Konzert der Echo-Preisträgerin Tilman Oberbeck Trio mit furiosen Tonkaskaden im Blue Note in Osnabrück

Altsaxophonistin Anna-Lena Schnabel mit dem Tilman Oberbeck Trio im Blue Note. Foto: Hermann PentermannAltsaxophonistin Anna-Lena Schnabel mit dem Tilman Oberbeck Trio im Blue Note. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Anna-Lena Schnabel verwirklichte ihren Traum: Sie wurde professionelle Jazzmusikerin. Jetzt gastierte die 29-Jährige mit dem Tilman Oberbeck Trio im Osnabrücker Blue Note.

Mit einer hastigen Bewegung wischt sich die junge Frau eine Haarsträhne aus den Mundwinkeln, dann führt sie das Mundstück ihres Saxophons wieder an ihre Lippen und generiert furiose Tonkaskaden. Gäbe es nicht einige poetische Passagen in den Stücken, die das Tilman Oberbeck Trio spielt, bekäme man kaum Luft ob der Brisanz der Klänge, die Anna-Lena Schnabel, Schlagzeuger Bodek Janke und Bassmann Oberbeck da auf der Bühne erzeugen.

Sobald Schnabel ihr Musikinstrument in die Hand nimmt, scheint sie in eine andere Welt zu entschwinden. Ganz in ihrem Element spielt sie ihren eigenen Jazz, expressiv, direkt, keinen Formeln und Konventionen verpflichtet, mit unvermittelten Brüchen und Enden. Und verwirklicht so ihren Traum.

Anfänge in klassischer Musik

Immer schon wollte sie Musikerin werden. Erst lernte sie klassische Musik, dann entdeckte sie den Jazz. Als Frau in einer Männerdomäne setzte sie sich durch. Vor zwei Jahren wurde sie mit einem Echo ausgezeichnet und gilt seither als neuer Stern am deutschen Jazzfirmament. Auf die Frage, ob es eine weibliche Art des Saxophonspiels gibt, die ihr auf der Karriereleiter geholfen habe, antwortet die 29-Jährige: „Spielt man als Brillenträger anders als der, der keine Brille braucht?“

Foto: Hermann Pentermann

Im Trioformat greift die in Osnabrück lebende Musikerin häufig zur Querflöte und behandelt das Instrument genauso unkonventionell wie ihr Saxophon: Es ploppt und klappert, es rauscht und pfeift, die Töne verbinden sich mit ihrer Stimme zu einer exotischen Mixtur, dann klingt es wiederum sauber, harmonisch, wunderschön. In Oberbeck und Janke hat sie kongeniale Mitstreiter gefunden, die ihr ein virtuoses Klangfundament bereiten; die aber auch ihre eigenen Grenzen ausreizen, wenn sie sich in packenden Soli verlieren.

Melodisch singendes Trommelpaar

Besondere Akzente bereitet der Einsatz der indischen Tabla. Janke lässt das Trommelpaar melodisch singen und tritt in einen fantastischen Dialog mit dem Kontrabass des Bandleaders und Schnabels Flöte.

Die Querflöte ist denn auch das Instrument, das der Musikerin ihre Existenz sichert: „Als Jazzmusikerin kann man kaum überleben. Daher habe ich an der Hochschule einen Job als Flötendozentin angenommen“, sagt sie, tritt wieder ans Mikrophon und nimmt die Zuschauer mit auf ihre aufregende Reise durch den modernen Jazz.


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