Verwaltung hat nachgerechnet Finanzchef erklärt die wahren Kosten des Superradweges

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Osnabrück. Kommando zurück, zum Teil wenigstens: Der Superradweg in Osnabrück ist nicht ganz so teuer gekommen, wie vom Finanzchef in der Ratssitzung behauptet. Aber deutlich teurer als ursprünglich geplant ist er schon.

Der öffentliche Druck wurde am Donnerstag immer größer, und so baten Finanzchef Thomas Fillep und Stadtbaurat Frank Otte kurzfristig zu einer Pressekonferenz am späten Nachmittag, um die wahren Kosten des extrabreiten Radweges am Heger-Tor-Wall zu erläutern. Fillep hatte in der Ratssitzung am Dienstag Zuhörer und Ratsmitglieder mit der Aussage verblüfft, die gut 170 Meter lange "Protected Bike Lane" habe in Wahrheit nicht 275.000 Euro, sondern rund 712.000 Euro gekostet. Eine Erklärung für mutmaßliche Kostensteigerung hatte er zu dem Zeitpunkt nicht. Die lieferten die beiden Vorstände nun nach – nahmen damit aber nur ein wenig Luft aus der Debatte. 

Filleps Zahlen schließen den gesamten Auftrag ein. Dazu gehörte der Bau des Radweges und die Erneuerung der zwei Autofahrspuren. Insgesamt hat die Baumaßnahme am Wall (mit Fahrbahn, Radweg, Leitungsumlegungen, Ampelumstellung) 738.000 Euro gekostet. Die von Fillep genannten 712.000 Euro sind nicht mehr aktuell. 


So setzen sich die Kosten zusammen

Auf den Radweg entfallen nach Auflistung der Stadt: 430.000 Euro. Statt 275.000 Euro. Das entspricht einer Steigerung um 56 Prozent. Die Sanierung der Straße kostete 308.000 Euro. 

Die Kostensteigerungen im Einzelnen:

  • Ursprüngliche Schätzung: 275.000 Euro
  • Die detaillierte Ausführungsplanung ergab: plus 33.000 Euro 
  • Wegen Personalmangels in der Verwaltung mussten externe Planer eingesetzt werden: plus 36.000 Euro.
  • Ausschreibungsergebnis: plus 45.000 Euro.
  • Nachträge für Schichtbetrieb, Nachtarbeit und zusätzliche Verkehrssicherung: plus 41.000 Euro.
  • Alles zusammen ergeben die Gesamtkosten für die Protected Bike Lane: 430.000 Euro

In der ersten Kalkulation waren auch die Ausgaben der Stadtwerke für Leitungsumlegungen (15.000 Euro) und für die Umstellung der Ampel an der Einmündung der Katharinenstraße (5000 Euro) unberücksichtigt geblieben.

Der geschützte Radweg ist 168 Meter lang und 3,25 Meter breit. Umgerechnet ergeben sich daraus Kosten von 2400 Euro pro laufenden Meter. Stadtbaurat Otte zog in der Pressekonferenz einen Vergleich mit den Kosten für eine Straße, die sich pro laufenden Meter auf 2500 bis 3000 Euro belaufen. 

Frank Otte und Thomas Fillep führten einen Teil der Kostensteigerung auf die anziehenden Preise im Baugewerbe zurück. "Wir erleben das auch bei anderen Projekten", sagte Otte. Beispiel Turnhalle der Lüstringer Waldschule: Die Kosten stiegen nach der Ausschreibung um gut eine Million Euro (plus 25 Prozent). Es geht aber auch anders: Der Neubau der zweiten Feuerwache in Schinkel-Ost liegt nach Ottes Worten exakt im kalkulierten Kostenrahmen. Die Stadt habe das Glück gehabt, dass das Projekt bei einem Anbieter offenbar genau in dessen Beschäftigungsplan gepasst habe. 

Rat entschied sich für das Pilotprojekt

Anlass für den Umbau des Wallabschnitts zwischen Kulturgeschichtlichem Museum und Katharinenstraße war der desolate Zustand der Straße. Mit der Oberflächensanierung sollte in einem Rutsch der Radweg erneuert werden. Der Stadtrat hatte die Wahl zwischen einem zwei Meter breiten Standardradweg (in Fachkreisen ERA+ genannt) und der Protected Bike Lane nach Kopenhagener Vorbild. Der ERA+-Radweg hätte nach der ursprünglichen Planung 180.000 Euro gekostet.

Statdbaurat: Radweg bewährt sich

Der Stadtbaurat verteidigt die Entscheidung für die Pretected Bike Lane. Das Modellprojekt habe "überregional Resonanz erzeugt". Noch wichtiger sei, dass die Nutzer den Radweg sehr positiv beurteilten. "Die Radfahrer fühlen sich sicher. Das ist ein wichtiger Faktor, um Menschen zum Radfahren zu bewegen", so Otte. 

Finanzchef: Jetzt sind wir schlauer

Finanzchef Thomas Fillep verwies im Pressegespräch auf den Pilotcharakter. Es gebe bislang kaum Erfahrungen mit dem Bau solcher Radwege. "Mit diesen Erfahrungen können wir künftige Projekte viel genauer kalkulieren", versicherte Fillep. Seine Intention im Rat sei es gewesen, für Transparenz zu sorgen. Bevor die Politik sich auf weitere Radwege dieser Güte festlege, sollte klar sein, dass die tatsächlichen Kosten höher waren als die vor Baubeginn prognostizierten. Er habe zu dem Zeitpunkt, als er sich im Rat zu Wort meldete,  nicht gewusst, dass die Fahrbahnkosten in die Gesamtkosten einbezogen worden waren.



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