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Seine Musik zu "Verbrennungen" Hussein al-Dabashs Weg vom Autodidakten ans Theater

Vor seinem Kompositionsprogramm: Hussein Al-Dabash im Tonstudio des Theaters am Domhof.  Foto: Michael GründelVor seinem Kompositionsprogramm: Hussein Al-Dabash im Tonstudio des Theaters am Domhof. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Erst hat er getanzt im Theater, nun die starke Musik zum Schauspiel "Verbrennungen" komponiert: Wie ihm das als Autodidakt gelungen ist und wie er nun auch zum Schreiben gekommen ist, erzählt der junge syrische Flüchtling Hussein Al-Dabash.

Der Syrer Hussein Al-Dabash öffnet im Tonstudio des Osnabrücker Theaters das Programm auf seinem portablen Computer, mit dem er komponieren kann, wo immer er das möchte. Er klickt eine Melodie an und spielt sie ab. Eigentlich braucht er keine Instrumente, wie der eher zurückhaltende junge Mann im Gespräch erzählt, denn die musikalischen Ideen entstehen in seinem Kopf – besonders dann, wenn er einen Roman liest und die Figuren darin in der Fantasie mit einem eigenen Leitmotiv ausstattet.

Ideen im Kopf

So ähnlich ist er auch für das Schauspiel „Verbrennungen“ von Wajdi Mouawad vorgegangen, dessen Musik er komponiert hat. Erste Ideen überarbeitete er bei einer Konzeptionsprobe nach Gesprächen mit dem Dramaturgen Jens Peters und erneuter Lektüre des Stücks. Zehn schon vorher komponierte Stücke passten genau zum Schauspiel, 25 hat er eigens für „Verbrennungen“ kreiert.

Der zentralen Figur, einer Mutter von drei Kindern, hat er ein Leitmotiv gewidmet, ansonsten hat er mit bedrohlichen Tierlauten, Autogeräuschen, mechanischen Klängen oder auch mal dekonstruierter arabischer Musik die Atmosphären für die Szenen entwickelt.

Gefragt nach der Szene in einer Feuersbrunst hell lodernden Stadt und dem Gemisch aus Schmerzensschreien und Triumphgejohle, mit dem er dies unterlegt, antwortet er bitter und auf Englisch sinngemäß: „Gott spielt Musik, während die ganze Welt schreit“.

Er weiß, wovon er spricht: Vor drei Jahren ist ihm mühsam die lange Flucht aus Syrien nach Europa und Deutschland gelungen, nachdem er in Damaskus am Bein verletzt und ohne Betäubung operiert worden war. Noch bei seinem ersten öffentlichen Auftritt im Osnabrücker Tanzprojekt „Biografia del corpo II“, war ihm beim Tanzen im Emma-Theater die Verletzung anzumerken. Er musste das Bein schonen. „Doch jetzt ist alles okay“, sagt er.

Elf Romane geplant

In seiner syrischen Heimat hat er Mechatronik studiert, obwohl er schon die Musik liebte. „In meinem Elternhaus gab es keinerlei musikalische Tradition“. Osnabrück und die vielen neuen Eindrücke und Erlebnisse inspiriere ihn künstlerisch stark, wie der mittlerweile 23-Jährige erzählt.

Neben seinen Kompositionen schreibt er an seinem ersten Science-Fiction-Roman, der sich an „Verbrennungen“ anlehnt, es fortschreibt und auf sage und schreibe elf Folgen angelegt ist.

Dabei ist sein Weg zur Komposition umgekehrt zu Ochsentour verlaufen, wie wir sie kennen mit langen Jahren „Einzelhaft“ an einem oder mehreren Instrumenten und am Ende einem Kompositionsstudium.

So war es bei Hussein Al-Dabash nicht. Er hat sich autodidaktisch in Syrien das Klavierspielen beigebracht und in Osnabrück ein paar Stunden in Theorie und Praxis genommen. Auch das Komponieren mit Hilfe des Computers hat er sich ganz allein und manchmal mit Hilfe eines entsprechenden Programms erarbeitet.

Und wie stellt er sich seine Zukunft so in zehn Jahren, vor? „Dann habe ich Romane geschrieben und Sinfonien komponiert“, sagt Hussein Al-Dabash mit feinem Schmunzeln.  


Weitere Vorstellungen von "Verbrennungen": am 26.3., 27.3., 24.4., 3.5., 5.5. und 23.5. Kartentel. 0541-7600076


Nächste Aufführungen von „Verbrennungen“: 26. März, 24. April, 3. und 16. Mai. Kartentel. 0541-7600076.

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