Konzert zur Woche der Brüderlichkeit Unbekannter Osnabrücker Komponist

Unbekannter Komponist: Zur Woche der Brüderlichkeit spielen Daniel Inbal und Kathrin Bogensberger im Konzert der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Osnabrück Werke von Lev Lessine. Foto: Swaantje HehmannUnbekannter Komponist: Zur Woche der Brüderlichkeit spielen Daniel Inbal und Kathrin Bogensberger im Konzert der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Osnabrück Werke von Lev Lessine. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Beim Konzert der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit stellten Daniel Inbal und seine Mitstreiter den Komponisten Lev Lessine vor, der bis zu seinem Tod 15 Jahre in Osnabrück lebte und komponierte.

„Er mochte diese Stadt. Er konnte hier 15 Jahre ruhig arbeiten und hat zwei Opern hier vollendet.“ Wie bitte? Galina Lessine spricht über ihren vor fünf Jahren hier in Osnabrück verstorbenen Ehemann, den Komponisten Lev Lessine, doch niemandem in der hiesigen professionellen Musikszene scheint sein Name jemals untergekommen zu sein. Sowohl der Musikhistoriker Professor Stefan Hanheide als auch Kapellmeister Daniel Inbal geben an, ihn bisher nicht gekannt zu haben. Am Sonntag aber traten beide im Konzert der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit auf, das Lessine gewidmet war. Zu verdanken ist das der Witwe Galina Lessine, und die meint denn auch, für sie sei das Konzert ein wichtiges Ereignis und verleiht ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die Musik ihres Mannes weiter leben und in Osnabrück erklingen werde, denn sie diene auch der Völkerverständigung.

Folkloristische Anklänge

Zunächst spielen Daniel Inbal und Kathrin Bogensberger Lessines Lied und Tanz im askenasischen Stil für Cello und Klavier, lyrisch-klagend und stark folkloristisch geprägt. Moderator Stefan Hanheide kann erklären, wie diese Wirkung entsteht, er nennt zum Beispiel sogenannte übermäßige Tonschritte. Später musiziert Daniel Inbal mit Gabriella Guilfoil Lessines Liederzyklus „Im September“, fünf recht schlichte und schwermütige Lieder auf russisch, diesmal zwar ohne folkloristische Anklänge, dafür aber klar in der Tradition seiner russischen Heimat, der Komponist stammte aus St. Petersburg, damals Leningrad.

Musik gegen Antisemitismus

Im Konzert, das anlässlich der Woche der Brüderlichkeit und deren Motto „Mensch, wo bist Du? Gemeinsam gegen Judenfeindschaft“ stattfand, wird Lessines Musik flankiert von zwei weiteren Komponisten mit jüdischen Wurzeln, Gustav Mahler und Felix Mendelssohn Bartholdy. Sein zweites Streichquartett in a-moll spielt das Athena Quartett, und dessen Wiedervereinigung nach fast zehn Jahren wird zum gelungenen Finale des Konzerts. Die vier Musikerinnen präsentieren einen sehr verspielten Ansatz, geprägt durch leichte Tongebung und sehr feines Piano, konsequent umgesetzt bis hin zum wunderbar verklärt klingenden Schluss.


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