen wären die besonders beliebten Berufe allerdings nicht, ergänzte Ruschhaupt. Ihre Vergütung läge ohnehin über dieser Summe. Auch die durchschnittliche Ausbildungsvergütung im Kammerbezirk läge über diesem Wert. Besonders beliebt sind bei Frauen die Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk, Friseurin, Kauffrau für Büromanagement und etwas abgeschlagen dahinter Augenoptikerin und Tischlerin. Bei den Männern stehen Tischler, Metallbauer, Anlagenmechaniker SHK, Elektroniker und vor allem der Kraftfahrzeugmechatroniker ganz oben in der Rangliste.  

Doch gerade das Kfz-Handwerk zählt aktuell zu den Sorgenkindern des Handwerks. 27 Prozent der Befragten sehen laut aktueller Konjunkturumfrage eine Verschlechterung der aktuellen Geschäftssituation. Aber auch im Bau- und Ausbaugewerbe sahen einige Unternehmer die aktuelle Geschäftslage schwierig. Die durchschnittliche Auftragsreichweite im Handwerk liegt jedoch so hoch wie nie zuvor:



Zudem gab 50 Prozent der Betriebe gab an, zu 100 Prozent ausgelastet zu sein. Bei 34 Prozent liegt die Auslastung immer noch bei 90 bis 80 Prozent. Nur 16 Prozent der Befragten gaben weniger als 80 Prozent Auslastung an.

Was Beckmann zusätzlich positiv stimmt für die konjunkturelle Entwicklung: „Insgesamt 39 Prozent der befragten Unternehmen wollen erweitern. So viele waren es noch nie“, sagte er. Und was ihn persönlich freue: Man habe es geschafft, die Digitalisierung stärker in den Fokus zu rücken. In diesem Bereich wollen 36 Prozent der Betriebe investieren. Hier freue man sich auch über die Unterstützung vom Land, das einen Digitalbonus für Unternehmen ausschüttet. Für Investitionen zur Digitalisierung von Produkten, Dienstleistungen oder Prozesse können Unternehmen seit Sommer einen Zuschuss von bis zu 10.000 Euro erhalten. Insgesamt 15 Millionen Euro stelle die Landesregierung im Sinne der Mittelständler zur Verfügung, so Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann jüngst.

Sorge Nummer 1 der Handwerker in der Region bleibt der Fachkräftemangel. In den Fokus rückt für fast ein Viertel der Unternehmer jedoch auch die Regelung der Nachfolge. „23 Prozent sehen das als Herausforderung, das ist enorm viel“, sagte Beckmann. Der Wert liege auch höher als in anderen Kammern.


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