Für drei Millionen Euro Osnabrücker Hase soll Bypass für Fische bekommen

Foto: Michael GründelFoto: Michael Gründel

Osnabrück. Ein idyllischer Winkel der Innenstadt soll noch idyllischer werden. Die Stadt will der Hase am Herrenteichswall einen Bypass legen, damit Fische flussaufwärts schwimmen können. Vor einem Jahr hätte die Stadt das spektakuläre Projekt fast umsonst bekommen, jetzt muss sie tief in die eigene Tasche greifen.

Die ökologische Durchlässigkeit der Hase auf ihrer ganzen Länge ist ein Projekt, an dem viele Ämter bis hinauf nach Brüssel seit über einem Jahrzehnt arbeiten. Weil die Umsetzung aufwendig und teuer ist, geht das Programm nur schrittweise voran. 2017 teilte das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) der Stadt Osnabrück überraschend mit, das Geld aus dem Europäischen Meeres- und Fischereifonds (EMFF) bereitstehe, um Projekte zur ökologischen Entwicklung von Fließgewässern in urbanen Räumen mit bis zu 90 Prozent zu fördern. Die Laves-Mitarbeiter kannten die alten Pläne für die Hase zwischen Pernickelmühle und Herrenteichswall und schalteten schnell – die Stadt auch, aber nicht schnell genug.

Denn inzwischen ist der Fördertopf weitgehend geleert. Detlef Gerdts, Fachbereichsleiter Umwelt, geht davon aus, dass das Projekt mit allen Nebenkosten bei 3,6 Millionen Euro landen würde. 1,6 Millionen Euro sind noch im Fördertopf, so dass die Stadt gut zwei Millionen Euro selbst aufbringen müsste.

Eine Summe, die den Mitgliedern des Stadtentwicklungsausschusses in der jüngsten Sitzung keineswegs den Atem raubte. Heiko Panzer (SPD) sprach von einem "Zukunftsprojekt, das wir machen sollten". Sebastian Bracke (Grüne) hält das Projekt "unten den Aspekten Ökologie und Aufenthaltsqualität für sinnvoll" und Wulf-Siegmar Mierke (UWG) bewertete die Investition als "zielführend", die die Stadt "forcieren" sollte. auch die CDU stimmte zu, die Planungen voranzutreiben und nach weiteren Fördermöglichkeiten Ausschau zu halten, um eine mindestens 75-prozentige Bezuschussung zu erreichen.

Wehr an der Permickelmühle in Osnabrück. Foto: Michael Gründel

Pate für die Hase-Umflut stand eine Abbildung aus dem Jahr 1802, die einen Arm der Hase zeigt, der außerhalb der Stadtmauer von der damals noch existierenden Herrenteichsmühle bis zur Vitischanze floss. Diesen Gedanken griffen die Planer auf, um Fischen, Krebsen und anderen Wasserbewohnern einen Weg an der Wehranlage der Pernickelmühle vorbei zu öffnen. Die 1,5 Meter hohe Staustufe muss erhalten bleiben, weil sonst der Grundwasserspiegel sinken würde, was die Standfestigkeit der Gebäude rundherum gefährdete.


Foto: Michael Gründel
Ein Fischtreppe am Wehr würde nach Angaben der Experten nicht genügen. Die Tiere würden im Staugewässer vor der Pernickelmühle nicht überleben, weil sie strömendes Wasser brauchen und ohne Strömung die Orientierung verlieren. 


Deshalb ist geplant, kurz hinter dem Haarmannsbrunnen einen Durchstich durch den Wall zu bohren und einen etwa drei Meter breiten und einen Meter tiefen Flusslauf auf der östlichen Seite der Stadtmauer zu schaffen. Auf Höhe des Iduna-Hochhauses soll es einen zweiten Durchstich geben. Von dort bis zum Wehr wird der Mini-Fluss auf etwa 80 Meter durch ein Becken unter dem heutigen Fußweg fließen. 




Spaziergänger könnten also über das fließende Wasser gehen und (mit etwas Glück) durch Gucklöcher den Fischen beim Aufstieg zusehen.

Die Osnabrücker Parkstätten-Betriebsgesellschaft (OPG) nutzt die Fläche östlich des Herrenteichswalls als Parkplatz. Der Umflut würden nach Angaben der Planer 18 Stellplätze zum Opfer fallen. Die Stadt müsste der OPG die Flächen abkaufen und für die Einnahmeverluste entschädigen. Die Kosten von 390.000 Euro sind in der Gesamtkalkulation bereits enthalten.

Der Ausschuss empfahl einstimmig, die Planungen zu verfeinern und ein Planfeststellungsverfahren in Gang zu setzen. Das wird ein gutes Jahr dauern, sagte Gerdts. 


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