Versammlung des Bürgervereins Wohnungsnot: Schinkelaner fürchten neuen sozialen Brennpunkt

Bezahlbare Wohnungen ja, aber bitte keinen neuen sozialen Brennpunkt: Das wünscht sich der Bürgerverein Schinkel mit Blick auf ein geplantes Mega-Baugebiet am Hof Entrup. Unser Bild entstand im März 2017 am Sophienhof aus Anlass einer Bombenentschärfung. Foto: Michael GründelBezahlbare Wohnungen ja, aber bitte keinen neuen sozialen Brennpunkt: Das wünscht sich der Bürgerverein Schinkel mit Blick auf ein geplantes Mega-Baugebiet am Hof Entrup. Unser Bild entstand im März 2017 am Sophienhof aus Anlass einer Bombenentschärfung. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Eine Fläche, groß wie 24 Fußballfelder, spaltet die Gemüter im Osnabrücker Osten. Klar ist: Viele bezahlbare Wohnungen sollen am Hof Entrup gebaut werden. Doch das Vorhaben birgt Sprengstoff – sozial wie umweltpolitisch. Der Bürgerverein Schinkel von 1912 sieht bereits neue Probleme auf den Stadtteil zukommen.

Der Stadtteil Schinkel hat mit mancherlei Problemen zu kämpfen, aber dank seines rührigen Bürgervereins zugleich eine Institution, die Lösungen anschiebt. Das gilt für Fragen etwa des multikulturellen Zusammenlebens wie auch der städtebaulichen Entwicklung. Die Jahreshauptversammlung des Bürgervereins Schinkel von 1912 im Seniorenheim Haus Schinkel lieferte dafür zahlreiche Beispiele. 

17 Hektar Bauland mitten im Grünen Finger

Der Verein ist in der glücklichen Lage, mit Fachbereichsleiter Städtebau Franz Schürings einen Osnabrücker Verwaltungschef als Mitglied zu haben und so stets mit aktuellen Informationen aus seiner Abteilung versorgt zu werden. Diesmal gab Schürings einen Überblick über geplante Baugebiete im Stadtteil. Das mit 17 Hektar größte ist die Fläche Hof Entrup östlich des Schinkeler Friedhofs, das die Stadt von einer Erbengemeinschaft erwerben konnte. Es würde Osnabrück bei seinem strategischen Ziel, 3000 neue Wohnungen bis 2020 zu schaffen, ein großes Stück voranbringen. Schürings betonte, dass die Planungen noch nicht sehr weit gediehen seien, da noch Untersuchen zum Stadtklima und Artenschutz liefen. Die Sache sei nicht unumstritten, da die Fläche als Grüner Finger eine Frischluftschneise darstelle.

Foto: André Havergo


Stadtteil sorgt sich um Umwelt und Gesellschaft

Hierzu meldeten sich sogleich Anlieger aus der benachbarten Siedlung südlich des Weitkampwegs zu Wort. Das Stadtklima und das soziale Klima seien in Gefahr, wenn hier, wie zu hören, eine verdichtete Bebauung mit Sozialwohnungen entstehe. "Wir brauchen keinen weiteren sozialen Brennpunkt in Schinkel. Es geht nicht an, dass wieder mal der Schinkel herhalten muss, um die Wohnungsnot in Osnabrück zu bekämpfen", meinte ein Bürger. Ein anderer sagte, bei Einzel- und Reihenhäusern in aufgelockerte Bauweise bleibe der grüne Finger intakt. Ratsfrau Claudia Schiller (CDU) tat ihre Erwartung kund, dass es wohl zu einem Mix aus Einzel-, Reihen- und Mehrgeschosshäusern kommen werde. 

Fachbereichsleiter Schürings trat einem Missverständnis entgegen: 

"Bezahlbarer Wohnraum bedeutet ja nicht, dass hier nur Wohngeldbezieher oder Leute mit Wohnberechtigungsschein einziehen sollen. Es geht auch um die Krankenschwester und den Polizisten, die auf sozialverträgliche Mieten angewiesen sind."


Carsten Friderici als einer der beiden Vorsitzenden des Bürgervereins bat Politik und Verwaltung, den Wunsch der Versammlung mitzunehmen, dass Sozialwohnungen nur eingestreut innerhalb einer Mischung der Bauweisen vorgesehen werden sollten, damit eben nicht ein neuer sozialer Brennpunkt mit allen bekannten Problemen entstehe.

Keine neue Brücke an der Hamburger Straße vor 2022

Als weitere Baugebiete mit ebenfalls noch nicht sehr weit fortgeschrittener Planungsreife stellte Schürings das Gebiet rund um das Schinkelbad vor sowie weiterhin die Trasse der früher geplanten Mittleren Verbindung Ost parallel zur Weberstraße und die als "Zirkuswiese" geläufige Freifläche nordwestlich der Kreuzung Tannenburgstraße/Weberstraße. Zum Dauerthema "Neubau Brücke Hamburger Straße" hatte er immerhin die gute Nachricht im Gepäck, dass die Stadt nach langem Rechtsstreit nun über die erforderliche Grundfläche verfüge und die Baupläne fix und fertig parat lägen. Bei der Bahn seien sogenannte Sperrpausen beantragt. Diese während der Bauphase notwendigen Verkehrsunterbrechungen bräuchten einen Vorlauf von drei Jahren. Folglich sei mit einem Baubeginn nicht vor 2022 zu rechnen. "Wir können nur hoffen, dass die alte Brücke auch so lange hält", meinte Schürings.

Foto: Gert Westdörp


Bürgerverein Schinkel einer der aktivsten in Osnabrück

Vorstandsmitglied Harald Heine gab einen Ausblick auf die Jahresfahrt 2019, die am 18. Mai nach Warendorf (Landgestüt), Oelde (Pott’s Brauerei) und Bad Salzuflen führen wird. Noch seien Plätze frei. 

Aus dem Jahresbericht des Co-Vorsitzenden Friderici ließ sich ablesen, dass der Schinkeler zu den aktivsten Bürgervereinen der Stadt gehört. Zu den zwei im Berichtszeitraum liegenden Bürgerforen formulierte der Verein eine Vielzahl von Bürgeranliegen und vertrat sie engagiert gegenüber der Verwaltung. Beim Stadtputztag war er mit mehreren Kolonnen vertreten, gestaltete den 52. Schinkelgang und den Volkstrauertag im Stadtteil mit, pflegte die multikulturelle Nachbarschaft mit einem Besuch der Fatih-Camii-Moschee in der Schützenstraße und förderte das Begegnungsfest "Schinkel isst bunt". Der Verein konnte seine Mitgliederzahl mit 458 in etwa konstant halten und solide Finanzen vorlegen – mit dem Höhepunkt eines heftig beklatschten Zinsertrages von sieben Cent.

Schinkellok frühestens in drei Jahren fertig restauriert

Streicheleinheiten für die Eisenbahner-Seele vieler Schinkeler lieferte Dampflokfreund Bernhard Kovermann mit seinem Vortrag über die Restaurierung der "Schinkellok" 41 052. Als Lokdenkmal stand sie 22 Jahre lang an der Buerschen Straße – Ausdruck der Verbundenheit des Stadtteils mit der Bahn. Dann kam der Neubau des Seniorenheims Haus Schinkel, und die Lok musste weichen. "Zum Glück haben die Dampflokfreunde vom Piesberg die Lok aufgefangen und für uns gerettet", sagte Friderici. Kovermann erläuterte den enormen Arbeitsumfang und die hohen Kosten für Fremdleistungen. Da sehr viel von Vereinsmitgliedern ehrenamtlich geleistet werde, brauche die Restaurierung ihre Zeit. "Sicherlich wird es noch drei Jahre dauern, bis wir ‚Dampf auf!‘ machen können", prophezeite Kovermann.

Foto: Swaantje Hehmann



Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN