Wo wird noch Fußball gezeigt? Ein Rundgang durch die Innenstadt am Champions-League-Abend

Volle Hütte:  Großer Andrang im „Grünen Jäger“ beim Champions-League –Spiel Bayern München gegen FC Liverpool .  Foto: Thomas OsterfeldVolle Hütte: Großer Andrang im „Grünen Jäger“ beim Champions-League –Spiel Bayern München gegen FC Liverpool . Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Immer mehr Spiele, Sender und Termine: Nicht alle Osnabrücker Gastronomen machen den Fußball-Wahnsinn weiter mit. Drei Große bleiben, aber es gibt auch Geheimtipps.

Bereits zweieinhalb Stunden vor Anpfiff des Champions League-Achtelfinalrückspiels zwischen Bayern München und dem FC Liverpool sind alle Tische in der Gastro-Kneipe Balou an der Seminarstraße besetzt. Und bleiben es auch. Denn die überwiegende Mehrheit der Gäste ist nicht nur zum Essen hier, sondern auch zum anschließenden gemeinsamen Fußballgucken. Als eine Art Vorprogramm flimmern bereits die Drittligaspiele der Konkurrenten des VfL Osnabrück über die Bildschirme und Leinwände.

Fußball als Publikumsmagnet: Im Balou funktioniert es. Foto: Thomas Osterfeld


 „Wir bieten alles an, weil Fußballübertragungen neben Live-Musik, Essen und Trinken schon seit Jahrzehnten ein großes Standbein von uns sind“, erklärt Balou-Betreiber Dirk Dreher. Dabei legt er aber Wert darauf, dass das Traditionslokal im Kolpinghaus „keine reine Sportsbar“ ist. Er persönlich glaubt, dass das „Produkt“ Fußball, um das der Hype immer größer werde, einen „zu hohen Stellenwert in der Berichterstattung“ hat. Nichtsdestotrotz fahre man aber mit auf dem „großen Karussell“ – auch, weil es „ein entscheidender Umsatzfaktor“ sei, konzediert Dreher.

Mehr Kulturzentrum als Fußballkneipe

In der Lagerhalle am Heger Tor ist es dagegen an diesem Abend ruhig. Seit dort einvernehmlich beschlossen wurde, nur noch die im Free-TV angebotenen Fußballspiele zu zeigen, seien die Umsätze aber auch „nicht eingebrochen“, sagt Reinhard Westendorf, der in der Lagerhalle neben dem Filmprogramm auch für das „Public Viewing“ verantwortlich ist. Trotzdem sei die Entscheidung nicht leicht gefallen, zumal die Lagerhalle als erste Osnabrücker Gastronomie schon seit der Weltmeisterschaft 1990 Fußball auf Großbildleinwand gezeigt habe. Aber so stark und beliebt sie als Fußballkneipe auch immer gewesen ist: Vornehmlich sei die Lagerhalle eben ein Kulturzentrum, das auch einen „kulturellen Auftrag“ zu erfüllen habe, betont Westendorf. Und durch die zunehmende Zersplitterung der Spieltage seien eben immer mehr andere Kulturveranstaltungen durch die Fußballübertragungen in Mitleidenschaft gezogen worden. Entsprechend gebe es seit dem Ausstieg „mehr positive Reaktionen als Kritik“, zeigt sich Westendorf einigermaßen überrascht von den Rückmeldungen der Gäste.

Treffpunkt für Profis

Überraschend ist auch, dass derweil schräg gegenüber in der Joe Enochs Sportsbar, wohin sich das Fußball-Publikum ja naheliegend verlagern müsste, auch noch eine gute Dreiviertelstunde vor Spielbeginn etliche Plätze frei sind. Der Grund dafür wird aber schnell klar: Es ist komplett durchreserviert – „und zwar schon seit Wochen und Monaten“, wie der ehemalige VfL-Profi und heutige Gastwirt Rainer Knopp anmerkt. 

Andrang beim CL-Spiel: Bayern München - Liverpool in der Joe-Enochs-Sportbar. Foto: Thomas Osterfeld


Ähnlich wie im Stadion hätten einige seiner Gäste, unter denen sich auch viele aktive Fußballspieler befinden, sogar Stammplätze, verrät der bekennende Bayern-Fan. Als deren Spiel dann angepfiffen wird, hat sich längst drinnen und auch draußen am „Raucher-Bildschirm“ so viel Laufpublikum dazu gesellt, dass es in und an der Sportsbar so eng ist wie die längste Zeit der Spielverlauf.

Traditionelle Anlaufstelle

Im Grünen Jäger an der Katharinenkirche sitzt lediglich eine Gruppe von rund 50 Studenten an irrtümlich reservierten Plätzen. Denn Reservierungen sind hier an Fußballtagen grundsätzlich nicht möglich, verrät Schichtleiter Henrik Hundeshagen. Deshalb war es auch schon zwei Stunden vor Anpfiff rappelvoll in dieser traditionellen Anlaufstelle für Fußballfans. Darüber, dass trotz Diversifizierung der Anbieter auch weiterhin sämtliche Spiele von der ersten bis zur dritten Liga und aller europäischen Wettbewerbe gezeigt werden, gab es „keine Diskussion“, sagt Hundeshagen, der auch von „noch mehr Zulauf“ berichtet, seit einige Mitbewerber abgesprungen sind. 

Mitfiebern an der Bar können Fußballfans auch im Grünen Jäger. Foto: Thomas Osterfeld


Komplett das Licht aus und die Türen zugemacht haben an diesem Abend etwa die Altstadt-Hütte oder das Sonnendeck, obwohl dort das Sky-Schild an der Außenwand noch etwas Anderes verspricht. Aber es gibt neben den drei großen tatsächlich auch noch einige kleinere Kneipen in der Innenstadt, die dem „Licht aus für Fußball“-Trend trotzen, etwa der Warsteiner Treff in der Krahnstraße, die The Nube Shisa- und Cocktailbar am Kamp, die Bierkneipe Schmales Handtuch in der Hasestraße oder die Café-Bar Pollyesther´s am Domhof, wo es im Obergeschoss sogar noch ausreichend Sitzplätze gibt, als das Unheil für die Bayern seinen Lauf nimmt.


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