Informationsabend für Interessierte Osnabrücker „Fridays for Future“- Organisatoren suchen Dialog

Am Freitag findet der nächste globale Streik statt: Auch Osnabrücker Schüler gehen bei "Fridays for Future" wieder auf die Straßen, um für eine konsequentere Klimapolitik zu demonstrieren. Foto: Archiv/Swaantje HehmannAm Freitag findet der nächste globale Streik statt: Auch Osnabrücker Schüler gehen bei "Fridays for Future" wieder auf die Straßen, um für eine konsequentere Klimapolitik zu demonstrieren. Foto: Archiv/Swaantje Hehmann

Osnabrück. Seit mehreren Monaten streiken Osnabrücker Schüler für eine konsequentere Klimapolitik. Die Organisatoren von "Fridays for Future" suchten Mittwochabend den offenen Dialog mit Eltern und Interessierten.

Um die 30 Eltern und Interessierte kamen zum Informationsabend im Museum am Schölerberg. Sie bekamen von den Organisatoren Einblicke in die Klimainitiative „Fridays for Future“ und ihre Ziele. Diskussionsstoff bot die Schulpflicht.

Die Organisatoren waren enttäuscht von der geringen Teilnahme am Infoabend, wollten sie doch eigentlich den Dialog mit möglichst vielen suchen. Lehrer, die ihnen kritisch gegenüberstehen, seien nicht vor Ort gewesen. Eine Mutter des Gymnasiums in der Wüste kritisierte dies scharf: 

"Da hat keiner das Rückgrat, hier aufzutauchen."

Ein Einblick in die Initiative 

Die Organisatoren nutzten die Gelegenheit, um über ihre Strukturen und Arbeitsweise aufzuklären. Jakob zur Heide gab einen kurzen Einblick: "Die Ortsgruppen der Initiative wählen Delegierte, die mit Stimmungsbildern die Ortsgruppen bundesweit vertreten", erklärte Jakob zur Heide. Er selbst ist Delegierter der Ortsgruppe Osnabrück. Über landes- und bundesweite Telefonkonferenzen würden Aktionspläne, Ideen, Termine und Aufgaben für Arbeitsgruppen besprochen. Eines der dort besprochenen Ziele, beschrieb Schülerin Dörte: "Wir wollen den Kohleausstieg bis 2030. Weil die Regierung aber den Ausstieg bis 2038 festgelegt hat, werden wir weiterstreiken" Dafür würden sie nicht nur streiken wollen, sondern eine Bewegung bilden. 

Die Schüler und Mitorganisatoren Jakob zur Heide und Lars Biesenthal (rechts) standen den Fragen der Eltern Rede und Antwort. Im Hintergrund sind Bilder der Fahrraddemo letzten Freitag zu sehen. Foto: Felix Westhoff Zu dieser Frage standen die zehn Schülerinnen und Schüler aus dem Organisationsteam der Streiks und Demos Rede und Antwort. Sie betonten erneut ihre Klimaschutzziele. Foto: Felix Westhoff.

Diskussion über Schulleiter und Strafen 

Ihre hartnäckigen Streiks stoßen nicht überall auf Zustimmung. Im Rahmen des Infoabends wies Mitorganisator Lars Biesenthal (16) daraufhin, dass die Osnabrücker Schulen die Streiks unterschiedlich bewerteten. Zwar stehen die Schulleiter der Initiative meist "eher positiv" gegenüber. An manchen Schulen habe es aber vehemente Diskussionen und Verbote gegeben. 

Lili aus der elften Klasse des Gymnasiums in der Wüste zeigte sich enttäuscht über das jüngste Vorgehen ihres Rektors. Für die Streiks und Demos zu werben, sei nicht mehr erlaubt. Zudem dürfe das Fehlen im Unterricht für die Demonstration nicht mehr entschuldigt werden. Eine Mutter vertrat die Ansicht: „Wir dürfen entschuldigen, egal worum es geht.“

Zu potenziellen Bestrafungen der Schüler gab es unterschiedliche Einschätzungen. Während manche drastischere Maßnahmen befürchteten, meinten andere, dass dies nur "die harten Schulschwänzer" betreffe. Zu denen würden die jungen Klimaaktivisten nicht gehören, hieß aus den Reihen der Eltern. Wilhelm Vennemann aus dem Elternschulrat des Wüstengymnasiums, teilte mit, dass zu harte Bestrafungen ohnehin unverhältnismäßig seien. Schließlich störe es nicht den Schulfrieden. Er zeigte jedoch Verständnis für die schwierige Situation der Schulleiter: 

"Der Rektor muss sich natürlich an die Gesetze halten."

Besondere Situation für Eltern 

Die anwesenden Eltern zeigten weitgehend Sympathie für die Streiks und Ideale der Schüler. Es sei eine spezielle Situation: "Für alle ist es neu und eine enorme Wucht", befand eine Mutter. Darüber hinaus seien die Streiks kein Vergehen, sondern zeugten von Engagement." Sie befürwortete zudem die "kreativen Lösungen", wie das Erscheinen zu den ersten beiden Schulstunden bevor der Streik beginnt. Daraus resultiere dann auch kein Fehltag. 

Eine Mutter fragte, wie Eltern denn helfen könnten. Mitorganisator Lars plädierte dafür, die Kinder nicht für ihr Engagement zu bestrafen. Einige Mütter konnten sich sogar vorstellen, an den Streiks und Demos teilzunehmen. Allerdings sei dies meist schwer mit dem Job zu vereinbaren. Eine Schülerin hatte da einen Vorschlag parat: "Meine Eltern arbeiten von Montag bis Donnerstag besonders viel, um dann am Freitag bei den Streiks dabei zu sein". 

Am Freitag gehen die Proteste in die nächste Runde: Um 10 Uhr beginnt der Streik vor dem Theater. Es soll unter anderem musikalische Workshops und Gastbeiträge geben, bevor um 13.30 Uhr der Demozug durch die Stadt beginnt. Die Organisatoren rechnen mit großer Beteiligung im hohen dreistelligen Bereich. Deutschlandweit sind in mehr als 200 Städten Streiks und Demos geplant. 


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