Turbulenter Prozessauftakt Nokta-Brandstiftung: Angeklagter aus Umfeld der Lebensquelle vor Gericht

Der eigentliche Prozessauftakt vergangene Woche: Da der Angeklagte nicht erschienen war, musste der Termin verschoben werden. Foto: David EbenerDer eigentliche Prozessauftakt vergangene Woche: Da der Angeklagte nicht erschienen war, musste der Termin verschoben werden. Foto: David Ebener

Osnabrück. Vor dem Amtsgericht hat am Montag der Prozess gegen einen 36-jährigen Osnabrücker begonnen, der im Januar 2018 das Restaurant Nokta am Güterbahnhof angezündet haben soll. Doch um ihn ging es zum Prozessauftakt kaum, sondern vielmehr um den Streit zwischen dem Nokta und der Lebensquelle. Denn der Angeklagte kommt aus dem Umfeld dieser Freikirche, der das Gebäude gehört.

Im Januar 2018 war das Nokta von Natalia Bassauer und ihrem Partner Sedat Müstak in Flammen aufgegangen. Die Ermittlungen zeigten: Es war Brandstiftung. Der 36-jährige Angeklagte hatte zunächst Nokta-Geschäftsführer Müstak belastet, doch dann geriet der Angeklagte selbst in Visier der Ermittler. Er soll, so die Anklage, in das Restaurant eingebrochen sein und an drei Stellen Feuer mit Hilfe eines Brandbeschleunigers gelegt haben. Es entstand ein Sachschaden von rund 400.000 Euro.

Archivfoto: Hermann Pentermann

„Jeder bekommt, was er verdient“

Müstak ist eigener Angabe zufolge in der Brandnacht gegen 23.45 Uhr vom Nokta nach Hause gefahren. Gegen 0.40 Uhr wurde der Feuerwehr das Feuer gemeldet. Müstak erfuhr vom Brand von seinen Mitarbeitern am Telefon. Zurück am Nokta, habe er dort den Angeklagten angetroffen, den er dort nachts zuvor noch nie angetroffen habe. Der 36-Jährige, so Müstak, habe zu ihm gesagt: „Jeder bekommt, was er verdient.“ Müstak habe ihn gefragt, warum er nicht die Feuerwehr gerufen habe. Daraufhin soll der Angeklagte gefragt haben: „Warum sollte ich das?“

Einst habe er zu dem Angeklagten ein freundschaftliches Verhältnis gepflegt, versicherte Müstak. Doch dann habe sich der 36-Jährige wenige Monate vor dem Brand im Restaurant im betrunkenen Zustand danebenbenommen und Gäste verscheucht. Daraufhin habe Müstak ihm Hausverbot erteilt.

Erbitterte Feinde

Dreieinhalb Stunden dauerte Müstaks Befragung am Prozessauftakt. Dabei ging es kaum um den Brand und den mutmaßlichen Brandstifter. Vielmehr ging es um die wirtschaftliche Lage des Restaurants, des Mitbetreibers Müstak und das augenscheinlich zerrüttete Verhältnis zwischen dem Nokta auf der einen Seite und auf der anderen der Lebensquelle (Inhaberin des Gebäudes), der 3G-Group (einst Zion GmbH), der das Grundstück vor dem Nokta gehört, sowie der Arche Holding International GmbH, die für die Lebensquelle als Vermieterin des Gebäudes auftritt. Die Streitigkeiten beschäftigten und beschäftigen die Zivilgerichte, etwa eine gegen das Nokta ausgesprochene Kündigung wegen offener Forderungen. Müstak – da sind sich die Parteien einig – schuldet der Lebensquelle Geld. Nur über die Höhe streiten sich die Parteien, es geht um einen fünfstelligen Betrag.

Insgesamt geht um sehr viel mehr Geld. Müstak hat nach eigener Angabe rund 100.000 Euro in das Gebäude gesteckt und weitere 480.000 Euro in den Bau der Außenterrasse. 

Die Vermieterin Arche Holding habe ihm vor dem Brand, so Müstak weiter, einen Kredit über 250.000 Euro zum Bau seiner Terrasse gewähren wollen. Dafür habe die Arche eine GmbH gründen und selbst einen Geschäftsführer einsetzen wollen. Müstak, so seine Aussage vor Gericht, habe das abgelehnt, und etwa zwei Wochen später brenne sein Laden.

Streit um einen Satz

Eine direkte Verbindung zwischen der Ablehnung des Angebots und dem Brand äußerte Müstak aber nicht. Die Lebensquelle hatte bereits im Juli vergangenen Jahres per Eilantrag erreichen wollen, dass Müstak öffentlich nicht mehr äußern dürfe, dass „die Kirche“ seinen Laden „abgefackelt“ habe. Das Amtsgericht lehnte den Antrag ab, weil die Freikirche nicht hatte beweisen können, dass Müstak die Aussage überhaupt getroffen hatte.

Aber zurück zum aktuellen Fall: Müstak mutmaßt, die Lebensquelle habe das Nokta vertreiben wollen. „Die wollen uns unter keinen Umständen mehr drin haben“, behauptete er. Daber habe er – nach eigener Einschätzung – eine Ruine zu einer Perle in der Gastronomie gemacht, habe Baugenehmigungen und das Wegerecht für die Lebensquelle sowie die Konzession eingeholt und bezahlt. „Hätten die Arche und Lebensquelle den Willen gehabt, wäre das Nokta nach drei oder vier Monaten wieder geöffnet gewesen“, sagte Müstak.

Suche nach dem Motiv – bei Müstak

Der Anwalt des Angeklagten, übrigens auch der Anwalt der Lebensquelle, versuchte, Müstak wieder in den Fokus der Brandstiftung zu rücken. „Mein Mandant hat kein Motiv.“ Müstak hingegen habe insgesamt rund 200.000 Euro Schulden. Doch ob und wann seine Inventarversicherung zahle, „steht völlig in den Sternen“. Da müsse sich Müstak nicht wundern, dass die Lebensquelle und Arche das Mietverhältnis beendeten, bei denen das Nokta schließlich auch Schulden habe. Am 17. März 2018 hatte die Arche dem Nokta fristlos gekündigt – dagegen wehrt sich das Nokta-Betreiberpaar derzeit vor dem Amtsgericht.

Auf Nachfrage des Staatsanwalts versicherte Müstak, 2018 einen Gewinn von 167.000 Euro vor Steuern erzielt zu haben.

Das Betreiberpaar Bassauer und Müstak (Foto) wird das Nokta am Güterbahnhof aufgrund der Streitigkeiten nicht wieder eröffnen.

Foto: David Ebener

Vergangene Woche war der Angeklagte nicht vor Gericht erschienen. Die Richterin erließ daraufhin Haftbefehl gegen den 36-Jährigen. Er hatte sich im Datum vertan, das Gefängnis blieb ihm erspart.


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