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Strick-Graffiti-Künstlerin sucht Mitstreiter für Kulturnacht Wenn die Laterne einen Mantel bekommt

Auch diese Laterne vor dem Heger Tor wurde „Opfer“ der Strick-Graffiti-Künstlerin Ute Krugmann. Foto: Stefanie HiekmannAuch diese Laterne vor dem Heger Tor wurde „Opfer“ der Strick-Graffiti-Künstlerin Ute Krugmann. Foto: Stefanie Hiekmann

Osnabrück. „Guck mal, da vorne, die Laterne bekommt jetzt einen Mantel“, sagt eine Dame zu einem kleinen Jungen, als sie mit ihm durch die Altstadt geht. Aber Moment mal: ein Mantel für eine Straßenlaterne? Klingt ein bisschen ungewöhnlich. Das schon, doch die gute Frau hat völlig recht: Genau so könnte man das kreative Vorgehen von Ute Krugmann beschreiben.

Die Osnabrücker Strick-Designerin umwickelt die Straßenlaterne vor dem Heger Tor tatsächlich mit einem dicken, grasgrünen Wollschal und heftet darüber sogar noch ein wolliges Blümchen – quasi als Accessoire. Auch das Kettchen darf für die adrett gekleidete Straßenlaterne nicht fehlen: Bunte Wollblüten und grüne Blättchen geben dem Outfit das gewisse Etwas.

Strick-Graffiti nennt Ute Krugmann das, was sie da gerade macht. „Eine Unterform der Street-Art“, sagt die gelernte Designerin, die diesen Trend jetzt in Osnabrück populär machen möchte. Zu Hause im stillen Kämmerlein oder gemeinsam in der Gruppe strickt man dafür vor sich hin.

Individuelle Einzelstücke sollten dabei herauskommen – ganz gleich, ob Schals, Tücher, Blumen, Schmetterlinge, kleine Taschen oder einfach nur ein bunter gestrickter Meter Handarbeit. In der Stadt werden diese Gegenstände dann mithilfe von Sicherheitsnadeln oder Bändern an Wänden, Fahrradständern, Häusern, Rohren, Türklinken oder eben Laternenpfählen befestigt.

„Es geht um die Eroberung des urbanen Raums mittels gestrickter Zeichen“, erklärt Krugmann. Der Ansatz sei also ähnlich wie der von anderen Street-Art-Künstlern, die mit gesprayten Graffitibildern ihre Spuren hinterlassen. Entscheidender Unterschied: Die Strick-Bilder sind weniger aggressiv. Schließlich lassen sie sich mit nur wenigen Handgriffen wieder entfernen, falls sie denn missfallen.

Obwohl sich das Ganze Strick-Graffiti nennt, dürften auch andere textile Handarbeitsformen zum Einsatz kommen, sagt Krugmann: Auch gehäkelt, genäht, geflochten oder gestickt sorgen die weichen, textilen Blickfänge in der Stadt für Aufmerksamkeit.

Für die Osnabrücker Kulturnacht sucht Ute Krugmann jetzt kreative Mitstreiter, die sich in den nächsten Wochen und Monaten näher mit dem Thema Strick-Graffiti beschäftigen wollen und dabei vor allem auch selbst tätig werden möchten. „Es soll eine Aktionsgruppe entstehen, die sich wöchentlich im Stadtgalerie-Café trifft und individuelle Einzelstücke für die Kulturnacht entwirft“, sagt Krugmann, die die Aktion gemeinsam mit Claudia Imig, der Koordinatorin der Kulturnacht, vorbereitet.

„Wir freuen uns unheimlich über solche neuen Ideen“, sagt Imig über die Initiative von Ute Krugmann. Solch eine Art von „künstlerischer Dekoration“ des urbanen Raums habe es bisher noch nicht gegeben, sodass auch sie sehr gespannt sei, wie sich das Ergebnis am 27. August präsentiere.

Neben den Teilnehmern für die Aktionsgruppe, die durchaus auch Strickanfänger sein dürften („geradeaus stricken können reicht aus“), werden auch materielle und finanzielle Spenden für die Aktion gesucht. Woll- und Garnreste sind also genauso gefragt wie Stricknadeln und ähnliche Dinge.

Das erste Treffen findet am Samstag, 14. Mai, von 16 bis 18 Uhr im Stadtgalerie-Café statt. Dort setzen sich dann auch die wöchentlichen Treffen fort, die jeweils samstags von 16 bis 18 Uhr stattfinden werden.

Bei Rückfragen sind Ute Krugmann und Claudia Imig unter der Telefonnummer 0541/3247660 oder über die E-Mail-Adresse info@ute-krugmann.de erreichbar.


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