Gedichtvertonungen am Samstag Zwei mal Stabat mater parallel in Osnabrück

Das Streichtrio Flex Ensemble spielt die Arvo-Pärt-Vertonung von Stabat mater im Felix-Nussbaum-Haus. Foto: Zuzanna SpecjalDas Streichtrio Flex Ensemble spielt die Arvo-Pärt-Vertonung von Stabat mater im Felix-Nussbaum-Haus. Foto: Zuzanna Specjal

Osnabrück. Freunde von Stabat mater haben am kommenden Samstag die Qual der Wahl: Zeitgleich werden im Dom und dem Felix-Nussbaum-Haus zwei sehr unterschiedliche Vertonungen des mittelalterlichen Gedichts aufgeführt.

In Stabat mater geht es um die Trauer der "schmerzerfüllten Mutter" Maria um den gekreuzigten Jesus. Der Verfasser des Gedichtes ist unklar, es ist jedoch von vielen bekannten klassischen Komponisten vertont worden.

Im Dom steht die Version des Romantikers Peter Cornelius auf dem Programm, knapp 50 Minuten Musik für Soli, Männerchor, gemischtem Chor und Orchester. Domchordirektor Clemens Breitschaft leitet die Aufführung mit den Chören am Dom und dem Kourion-Orchester aus Münster. Die Komposition entstand 1849, noch bevor der erst 24-jährige Cornelius seinen späteren Lehrer Franz Liszt kennen lernte. Dem Werk wird große Originalität bescheinigt, da Cornelius kreativ mit der Besetzung umgeht: Ein Duett von Sopran und Bass wird mit Solocello begleitet, der Chor singt mehrfach im an die Renaissance angelehnten A-cappella-Stil.

Vertonung von Arvo Pärt

Noch weiter als Peter Cornelius ging allerdings im Jahr 1985 der estnische Komponist Arvo Pärt, dessen Stabat mater für Streichtrio, Sopran, Alt und Tenor zeitgleich im Felix-Nussbaum-Haus erklingt. Sänger der Staatsoper Hannover musizieren dort mit dem Flex-Ensemble. Die Musiker leben in Hannover, haben sich dort im Studium kennen gelernt und spielen seit 2012 zusammen.

Die Cellistin Martha Bijlsma erläutert die besondere Ausrichtung des Ensembles: „Wir spielen nicht nur die bekannten Werke, sondern auch unbekannte oder geben neue in Auftrag. Außerdem kombinieren wir in unseren Konzerten Musik mit Tanz, Literatur oder Videokunst.“ So auch diesmal: Zur Musik Pärts wird die Schriftstellerin Nora Gomringer eigene Texte präsentieren. Sie ist dabei nicht persönlich anwesend, sondern hat einen Film produziert. Außerdem ist dem Ensemble auch die Verbindung zu Architektur und Kunstwerken des Nussbaum-Hauses wichtig. „Es ist gedacht als alternative Ostererfahrung“, sagt Martha Bijlsma, Nora Gomringers Texte seien quasi der Ersatz für eine Predigt. Für diese Form der Auseinandersetzung mit Passion und Ostern müsse man dann auch nicht in eine Kirche gehen.

Musik steht für sich

Pärts Musik bleibe in diesem Konzept unangetastet, so Martha Bijlsma: „Das ist eine halbe Stunde Musik, und das werden wir auch nicht unterbrechen, weil da einfach eine Geschichte erzählt wird, und die Spannung der Musik möchten wir erhalten.“ Mit Arvo Pärt und Nora Gomringer hofft das Flex Ensemble ein Publikum anzusprechen, „das neugierig ist auf etwas anderes“.

Pärts Musik beschreibt Martha Bijlsma wegen der kleinen Besetzung als sehr intim. „Es ist eine sehr pure Musik. Sie ist nicht überwältigend wie zum Beispiel in einem Symphoniekonzert, sondern hat sehr einfache, aber interessante Strukturen. Sie bietet die Möglichkeit, einzutauchen.“

Die Konzerte: Samstag, 30. März, 19 Uhr im Felix-Nussbaum-Haus und 19.30 Uhr im Dom.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN