Am Rosenplatz in Osnabrück Ein Bahnhof, der nicht mit dem Auto erreichbar ist?

Foto/Grafik: Gert Westdörp/Sascha NabrotzkyFoto/Grafik: Gert Westdörp/Sascha Nabrotzky

Osnabrück. Der geplante Bahnhalt am Rosenplatz in Osnabrück wird zur verkehrspolitischen Grundsatzfrage: Soll der künftige Minibahnhof für Autofahrer erreichbar sein oder der enge Vorplatz lieber für Radstellplätze genutzt werden. Ein Bahnhof ohne Straßenanschluss – geht das überhaupt?

An der Haltestelle soll dereinst der Haller Willem halten. Die Station trägt zwar den Namen Rosenplatz, ist von diesem aber mehr als einen Steinwurf entfernt. Sie soll etwa in der Mitte zwischen Sutthauser Straße und Iburger Straße entstehen. In der vergangenen Woche haben das niedersächsische Verkehrsministerium, die Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) und die Deutsche Bahn einen Rahmenvertrag unterzeichnet, der auch den Haltepunkt Rosenplatz enthält, wie die Landtagsabgeordnete Anette Meyer zu Strohen mitteilte.

Wer wird den Haltepunkt nutzen? 

Die LNVG hatte den Haltepunkt Rosenplatz zusammen mit 40 weiteren Projekten in Niedersachsen positiv bewertet. Siedlungsdichte, technische Machbarkeit und eine hohe Zahl von potenziellen Nutzern sprächen dafür. Die Verkehrsplaner haben dabei auch die Schüler der Berufsbildenden Schule an der Brinkstraße im Auge, die es vom Haltepunkt bis zur Schule nicht weit hätten und zum Umstieg vom Auto auf die Bahn animiert werden sollen.

Damit sind wir bei der Frage, die auch den Stadtentwicklungsausschuss in seiner jüngsten Sitzung bewegte: Für wen ist der Haltepunkt eigentlich gedacht? Muss er zwingend mit dem Auto direkt erreichbar sein oder sollte der knappe Raum besser für eine Radstation genutzt werden? 

Keine Stellplätze vor dem Bahnhof

Von der Sutthauser Straße führt heute ein schmaler Unterhaltungsweg am Fuße des Bahndamms entlang. Über den 3,50 Meter breiten Weg sind auch einige private Garagen erreichbar. Die von der Verwaltung favorisierte Variante sieht einen Ausbau dieses Unterhaltungsweges vor, damit Autofahrer von der Sutthauser Straße zum Bahnhalt vorfahren können. Vor dem Bahnhof ist ein Wendekreis geplant. Damit sich Autos auf der Zufahrt begegnen können, muss der Bahndamm angeschnitten und mit einer Betonmauer abgestützt werden. Unklar ist, ob die Bahn AG das mitmacht.  

Zusätzlich soll nach Vorstellungen des Bauamtes eine zweite Zufahrt von der Wörthstraße ermöglicht werden, damit Taxen, Rettungsdienste und Menschen mit Behinderung den Halt problemlos ansteuern können. Die dafür benötigten Grundstücke sind allerdings nicht in Besitz der Stadt. Von der Iburger Straße aus sollen Fußgänger den Bahnhalt über einen aufgeständerten Weg (nach Vorbild des Haseuferweges) erreichen können. 

Die Gesamtkosten beziffern die Planer auf 6,1 Millionen Euro. 1,5 Millionen Euro stünden als Zuschuss des Landes zur Verfügung. 

Daneben hat die Verwaltung zwei weitere Varianten vorgelegt. Die eine verzichtet auf die zweite Zufahrt über die Wörthstraße, die andere kommt ganz ohne Autovorfahrt aus und sieht Taxistand und Behindertenstellplätze an der Stutthauser Straße vor. Diese Varianten wären für vier bis fünf Millionen Euro zu haben – bei gleichem Landeszuschuss von 1,5 Millionen Euro.

Viel zu wenig Platz für Fahrräder? 

Im Stadtentwicklungsausschuss bildete sich eine rot-grüne Koalition gegen den autogerechten Bahnhalt. Michael Kopatz (Grüne), Heiko Panzer (SPD) und Jens Meier (hinzugewähltes Mitglied) warnten eindringlich, dass die angedachten 70 Fahrradplätze in der Mobilstation nicht ausreichten. "Man muss sich ja nur den Altstadt-Bahnhof angucken", sagte Kopatz. Der Platz für Fahrräder reiche vorne und hinten nicht. Das Chaos vor dem Hauptbahnhof sei ja auch hinreichend bekannt. Kopatz forderte, "mindestens die vierfache Zahl von Fahrradstellplätzen" einzuplanen.

Panzer sagte, wer mit dem Auto zum Zug gebracht werden wolle, nutze den Hauptbahnhof. Die Haltestelle Rosenplatz habe eine andere Funktion. "Der ist für Schüler und Berufspendler, die aufs Rad umsteigen oder von dort zu Fuß gehen." Daher sei die breite Straße mit Wendekreis nicht zwingend nötig.  

Stadtbaurat Frank Otte widersprach. Der Bahnhalt brauche eine Autozufahrt – auch für Gehbehinderte und für Frauen, die sich abends abholen lassen wollten. Anette Meyer zu Strohen (CDU) wies darauf hin, dass keine Autostellplätze vorgesehen seien. Das Prinzip sei: vorfahren, aussteigen lassen, wegfahren.

Der Ausschuss brachte unterstützte grundsätzlich die Planung, wüsnch tsich aber Nachbesserungen. Die Planer sollen sich noch einmal Gedanken machen, wie deutlich mehr Fahrradständer auf dem engen Raum untergebracht werden können. 

Viel Zeit bleibt nicht. Die Stadt muss der Bahn bis zum Sommer die Pläne vorlegen und Sperrpausen beantragen, in denen keine Züge fahren und die Bauarbeiter ans Werk gehen können. Die Bahn braucht drei Jahre Vorlaufzeit, um die Sperrpausen in den Fahrplan einzuflechten. Nach dem Zeitplan der Stadt soll am Jahreswechsel 2019/2020 das Planfestellungsverfahren eingeleitet werden. Wenn alles glatt läuft, können im Dezember 2022 erstmals Fahrgäste am Halt Rosenplatz ein- und aussteigen. Ob sie mit dem Auto hingebracht werden können, ist noch nicht endgültig entschieden.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN