Geldstrafe, Schmerzensgeld und Fahrverbot Autofahrer wirft Rennradfahrer in Osnabrück zu Boden

In einem Berufungsprozess verurteilte das Landgericht Osnabrück am Donnerstag einen Autofahrer wegen der Attacke auf einen Rennradfahrer  Foto: Michael GründelIn einem Berufungsprozess verurteilte das Landgericht Osnabrück am Donnerstag einen Autofahrer wegen der Attacke auf einen Rennradfahrer Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Weil er einen Rennradfahrer attackierte, der darauf zu Boden fiel, hat das Landgericht Osnabrück einen 42-jährigen Mann aus Wallenhorst zu einer Geldstrafe verurteilt und ein Fahrverbot verhängt. Außerdem muss der Mann ein Schmerzensgeld von 15.000 Euro zahlen und für den entstandenen Schaden aufkommen.

Am 22. April 2018 fuhr der Mann  auf der Oldenburger Landstraße in Osnabrück stadtauswärts in Richtung Wallenhorst. Neben ihm saß seine 40-jährige Ehefrau, auf dem Rücksitz die damals 12-jährige Tochter. Das Beifahrerfenster war dabei geöffnet.

Vor der Familie war ein 53-jähriger Rennradfahrer, der spätere Geschädigte, ebenfalls stadtauswärts auf der Straße unterwegs. Zunächst ergab sich für den Autofahrer keine Möglichkeit, den Mann auf seinem Rad zu überholen. Als dies schließlich gelang, kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen der Frau und dem 53-Jährigen. Sie behauptete, gerufen zu haben, ob er "weiter rechts fahren" könne. Der Geschädigte selbst hatte diese Aussage in einer deutlich vulgäreren Ausdrucksweise in Erinnerung. Zur Antwort habe er der Frau gegeben, sie solle "die Gosch halten und nach Hause fahren", was diese ihrerseits als sehr viel  anstößigerer und beleidigender darstellte. Wer was gesagt hatte, war letztlich nicht zu klären. 

Radweg blockiert

Da der 42-jährige Ehemann der Auffassung war, seine Frau sei beleidigt worden, wollte er den 52-Jährigen zur Rede stellen. Er bog rechts in die Ferdinand-Erpenbeck-Straße ein und parkte sein Auto dort. Dann stieg der Mann aus und stellte sich dem Radfahrer mit ausgestreckten Armen  auf den gemeinsamen Rad- und Fußweg in den Weg, um ihn zum Anhalten zu bringen. 

Da der 52-jährige jedoch nicht halten wollte, versuchte er, dem Ehemann auszuweichen. Da ergriff der 42-Jährige den Radfahrer, der mit rund 20 Stundenkilometern unterwegs war, im Bereich des Oberkörpers. Bestätigt wurde dies durch zwei Zeuginnen. Beide Männer fielen darauf zu Boden. Durch den Aufprall erlitt der Geschädigte einen Bruch des Lendenwirbels, sodass sich der Mann bisher zwei Operationen, mehreren Krankenhausaufenthalten und einer Physiotherapie unterziehen musste. Außerdem brach bei dem Vorfall der Rahmen des Rennrades.

Geldstrafe, Schmerzensgeld und Fahrverbot

Das Amtsgericht Osnabrück verurteilte den 42-Jährigen in erster Instanz wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 1800 Euro und einem zweimonatigen Fahrverbot. Darüber hinaus muss der Mann ein Schmerzensgeld in Höhe von 15.000 Euro zahlen sowie den Schaden am Rad in begleichen, der mit 1082 Euro beziffert wurde. Hinzu kamen die Anwalts- und Gerichtskosten. 

Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung hatten dagegen Berufung eingelegt. Der Anklagevertreter plädierte für eine Geldstrafe in Höhe von 3600 Euro. Der Anwalt des 42-Jährigen beantragte einen Freispruch von der gefährlichen Körperverletzung, da er unter anderem eine beidseitige Schuld sah. Außerdem plädierte er für eine Aufhebung des Fahrverbotes. Die Kammer wies letztlich beide Berufungen als unbegründet zurück und folgte damit der juristischen Einschätzung des Amtsgerichtes.


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