Neuer DB-Fernverkehrszug "ECx" Mit ICE-Komfort von Osnabrück nach Berlin und Amsterdam

Erste computergenerierten Ansichten des neuen Fernverkehrszuges "ECx" hat die Deutsche Bahn jetzt in Berlin vorgestellt. Die lokbespannten Reisezugwagen sollen unter anderem ab Ende 2023 auf der für Osnabrück wichtigen Linie Berlin–Hannover–Amsterdam zum Einsatz kommen. Foto: DBErste computergenerierten Ansichten des neuen Fernverkehrszuges "ECx" hat die Deutsche Bahn jetzt in Berlin vorgestellt. Die lokbespannten Reisezugwagen sollen unter anderem ab Ende 2023 auf der für Osnabrück wichtigen Linie Berlin–Hannover–Amsterdam zum Einsatz kommen. Foto: DB 

Osnabrück. Schluss mit kaputten Klimaanlagen und undichten Toiletten in alten Intercitys: Die Deutsche Bahn will ab Dezember 2023 auf der Linie Berlin–Hannover–Amsterdam (über Osnabrück) fabrikneue Fernverkehrszüge vom Typ ECx einsetzen. Sie sollen ICE-Komfort bieten und die Reisezeit zwischen den Hauptstädten stark verkürzen.

Die DB mistet ihren Fuhrpark aus. Problem-Züge der ersten Intercity-Generation, wie sie unter anderem auf der für Osnabrück wichtigen Verbindung Berlin–Hannover–Amsterdam (IC 77) verkehren, werden in den nächsten Jahren aufs Abstellgleis geschoben – und durch eine neuartige Mischung aus ICE und IC ersetzt. Das hat der Staatskonzern am Mittwoch in Berlin angekündigt.

Lokwechsel an der Grenze entfällt

Die ersten 23 Züge vom Typ "ECx" sollen bereits ab Dezember 2023 unter anderem zwischen der deutschen und der niederländischen Hauptstadt pendeln. "Die Fahrzeit wird sich auf dieser Strecke um rund 30 Minuten auf 5:50 Stunden verkürzen", verspricht die Bahn. Das sei möglich, weil durch den Einsatz von E-Loks, die mit den Stromsystemen beider Länder zurechtkommen, ein Lokomotivwechsel an der Grenze entfällt. 

Ab Sommer 2024 will die DB den ECx nach eigenen Angaben zusätzlich für touristische Verbindungen von Osnabrück Richtung Nordsee und Rheinland gebrauchen, konkret auf der Strecke Köln–Westerland (Sylt). 

Der ECx in Zahlen

Ein Zugverband des "ECx" besteht aus jeweils einer Mehrsystemlok mit einer Höchstgeschwindigkeit von 230 Stundenkilometer und 17 Reisezugwagen. Die insgesamt 570 Sitzplätze teilen sich in 85 Sitzplätze der 1. Klasse und 485 Sitzplätze der 2. Klasse auf. 
Ein kompletter ECx mit Lokomotive und 17 Wagen ist 255 Meter lang und wiegt leer 425 Tonnen. 

Außen S-Bahn, innen ICE

Bahnchef Richard Lutz sagte: "Dieser innovative Zug wird einen wesentlichen Beitrag leisten, noch mehr Menschen für das Bahnfahren zu begeistern." Auch wenn der ECx mit seiner flachen Schnauze eher an S- und U-Bahnen erinnert, biete er "echten ICE-Komfort". 

Das bedeutet: Kunden bekommen an Bord zum Beispiel einen drahtlosen Internetzugang (WLAN). Es gibt viel Platz für Gepäck, ein Bordbistro sowie Fahrgastinformation mit Echtzeitdaten. Die ECx-Züge verfügen darüber hinaus über abgetrennte Bereiche für Familien mit kleinen Kindern, Fahrradabteile und Rollstuhlplätze. Die Beleuchtung im Zug wird je nach Tageszeit gedimmt.

Stufenloser Ein- und Ausstieg am Bahnhof

Eine weitere Besonderheit ist laut DB die geringere Fußbodenhöhe von 76 Zentimetern: An allen Türen des Zuges steigen Passagiere ebenerdig ein und aus – zumindest an Bahnsteigen mit Standardhöhe. Rollstuhlfahrern ist es so künftig möglich, ohne fremde Hilfe an und von Bord zu gelangen. Aber auch Reisenden mit Gepäck oder Familien mit Kinderwagen wird das Betreten und Verlassen des Zuges erleichtert. 

Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, stellte fest: 

"Die Bahnkunden erwarten zu Recht hochmoderne, zuverlässige und komfortable Züge. Die DB ist mit ihrem ECx hier genau auf der richtigen Schiene."

Spanischer Hersteller sticht deutsche Konkurrenz aus

Bei der Modernisierung ihrer Fernverkehrsflotte greift die DB diesmal allerdings nicht wie üblich auf deutsche Hersteller zurück. Stattdessen zog mit Talgo ein spanischer Hersteller den Großauftrag an Land. Beide Parteien schlossen einen Rahmenvertrag über bis zu 100 Reisezugwagen und Mehrsystemloks. Allein die Lieferung der ersten Charge hat den Angaben zufolge einen Wert von 550 Millionen Euro.

Die DB-Fernverkehrsflotte

Die Deutsche Bahn verfügt nach eigenen Angaben über 273 ICE-Züge bzw. Züge mit ICE-Standard (Stand März 2019). Dazu gehören 58 ICE der ersten und 44 ICE der zweiten Generation, außerdem 67 ICE-T, 79 ICE-3 sowie 25 ICE-4. Bis zum Jahr 2025 sollen 112 ICE-4 und 23 ECx dazukommen.




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