Konzerte im Dom und Nussbaum-Haus Stabat mater x 2

Die Stabat Mater von Peter Cornelius im Osnabrücker Dom. Foto: Swaantje HehmannDie Stabat Mater von Peter Cornelius im Osnabrücker Dom. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Fast zeitgleich wurden am Samstag in Osnabrück zwei Stabat mater-Vertonungen gespielt: Von Arvo Pärt im Felix-Nussbaum-Haus, von Peter Cornelius im Dom.

Eigentlich ist dies kein Wandelkonzert, für eine der beiden Stabat mater-Vertonungen musste man sich am Samstag entscheiden. Es sei denn, man ist Rezensent für beides.

Im Nussbaum-Haus gibt es zunächst ein Renaissance-Stück von Francisco Guerrero, dann ein Solo der Cellistin Martha Bijlsma von Peteris Vasks, bei dem sie zweistimmig spielt und dazu noch auf Vokalise singt, schließlich einen Film der Lyrikerin Nora Gomringer, der sich mit der Auferstehung beschäftigt, allerdings inhaltlich so offen, dass sich jeder seinen eigenen Reim darauf machen kann und soll.

Überdrehter Klang

Dann also Arvo Pärt. Den Text des Stabat mater hat das Publikum weder auf Latein noch in deutscher Übersetzung, doch um so meditativer wirkt die Musik. Das ganz besonders bei den drei Streichern des Hannoveraner Flex-Ensembles, die in den getragenen und sparsam gesetzten Klängen ungemein stimmungsvoll agieren. Die drei Sänger von der Staatsoper Hannover allerdings singen überraschend laut und massiv, oft auch mit viel Vibrato, von der zu erwartenden Schlichtheit ist das weit entfernt. Man kann das so und so empfinden, nämlich entweder als besonders expressiv, schließlich geht es im Stabat mater um die Qual Marias, die ihren Sohn am Kreuz sterben sieht. Oder aber, auf gut deutsch, als ziemliche Brüllerei, zumal in dieser Saalakustik. Differenzieren kann man auch: Tenor Uwe Gottswinter und Altistin Marlene Gaßner bleiben noch im Rahmen, Sopranistin Ania Vegry schießt über das Ziel hinaus.

Alternative Passion: "imPULS II. Easter Transformations" mit Arvo Pärt. Akustisch war der Gesang drüber für das Felix-Nussbaum-Haus . Foto: Swaantje Hehmann


Pärts Stabat mater endet schließlich ganz friedvoll in den Streichern, nun also schnell den Drahtesel losgebunden und hinüber zum Dom, denn dort hat das Konzert schon vor einer halben Stunde begonnen. Über den Kreuzgang und durch die Seitentür hineingeschlichen, so war es vorher abgesprochen. Der einleitende Haydn ist natürlich schon vorüber, ebenso die ersten Sätze der Komposition von Peter Cornelius, aber eine halbe Stunde bleibt noch. Just singen und spielen die Chöre am Dom und das Kourion-Orchester Münster „vidit Jesum in tormentis“, das Ende des vierten von zehn Sätzen.

Kontrastprogramm im Dom

Als nächste ist die Sopranistin an der Reihe. Sieh an, wie wunderbar zart das klingen kann, ein enormer Kontrast zum gerade Gehörten. Anna-Sophie Brosig dreht dann aber schnell auch mächtig auf – der Dom allerdings verträgt das. Dann der Chor a-cappella: sicher und mit Ausdruck, ruhig geführt von Chordirektor Clemens Breitschaft. Das Solistenquartett (Anna-Sophie Brosig, Katarina Morfa, Oliver Kringel, Daniel Pohnert) ist leider nur noch einmal dran, harmoniert dabei aber gut miteinander, und schließlich beenden die Musiker ihren Cornelius effektvoll, mit kraftvollem Chor- und Orchesterglanz.


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