Chef von Coffee-Bike und myChoco Wie aus "Kaffee-Tobi" ein erfolgreicher Osnabrücker Unternehmer wurde

Tobias Zimmer führt bereits mit 33 Jahren zwei erfolgreiche Osnabrücker Unternehmen: das Coffee-Bike und myChoco. Foto: Gert WestdörpTobias Zimmer führt bereits mit 33 Jahren zwei erfolgreiche Osnabrücker Unternehmen: das Coffee-Bike und myChoco. Foto: Gert Westdörp 

Osnabrück. Tobias Zimmer führt bereits mit 33 Jahren zwei erfolgreiche Osnabrücker Unternehmen: das Coffee-Bike und myChoco. Mehr als 50 Angestellte arbeiten für ihn. Was reizt den gebürtigen Bissendorfer daran, Unternehmen zu gründen?

Neun Jahre ist es her, dass Tobias Zimmer und sein Schulfreund Jan Sander das Franchiseunternehmen Coffee-Bike gegründet haben. Mittlerweile ist auch das Start-Up myChoco dazugekommen, das sieben Schokoladensorten anbietet. Bis zum heutigen Erfolg der Unternehmen war es ein langer und teilweise mühseliger Weg.

Foto: Gert Westdörp

Alles begann mit einem Urlaub in Dänemark: Zimmer und Sander hatten dort die Idee für eine mobile Kaffeebar. Im Norden sind Kaffee-Verkaufsstellen verbreitet. So kamen die beiden zu ihrer Geschäftsidee: Mit einem Lastenfahrrad, auf dem sich eine hochwertige Kaffemaschine befindet, steuert ein Franchisenehmer belebte Orte an und verkauft dort Kaffee. Den Kaffee, die Becher und natürlich die Lastenräder beziehen die Franchisenehmer von Coffee-Bike. Das Unternehmen bezieht wiederum eine Abgabe pro verkaufter Tasse.

Die Unternehmensgründung begann mit zwei Coffee-Bikes in Osnabrück und Hannover. Mittlerweile rollen über 250 Fahrräder durch 17 Länder weltweit – unter anderem durch Großbritannien, Rumänien und die Niederlande. Anfang 2016 kam dann das Start-up myChoco dazu, das seine Schokoladensorten in den gängigen Supermärkten bundesweit und auch im eigenen Onlineshop vertreibt. Außerdem betreibt Zimmer das Waffle-Bike, das belgische Waffeln sowie Toppings und Beilagen verkauft. An den Start-Ups ist auch der Osnabrücker Süßwarenhersteller Windel beteiligt. 

Tipps für Jungunternehmer

Jan Sander ist 2016 aus den Unternehmen ausgestiegen. Zimmer führt seitdem die Geschäfte alleine weiter. Die Begeisterung für Unternehmensgründung hatte der gebürtige Bissendorfer bereits in seinem BWL-Studium: "Mit dem Unternehmertum konnte ich mich am meisten identifizieren. Ich fand es inspirierend mit Leuten zu sprechen, die ein Start-Up gegründet haben. Sie waren Vorbilder für mich und haben mir Mut gemacht", erzählt Zimmer. Immer noch steht er mit Kommilitonen in Kontakt, die auch eigene Start-Ups gegründet haben und tauscht sich mit ihnen aus. Der 33-Jährige weiß, worauf es bei einer Unternehmensgründung ankommt und kann heuteJungunternehmern Tipps geben:

Unternehmerisches Geschick zeigte Zimmer bereits als Jugendlicher: "Mit vier Jahren habe ich mir von meinen Eltern zwei Hühner gewünscht. Ich habe die Eier verkauft und kalkuliert, wie viel Futter die Hühner brauchen, und das Futter eingekauft. Mit sieben Jahren hatte ich dann ungefähr 50 Hühner", erinnert er sich. Mit 17 Jahren verkaufte er für eine Provision Sachen für andere Leute bei der Online-Plattform Ebay. 

Nach dem Abitur am Osnabrücker Graf-Stauffenberg-Gymnasium lernte Zimmer an einer Wirtschaftsschule in Leipzig, absolvierte Auslandssemester in New York und Südkorea. Der Anfang der Unternehmensgründung von Coffee-Bike führte Zimmer dann aber erst einmal zu den Wochenmärkten nach Hannover. Hier kam das Kaffeefahrrad zum Einsatz: "Wir haben das Fahrrad an der Basis ausprobiert – am frühen Morgen im Winter. Auf diese Weise haben wir auch gesehen, mit welchen Problemen mögliche Franchisenehmer umgehen müssen", sagt Zimmer. 

Nicht alles lief dabei glatt: "Zuerst hatten wir gar keine Kunden. Als dann doch endlich jemand bei uns Kaffee kaufen wollte, war unsere Kaffeemaschine eingefroren", sagt Zimmer und schmunzelt über die Zeit. Lösungen für zahlreiche Probleme mussten gefunden, Konzepte für das Franchiseunternehmen entwickelt werden – eine Zeit, in der Zimmer auch gezweifelt hat:

"Auf dem Wochenmarkt geben sich die Standbetreiber Spitznamen aus dem Produkt, das sie verkaufen, und dem eigenen Vornamen. Und so stand ich da – Kaffee-Tobi zwischen Kartoffel-Günther und Eier-Klaus: Ich habe nicht gedacht, dass der Aufbau einer großen Kaffeemarke so aussehen wird." Tobias Zimmer

Die Arbeit auf dem Wochenmarkt hat Zimmer bis heute als eine harte Zeit in Erinnerung und zieht seinen Hut vor den Standbetreibern: "Ich habe großen Respekt vor der Arbeit, die sie machen." Das Durchhalten hat sich ausgezahlt. Immer mehr Anfragen von Franchisenehmern erreichten Zimmer, immer mehr Kaffeefahrräder kamen hinzu und 2013 war das Coffee-Bike schließlich international unterwegs. "Vieles war auch learning-by-doing", sagt Zimmer. 

Heute ist der Arbeitsort des 33-Jährigen ein Geschäftsgebäude am Osnabrücker Hafen. Hier liegt der Firmensitz vom Coffee-Bike, myChoco und Waffle-Bike. Die Stimmung zwischen Mitarbeitern und Chef ist locker, man duzt sich. Das Team ist noch jung, die Mitarbeiter zwischen 20 und 35 Jahre alt. Im Obergeschoss arbeiten die Angestellten in ihren Büros. Im Ergeschoss schrauben Mitarbeiter die Coffee-Bikes für ihren Einsatz in den  Fußgängerzonen zusammen.

Im anderen Raum liegen zahlreiche myChoco-Tafeln, die von hier aus zu den Kunden verschickt werden. Im Unternehmenssitz testen die Mitarbeiter auch neue Schokoladensorten. "Wir haben die Sorten alle selber entwickelt", sagt Zimmer. 

MyChoco will sich von anderen Schokoladenmarken absetzen – auch durch außergewöhnliche Sorten wie Karamell-Meersalz oder Popcorn: 

"Wir wollen die jungen Wilden der Schokoladenbranche sein."

Die Marke soll vor allem digital aufgebaut werden, bei der Werbung wird auch viel mit Influencerngearbeitet. Das Motto der Schokolade: genieße, teile, lebe. Vor allem das Teilen liegt Zimmer am Herzen. Die Firma  unterstützt Hilfsprojekte in Tansania. "Wir beziehen die Schokolade teilweise aus Tansania, da war es naheliegend, dass wir vor Ort auch direkte Entwicklungshilfe leisten wollen", erklärt Zimmer. 

Nach drei Start-Ups ist Zimmer immer noch hungrig: "Unternehmen zu gründen, ist wie eine Sucht." Was ihm dabei besonders gefällt? "Die Entwicklung des Unternehmens und auch die der Mitarbeiter. Es ist toll, junge Menschen wachsen zu sehen", sagt Zimmer. Zu seinen größten Erfolgen zählt er unter anderem die Auslieferung des 250. Coffee-Bikes und eine Niederlassung in England. 

"Momentan konzentriere ich mich darauf, myChoco zum Fliegen zu bringen, damit das Start-Up von selber läuft und ich auch mehr Verantwortung abgeben kann", sagt Zimmer. "Mein Traum ist es einmal, mit einem Bulli durch Neuseeland zu fahren und dort in einem Geschäft, eine Tafel unserer Schokolade zu entdecken."

Foto: Gert Westdörp



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