„Kunst nicht wie in der Schule“ Kinder gestalten künstlerische Zeitreise über 4000 Jahre im Museum

Bis hin zur Architektur der Gegenwart reichte die Zeitreise der kleinen Künstler im Kulturgeschichtlichen Museum. Von links: Anleiter Henning Lichtenberg, Annik (9 Jahre), Nisma (5) und Nima (7).  Foto: Jörn MartensBis hin zur Architektur der Gegenwart reichte die Zeitreise der kleinen Künstler im Kulturgeschichtlichen Museum. Von links: Anleiter Henning Lichtenberg, Annik (9 Jahre), Nisma (5) und Nima (7). Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Eine "künstlerische Zeitreise über 4000 Jahre" unternahmen acht Schüler im Osnabrücker Museumsquartier – angeleitet und konzipiert von Künstler Henning Lichtenberg.

Das wild geschriebene Wort „Blind“ ist unter einigen Porträtbildern zu lesen, die wie lustige Karikaturen anmuten und im Keller des Felix-Nussbaum-Hauses ausgestellt sind. Das Prinzip der Blindzeichnung, bei dem das Gegenüber porträtiert wird, ohne dabei auf das Blatt zu schauen, sei eine „Lockerungsübung“ gewesen, sagt der Künstler Henning Lichtenberg, der mit acht Schülern unterschiedlicher Herkunft und zwischen fünf und zehn Jahren eine von ihm konzipierte künstlerische Zeitreise durch das Kulturgeschichtliche Museum nebenan unternommen hat. Was er davon erzählt, klingt wie ein wilder Parforceritt durch 4000 Jahre Kunstgeschichte. Von den Anfängen in der Bronzezeit über die Steinzeit, die Antike und das Mittelalter bis hin zur Architektur der Gegenwart ging er mit den Kindern auf Entdeckungsreise. Kein Wunder, dass er die zehn Wochen, in denen er sich jeden Mittwoch für rund drei Stunden mit den Schülern traf, als „zu wenig“ empfindet und „ewig weitermachen“ könnte. 

Entdecken und Gestalten

In die Museumspädagogik ist Lichtenberg über mehrere Jahre „hineingewachsen“, wie er selbst sagt. Angefangen hat er mit einem Museumsclub für Kinder, der jeden ersten Samstag im Monat tagt. Mittlerweile führt er aber auch ganze Schulklassen zu „fast allen Themen“ durch das Museumsquartier. Die Idee und das Konzept einer komprimierten künstlerischen Zeitreise für Kinder hatte er bereits entwickelt, bevor es nun dank finanzieller Unterstützung der VGH-Stiftung und einer konzertierten Zusammenarbeit zwischen Lagerhalle, Exil-Verein und der städtischen Musik- und Kunstschule, an der Lichtenberg auch als Dozent tätig ist, erstmals verwirklicht werden konnte. Dabei ging es ihm nicht nur um Theorie. Ganz im Gegenteil: Nach den Rundgängen durch das Museum, bei denen Exponate entdeckt und erläutert wurden, konnten die Kinder in der Werkstatt „in verschiedene Techniken reinschnuppern“ und unterschiedliche „Materialerfahrungen“ sammeln, erläutert Lichtenberg das offene Konzept. „Nicht wie in der Schule“ in einem starren Rahmen, sondern unter seiner Anleitung frei experimentierend wurden die Schüler an die verschiedenen Epochen und Techniken der Kunst herangeführt. 

Eigene Stadtmodelle

Um einen Bezug zu ihrer eigenen Lebenswirklichkeit herzustellen, wurde dabei auch stets gefragt, wie Kinder in vergangenen Zeiten gelebt und noch wichtiger: gespielt haben. Unter anderem ein kleiner, Jahrtausende alter Würfel oder eine Flöte aus Knochen dienten dabei als Anregung und Anschauungsmaterial für eigene kreative Ideen. Wachstafeln wurden selber gegossen, Puppenstuben oder Spiele aus Speck-Seife gebaut, auf Plastikplatten Radierungen im Dürer-Stil angefertigt oder Selbstporträts im Stil der Epoche Nussbaums, als sich Künstler zunehmend mit dem eigenen Ich beschäftigt haben. Am Ende der Zeitreise konnten sich die Kinder schließlich spielerisch mit der Gegenwartsarchitektur auseinandersetzen, indem sie aus Papier eigene kleine Stadtmodelle nach ihrer Idealvorstellung bastelten – „mit kindlicher Fantasie gewürzt“, wie Lichtenberg betont. Viele Wasserflächen und Parks waren dabei unumstritten. Allein bei der Frage, ob denn auch eine Schule dazu gehöre, schieden sich die jungen Geister.


Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus

werden einige Ergebnisse der „Zeitreise“ noch bis einschließlich Sonntag, 24. März, im Untergeschoss des Felix-Nussbaum-Hauses zu sehen sein.   

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