23-Jähriger überzeugt Jury im Theater Joschka Brings aus Hiddenhausen gewinnt Songslam-Finale

Harte Stimme, weiche Töne: Joschka Brings aus Hiddenhausen entschied das Songslam-Finale für sich. Foto: André HavergoHarte Stimme, weiche Töne: Joschka Brings aus Hiddenhausen entschied das Songslam-Finale für sich. Foto: André Havergo

Osnabrück. Im Finale des Osnabrücker Songslams traten im ausverkauften Theater am Domhof elf Musiker gegeneinander an, die sich zuvor in vier Vorrunden in der Lagerhalle dafür qualifiziert hatten.

Seine Stimme klingt verraucht und whiskygeschwängert. Aber Joschka Brings versichert, noch nie in seinem Leben Alkohol getrunken zu haben. Wie kann das also möglich sein? Ganz einfach: Der bärtige Brachial-Barde aus Hiddenhausen ist seit zehn Jahren auch als sogenannter Shouter in einer Hardcoreband tätig – und da habe er „gelernt, seine Stimme zu benutzen“, verrät der 23-jährige Songwriter, der gerade das Osnabrücker Songslam-Finale 2019 im restlos ausverkauften Theater am Domhof gewonnen hat.

Bereits im letzten Jahr hatte er sich dafür qualifiziert, weilte aber am Finaltermin außer Landes. Umso mehr empfindet er es als „späte Genugtuung“, sich nun sogar gegen die größere Konkurrenz durchgesetzt zu haben – obwohl er „eigentlich lieber ohne Wettbewerb unterwegs“ ist. Seinen Tourdaten kann er demnächst einen weiteren Termin in Osnabrück hinzufügen. Denn als Gewinner des Songslams erhält er einen Solo-Auftritt in der Lagerhalle – neben einem Pokal und einer Flasche Champagner, über die sich seine Mutter freuen wird. 

Raumfüllende Stimme

Im ersten Durchgang des Finales überraschte Joschka Brings das bunt gemischte Publikum, indem er mutig einen gerade erst geschriebenen, noch titellosen Power-Song „ohne Intro und zweite Strophe“ zum Besten gab. Er handelt darüber, dass man im Leben manchmal Entscheidungshilfen benötigt, verriet er, obwohl er auch deswegen ausschließlich auf Englisch singt, weil er sich nicht „zu nackt“ zeigen möchte.

Der zufällig ausgewählten, zwölfköpfigen Publikumsjury, die Wertungen zwischen Eins und Zehn vergeben konnte, erleichterte er die Entscheidung, als er im Theatersaal einmal auch ganz ohne Mikrofonverstärkung unter Beweis stellte, wie raumeinnehmend seine kraftstrotzende Stimme ist. So durfte er nach der Pause nochmal ran, setzte sich diesmal ans Klavier, um deutlich ruhiger, aber mit nicht weniger stimmlichen Akzenten „Plans“ zu präsentieren – ein diesmal fertiger Song über die Möglichkeit, eben auch planlos glücklich zu werden. 

Die Songauswahl spiegelte auch Joschka Brings' persönlichen Musikgeschmack wider. Denn mit „normalem Radiorock“ kann er wenig anfangen: „Entweder ganz hart oder ganz soft“, sagt ein Mann, der offenbar die Extreme liebt. 

Filigranes Saitenspiel

Die ganze Bandbreite seiner Songwriting-Kunst zeigte auch Isaak Guderian aus Minden, der ebenfalls mit kraftvollem Timbre und einmal langsam am Klavier und einmal schnell an der Gitarre die Juroren überzeugte. Den zweiten Platz musste er sich am Ende teilen mit Christina Fiebig alias Feebee aus Bramsche, die unerschrocken einmal auf Englisch mit „Beautiful Mind“ für mehr „Body Positivity“ und einmal auf Deutsch mit „Wir gegen den Rest der Welt“ für den Genuss des Moments plädierte. Als bester Gitarrist des Abends erwies sich Azim Becker aus Osnabrück. Mit verspielt filigranem, fingerfertigem Saitenspiel schaffte es der Lokalmatador in die Runde der letzten Fünf – als einziger, bei dem nicht die Stimme, sondern das Instrument im Vordergrund stand.


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