Antwort auf Herausforderungen der Zeit Heilig-Geist-Kirche im Stadtteil Sonnenhügel schrumpft, Kita wächst

Die Heilig-Geist-Kirche der Katholischen Pfarrgemeinde am Sonnenhügel nach der Renovierung und kurz vor der Wiedereröffnung. Foto: David EbenerDie Heilig-Geist-Kirche der Katholischen Pfarrgemeinde am Sonnenhügel nach der Renovierung und kurz vor der Wiedereröffnung. Foto: David Ebener

Osnabrück. Im Stadtteil Sonnenhügel an der Lerchenstraße ist die Heilig-Geist-Kirche mitsamt Pfarrheim und Kindergarten tiefgreifend umgebaut worden. Einweihung und Segnung der neuen Räumlichkeiten nimmt Bischof Bode am morgigen Sonntag, 17. März, um 11 Uhr im Rahmen eines Gottesdienstes vor.

Es ist nun einmal so, wie es ist: Die Zahl der Gottesdienstbesucher sinkt und der Bedarf an Kita-Plätzen steigt. Schon an einigen Stellen hat das Bistum Anpassungen vorgenommen, Kirchräume verkleinert und den dadurch gewonnenen Raum anderweitig genutzt, beispielsweise museal oder sozial, für ein Kolumbarium oder einen Gemeindesaal. In den Stadtteilen Sonnenhügel und Dodesheide wohnen besonders viele junge Familien, sodass in diesem Fall der gestiegene Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen den Anstoß für die Baumaßnahmen gab.

Foto: David Ebener
"Bitte leise!" - Die Heilig-Geist-Kita der Katholischen Pfarrgemeinde Heilig Geist am Sonnenhügel in Osnabrück, nach Renovierung und kurz vor der Wiedereröffnung. Foto: David Ebener

Freiflächen zum Spielen

Am „Kirchort Heilig Geist der Pfarrei Christus König“ – so der etwas sperrige Name nach der Zusammenlegung von Christus-König-, Heilig-Geist- und St. Franziskus-Gemeinden in Osnabrücks Nordosten im Jahr 2010 – konnten gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden, wie Gemeindereferentin Christine Hölscher erläutert. Zum einen war da der Raumbedarf für weitere Kindergartengruppen, die die Stadt für den „unterversorgten“ Stadtteil dringend wünschte. Wobei aber die Freiflächen zum Spielen nicht angeknabbert werden sollten. So kam man auf die Lösung, den vor 30 Jahren in Form eines Pavillons gebauten Pfarrsaal abzureißen. Kita und Pfarrgemeindehaus, das schon länger eine Krippe beherbergt, wurden durch einen Neubau verbunden. Nun sind alle Kinderbetreuungs-Räumlichkeiten logisch miteinander verknüpft, alles ist unter einem Dach.

Nach Art eines Domino-Effekts löste der Fortfall des alten Pfarrsaals weitere Veränderungen aus. Der „lange Schlauch“ des für den durchschnittlichen Gottesdienstbesuch viel zu groß gewordenen Kirchenschiffs konnte und sollte verkürzt werden. Etwa ein Drittel der bisherigen Kirchraumlänge stand für Neunutzungen zur Verfügung, darunter der erhöhte ehemalige Altarraum. Hierhin planten die Architekten vom Büro „B-Werk“ Spelle den neuen Pfarrsaal, der bei normaler Bestuhlung an Achter-Tischen 80 Sitzplätze bietet. Er ist über einen Lift barrierefrei erreichbar. Auch die Stufen zum Kirchraum selbst lassen sich jetzt von Rollstuhl- und Rollatorfahrern leicht überwinden. Es entstand ein neuer Seiteneingang mit Außenrampe und Automatiktür. Wenn man die Kirche betritt, ist man zunächst von den ganz in weiß gehaltenen Wänden und der Decke beeindruckt. 

Der Behindertengerechte Zugang zum Pfarrbüro. Foto: David Ebener

Hell, modern, einladend – so wirkt der verkürzte, aber in seinen Proportionen jetzt „stimmigere“ Raum. Gleich im Eingangsbereich steht der neue Taufstein, „denn die Taufe ist ja der Anfang von Allem“, deutet Christine Hölscher die Positionierung. Am anderen Ende sind Altar und Ambo dicht vor die Kirchbänke gestellt und auf einem Niveau mit ihnen. „Wir rücken enger zusammen, wir sind näher am Altar, die Distanz ist weg. Es ist wirklich ein Raum geworden, der die Gemeinschaft unterstützt“, sagt Pfarrer Bernhard Stecker. 

Die Taufe als Anfang - entsprechend wurde der Taufstein positioniert. Foto: David Ebener

Die Schrägstellung der Bankreihen lässt fast einen Halbkreis entstehen und begünstigt das symbolische Zusammenrücken der kleiner werdenden Gemeinde. Das Platzangebot ist von 250 auf 180 Sitzplätze geschrumpft, kann aber bei Bedarf selbstverständlich durch zugestellte Stühle ergänzt werden. Nur es ist eben nicht immer Weihnachten.    

Schlichtes Stahlkreuz

Taufstein, Altar, Ambo und die Tragsäule für den Tabernakel sind einheitlich aus hellem Sandstein neu gekommen. „Die alten Prinzipalien hätten nicht gut zu der neuen Schlichtheit des Raumes gepasst“, stellt Hölscher fest. Sie wurden durch Vermittlung des Bistums an eine Kirchgemeinde in der Nähe von Breslau (Polen) verschenkt. Die dortigen Gläubigen hätten sich sehr über die Ausstattungsteile gefreut und Fotos von ihrer neuen Verwendung geschickt, erzählt Hölscher: „Das war für manche unserer älteren Gemeindemitglieder, die sehr an den alten Teilen gehangen haben, ein großer Trost“. Ein schlichtes Stahlkreuz hängt jetzt an der neu eingezogenen Zwischenwand, die in Andeutung einer Apsis leicht gekrümmt ist. Vom alten Altarkreuz hat man den Corpus Christi abgenommen, er hat eine neue Verwendung im Pfarrsaal gefunden – auch das eine versöhnliche Geste an Ältere, die sich vielleicht etwas schwertun mit den vielen Veränderungen.

Foto: David Ebener

Die Schlichtheit des Kirchraums lässt die neuen Beleuchtungselemente umso mehr zur Geltung kommen. Sie hängen als goldfarbige Zylinder in unterschiedlichen Höhen von der Decke herab und sollen den für diese Kirche namensgebenden Heiligen Geist symbolisieren, der wie mit flammenden Feuerzungen auf die Jünger herabgefahren ist, wie es die Bibel erzählt. „Die Menschen sollen sich hier berühren lassen und neue Impulse bekommen“, wünscht sich Architektin Stephanie Löning.

Neue Schlichtheit. Foto: David Ebener

Das Pfingstgeschehen hatte auch bereits Erzbischof Wilhelm Berning bemüht, als er Pfingsten 1954 den Grundstein für die Heilig-Geist-Kirche legte. Der Grundstein bestand aus Trümmerstücken des im Krieg schwer beschädigten Doms. Die neue Filialkirche des Doms, von Architekt Johannes Garthaus entworfen, sollte ein besseres, friedlicheres Schicksal haben. Die Weihe war am 15. Mai 1955. Viele Ausstattungsstücke konnten erst nach und nach angeschafft werden. „Insofern hatten wir hier einen ziemlichen Stil-Mix“, blickt Hölscher zurück. Auch die schmuddelig gewordenen Wände legten eine gründliche Renovierung nahe.  

Dunkle Seitenkapellee

Während das Äußere der Kirche nahezu unverändert blieb, ist im Inneren viel passiert. Die Marienkapelle als kleine Seitenkapelle ist in Kontrast zum hellen Kirchraum ganz dunkel gehalten. Auf der anderen Seite ist eine „Beichtnische“ eingerichtet, „intim und dennoch transparent“, wie Hölscher es beschreibt. Die Orgel wurde komplett zerlegt und gereinigt, alle Kirchbänke aufgearbeitet, die Sakristei neu angelegt, die gesamte Elektrik erneuert. 

Foto: David Ebener

Alle Bestandsräume der Gemeinde und des Kindergartens sind aufgehübscht, die Kita erhält eine Vollküche zum Selbstkochen des Mittagessens. Das wichtigste aber: Die Kita hat jetzt Platz für zwei Krippengruppen, vier Regelgruppen und eine Kleingruppe. Leiterin Anja Lemme und ihr Team betreuen 140 Kinder. Besonders freut es Lemme, dass die Gruppe „Kunterbunt“, die bislang im Obergeschoss des Altbaus untergebracht war, jetzt auch einen Platz an der Sonne bekommen hat.

Der neue Pfarrsaal. Foto. David Ebener

Das alles gab es nicht umsonst. In der einjährigen Bauzeit wurden knapp drei Millionen Euro verbaut. Stadt, Land und Bistum übernahmen davon den größten Teil, aber ein erheblicher Eigenbeitrag von 450 000 Euro lastet auf der Pfarrei Christus König. Handwerkliche Eigenleistungen von Gemeindegliedern von mehr als 1000 Stunden und Spenden haben die Last etwas gemildert, aber die Gemeinde bittet weiterhin dringend um Spenden: bauprojekt.Heilig-geist.net.


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