Intime Atmosphäre Amy Macdonald in der ausverkauften Osnabrückhalle "unplugged"

Sing vor ausverkauftem Haus in der Osnabrück-Halle: Amy MacDonald. Foto: Swaantje HehmannSing vor ausverkauftem Haus in der Osnabrück-Halle: Amy MacDonald. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Amy Macdonald startete in Osnabrück ihre Deutschlandtournee. Obwohl der Europasaal restlos ausverkauft war, entstand anlässlich des „Woman oft he World“-Konzerts im Unplugged-Modus eine persönliche Atmosphäre.

Sehr persönlich geht es im Europasaal der Osnabrückhalle zu: „Warum ist dein Haar jetzt blond?“ fragt ein Besucher zwischen zwei Songs die Sängerin auf der Bühne. Amy Macdonald reagiert prompt: „Mein dunkles Haar fing an, grau zu werden, daher habe ich mich entschieden, es mal mit blond zu probieren“, sagt die Schottin. Man ist geneigt, der Musikerin zu glauben, dass sie bereits im Alter von 30 Jahren Probleme mit grauen Haaren hat. Nicht, weil sie allgemein den Eindruck erweckt, der Zahn der Zeit fresse an ihr. Nein, ganz bestimmt nicht. Aber Amy Macdonald macht da auf der Bühne einfach einen ehrlichen, ungekünstelten, Eindruck.

Neues Erscheinungsbild

Vollkommen ausverkauft ist der bestuhlte Europasaal anlässlich des Konzerts, das unter dem Motto „Woman oft he World“ steht und ein Konzept verfolgt, das von dem Musikfernsehsender MTV unter dem Namen „Unplugged“ bekannt gemacht wurde: Statt von einer elektrisch auftrumpfenden Band wird Amy Macdonald von Musikern begleitet, die fast nur akustische Instrumente mitgebracht haben. Damit verpassen sie den bekanntesten Songs der Sängerin ein ganz neues Erscheinungsbild. Ein Cello, eine Violine und ein Kontrabass sorgen für Streicheratmosphäre, mit einer Cajon oder einem kleinen Schlagzeug generiert der Pianist bisweilen eine dezente Rhythmusbasis und natürlich sind auch die Gitarren akustisch. So auch die Sechssaitige, die sich die Sängerin selbst umhängt, um beispielsweise „This Is The Life“ zu singen, diesen Riesenhit, der die Autodidaktin 2008 schlagartig weltberühmt machte. Viele Songs von ihrem Debütalbum, von dem sie mehr als sechs Millionen Exemplare verkaufte, stehen jetzt auf der Setliste, aber auch jüngere wie das kritische Lied „The Rise & The Fall“.

Foto: Swaantje Hehmann


Das Unplugged-Gewand steht den Songs der Schottin, die immer schon einen folkig-countryesken Touch hatten, ausgesprochen gut. Balladen, nur begleitet von Violine oder Piano, gehen unter die Haut, unbeschwert-heiteres Sing-a-Long dagegen animiert die Zuschauer, von ihren Stühlen aufzustehen und begeistert die Hüften zu schwingen. Es sind aber nicht nur die großartigen Songs und die starke, charakteristische Stimme der Britin, die das Konzert zu einem fantastischen Erlebnis machen, auch ihre ungemein sympathische Art trägt dazu bei. Dabei wird Amy Macdonald von einem ausgeprägten Mitteilungsbedürfnis getrieben.

Gegen Trump und den Brexit

Da erzählt sie in breitestem schottischem Akzent, dass sie am Vorabend in Paris aufgetreten ist, dann den Tourbus bestiegen hat, um in Osnabrück aufzuwachen. „Guten Abend, Osnabrück!“, ruft sie ihren Fans zu, offenbar froh, hier so herzlich zu ihrem Tourstart in Deutschland begrüßt zu werden. Zum Song „Pride“ erzählt sie, dass sie stolz auf ihre schottischen Wurzeln sei. Später wettert sie gegen den Brexit und Politiker wie Donald Trump. Andererseits scheint sie ein Familienmensch zu sein. Sie charakterisiert ihre Mutter als Pessimistin und betrauert in dem berührenden Lied „Left That Body Long Ago“ ihre verstorbene Großmutter. So rundet sich der Eindruck ab, dass Amy Macdonald Musik macht, um viel von sich erzählen zu können, in Worten und in wundervollen Songs.


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