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Ute Krugmann arbeitet als freiberufliche Modedesignerin Experimente im Strick-Labor

Ute Krugmann strickt in ihrem „Strick-Laboratorium“ einen Teppich. Die riesigen Woll-Knäule wurden extra auf Bestellung für sie angefertigt. Foto: Stefanie HiekmannUte Krugmann strickt in ihrem „Strick-Laboratorium“ einen Teppich. Die riesigen Woll-Knäule wurden extra auf Bestellung für sie angefertigt. Foto: Stefanie Hiekmann

Osnabrück. Dass sich ein Pullover, Mütze, Schal und Handschuhe in der hauseigenen Handarbeitsstube herstellen lassen, wird wohl niemanden verwundern. Doch ein gestrickter Kalender, gestrickte Teppiche, Bilderrahmen und Fußreflexzonen-Matten aus verstrickten und recyclten Plastiktüten dürften durchaus überraschen. Diese und ähnliche Dinge entstehen im „Strick-Laboratorium“ von Ute Krugmann. Die Osnabrückerin ist freiberufliche Designerin in der Mode-Industrie und entwickelt täglich neue Ideen mit Nadel und Faden.

„Strick-Laboratorium“ – was soll man sich darunter vorstellen? Hätte es nicht auch die gute alte Bezeichnung „Strick- oder Handarbeitsstube“ getan? Nein, im Falle von Ute Krugmann ist das „Laboratorium“ schon ganz richtig an seinem Platz. Denn die 55-Jährige strickt in ihrem Wohnzimmer nicht einfach vor sich hin, sie experimentiert und sucht ständig nach neuen Techniken und Materialien.

„Ich genieße es, kreativ zu sein“, sagt sie. Am liebsten greife sie dafür zu Stoffen, die man auf den ersten Blick gar nicht mit dem Stricken in Verbindung bringen würde. Plastiktüten zum Beispiel. Vor einiger Zeit hat Ute Krugmann sich einen Packen davon genommen, sie in dünne Streifen geschnitten und sich ihre Stricknadeln dazu geholt. Genauso wie sonst die Wolle hat sie jetzt die Streifen der recycelten Plastiktüten auf den Nadeln aufgenommen. „Das Stricken funktioniert genauso wie mit Wolle“, sagt Krugmann. Nach einigen Stunden war die „Fußreflexzonen-Matte“ fertig. Durch ihre haptische Struktur soll sie die Durchblutung fördern und für warme Füße sorgen. Das alles ist der Designerin aber erst nach der Fertigstellung aufgefallen: „Ich gehe gern ohne Plan an meine Arbeit heran.“ So sei das, was herauskommt, immer eine kleine Überraschung.

„Theoretisch könnte man ja auch mit Nudeln stricken“, bemerkt die Osnabrückerin, als sie von ihren Experimenten berichtet. Sicher wäre so ein Spaghetti-Teppich oder Makkaroni-Schal keine lang haltende Angelegenheit, aber dennoch ein interessanter Versuch, findet die Künstlerin.

Seit etwa einem Jahr baut sie die Tätigkeiten in ihrem hauseigenen „Strick-Laboratorium“ immer weiter aus. Es ist ihre Plattform, auf der sie sich kreativ entfaltet kann – ohne jegliche Vorgaben von außen. Das sieht in ihrem Haupterwerb ein wenig anders aus.

Denn die Osnabrückerin arbeitet für eine Firma, die Eigenmarkten – private Labels – für diverse Kaufhäuser und Firmen herstellt. „Mein Bereich ist die Damen-Strickmode“, sagt Krugmann. Das heißt, sie entwickelt neue Kollektionen, die nicht nur aus dem Schnitt bestehen, sondern auch Material, Farbe, Garnstärke, Muster und verwendete Stricktechnik. Sie reicht den Entwurf ein und begleitet anschließend auch den gesamten Herstellungsprozess, bis die Ware schließlich im Laden hängt.

Regelmäßige Messebesuche in Paris, Mailand und ähnlichen Modemetropolen sind dafür natürlich Pflicht. „Meine Aufgabe ist es dann, die überspitzten Darstellungen vom Laufsteg auf alltagstaugliche und altersgerechte Formen zu bringen“, erklärt die Designerin. Geht es beispielsweise um eine Jacke für ältere Frauen, könne man auf der nicht genauso viele Nieten und Knöpfe unterbringen wie auf einer Jacke, die für junge Frauen um die zwanzig gedacht ist. „Es muss immer passen“, so Krugmann.

Ursprünglich war sie im Werbebereich als Grafikdesignerin tätig. „Ich habe dann gemerkt, dass mir das Handwerk fehlt“, sagt sie. Schon im zarten Alter von vier Jahren hat sie von ihrer Mutter das Stricken gelernt, und nur wenig später fertigte sie sich ihre eigenen Pullover. „Ich war es einfach von klein auf gewohnt“, sagt sie und erklärt sich so auch ihre große Leidenschaft für die Strickerei.

Ihre Arbeit im „Strick-Laboratorium“ möchte sie in der nächsten Zeit noch weiter ausbauen. „Ich plane in Osnabrück sowohl Ausstellungen als auch Workshops“, sagt die Strickdesignerin. Möglicherweise auch in Kooperation mit anderen Osnabrücker Künstlern.

Weitere Informationen

auf der Internetseite von

Ute Krugmann:www.ute-krugmann.de


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