Politik gibt Gas Ganztag an allen Osnabrücker Grundschulen bis 2023

Die Baustelle ihrer neuen Mensa können die Kinder der Albert-Schweitzer- und Heilig-Geist-Schule durch Löcher im Bauzaun beobachten. Foto: David EbenerDie Baustelle ihrer neuen Mensa können die Kinder der Albert-Schweitzer- und Heilig-Geist-Schule durch Löcher im Bauzaun beobachten. Foto: David Ebener

Osnabrück. Die Politik drückt auf das Gaspedal: Bis zum Schuljahr 2023/24 sollen möglichst alle Grundschulen Ganztagsschulen sein. Allein: An immerhin 12 von 26 Grundschulen steht das Thema zumindest öffentlich noch gar nicht auf der Tagesordnung. Wie also kann der Wunsch der Politik in die Realität umgesetzt werden?

Eine Beschleunigung der Umwandlung von Grundschulen in Ganztagsschulen wird nur durch Übergangslösungen möglich sein. Innerhalb von zwei Jahren  zusätzlich zu den bereits in Planung befindlichen Ganztagsschulen an 12 weiteren Schulen eine Mensa zu bauen und Hortplätze zu schaffen, dürfte jeden finanziellen und personellen Rahmen sprengen. Dessen sind sich offensichtlich auch CDU, SPD, Grüne und BOB bewusst, die in ihrem gemeinsamen Antrag fordern, bereits bestehende strukturelle und bauliche Gegebenheiten zu nutzen und bis zum Bau von schuleigenen Mensen auf ein Catering zurückzugreifen. Dadurch werde ermöglicht, dass kostengünstigere und dennoch qualitativ hochwertige Maßnahmen für die Schulen schnellstmöglich realisiert werden können. Nicht jeder Schulstandort brauche sofort eine eigene Mensa. 

Schulen müssen sich auf den Weg machen

Gleichwohl müssen sich zunächst einmal die Schulen auf den Weg machen. Das dieser Weg auch schon mal steinig sein kann, zeigt das Beispiel der Grundschule Sutthausen, deren Ganztagsbestrebungen sich plötzlich als Zankapfel im Bürgerforum wiederfanden. Während die Sutthauser Eltern laut Verwaltung mit 77 Prozent für eine offene Ganztagsschule votierten, plädierte das Kollegium aus pädagogischen Gründen für einen teilgebundenen Ganztag, den wiederum die Verwaltung mit dem Verweis auf die Elternschaft ablehnte. Das ging so lange, bis der Schulvorstand sich in einer zweiten Abstimmung letztendlich für den offenen Ganztag aussprach. Schulleitung und Kollegium sahen sich zwischenzeitlich dem Vorwurf ausgesetzt, den Ganztag verhindern zu wollen. 

Zur Sache

Die Formen des Ganztags
Während der offene Ganztag den Eltern für jedes Schulhalbjahr die freie Wahl lässt, an welchen Tagen ihr Kind am Mittagessen und der Hortbetreuung teilnehmen soll, gibt die Schule beim teilgebundenen Ganztag ein oder mehrere Wochentage vor, an denen die Anwesenheit der Kinder an den Nachmittagen verpflichtend ist. Dritte Variante ist der gebundene Ganztag, der keine Wahlmöglichkeit bei der täglichen Nachmittagsbetreuung vorsieht.
Der offene Ganztag ist auf die klassische Halbtagsschule ausgerichtet. Er bietet nach dem Unterricht ein zusätzliches, freiwilliges Nachmittagsprogramm, dass in der Regel freie Träger im Auftrag des Schulträgers also der Kommune übernehmen.
Beim teilgebundenen Ganztag übernimmt die Schule an den Pflichttagen ein pädagogisches Angebot. Beim teilgebundenen Ganztag ist auch das Land bei der personellen Versorgung der Schulen in der Pflicht.

"Fakt ist, dass wir nicht den Bedarf an Betreuung verkennen", heißt es in einem offenen Brief der Schule an die Sutthauser Eltern. "Wir haben uns über Jahre bemüht, für die Kinder das in unseren Augen pädagogisch sinnvolle zu erreichen", ergänzt Schulleiterin Martina Lade im Gespräch mit unserer Redaktion. Der teilgebundene Ganztag, der auch vom Kultusministerium als die qualitativ höherwertige Form des Ganztags benannt werde, biete zum Beispiel die Möglichkeit, den Vormittag zu entzerren und so ein entspannteres Lernen möglich zu machen. Zumal der teilgebundene Ganztag auch einen höheren Anteil an Lehrerstunden vorsieht. Der Schulträger habe sich aber gegen den teilgebundenen Ganztag ausgesprochen, obwohl den Schulen die Wahl vom Kultusministerium freigestellt sei. 

Fehlende Fairness

 "Wir bedauern sehr, dass jahrelange zeit- und kräftezehrende Auseinandersetzung mit dem Thema zu diesem für uns äußerst unbefriedigendem Ergebnis geführt hat", heißt es in dem Schreiben an die Eltern. Die Schule habe in den vergangenen Jahren intensiv an einem teilgebundenen Ganztagskonzept gearbeitet, so Lade. "Es wäre vom Schulträger fairer gewesen, gleich zu sagen, dass er nur den offenen Ganztag will."

Die Grundschule Sutthausen hätte lieber einen teilgebundenen Ganztag. Foto: Jörn Martens

Während die Ganztagsdiskussion in Sutthausen damit ein vorläufiges Ende gefunden hat und die Umsetzung nun auf den Weg gebracht werden kann, steht dieser Prozess an anderen Grundschulen noch aus. Bislang wird an folgenden Schulen der Ganztag praktiziert: Drei-Religionen-Schule (Träger Schulstiftung des Bistums), Rosenplatzschule, Grundschule Eversburg, Grundschule in der Dodesheide, Heiligenwegschule, Stüveschule, Diesterwegschule, Waldschule Lüstringen und Lüstringer Bergschule (Förderschule). 

Die Umwandlung in eine offene Ganztagsschule ist an der Waldschule Lüstringen und der benachbarten Bergschule abgeschlossen. Im Mensaneubau werden mittags die Kinder versorgt. Foto: Jörn Martens

In der Umstellungsphase befinden sich folgende Schulen: Grundschule Hellern (fertig 2019), Grundschule Schölerberg (2019), Heilig- Geist Schule und Albert-Schweitzer Schule (2020), Bernhard-Overberg Schule (2021) und die Grundschule Atter (2022). Allen Schulen bis auf Diesterweg- und Drei-Religionen-Schule ist oder wird ein kooperativer Hort angeschlossen sein.

12 Schulen müssen sich noch auf den Weg machen

Bleibt also ein offener Rest von 12 Schulen, die sich noch auf den Weg zum Ganztag machen müssen. Hier soll die Verwaltung per – bei zwei Enthaltungen von den Linken – einstimmig gefasstem Beschluss das Gespräch suchen, um die Umwandlung zu Ganztagsschulen zu forcieren. Diese ambitionierte Forderung der Politik stieß bei Schuldezernent Wolfgang Beckermann und seinem für Hochbauten zuständigen Kollegen Frank Otte auf Skepsis. 

Im Raum steht dabei die Frage, wie die Verwaltung die Forderung der Politik personell und finanziell umsetzen soll. Das Geld solle möglichst vom Bund und vom Land kommen, hieß es quer durch alle Fraktionen. Wie die Verwaltung personell reagieren soll, ließ der Rat offen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN